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Erfolg in der Aula
Die neue Messe liegt voll im Trend

 Tatjana und Raphael Kolz (von rechts) am Stand von Andrea Rullang, die ihre Filzarbeiten präsentierte.
Tatjana und Raphael Kolz (von rechts) am Stand von Andrea Rullang, die ihre Filzarbeiten präsentierte. FOTO: Thomas Seeber /
Sulzbach. Die Aula war den ganzen Tag über sehr gut besucht. Selbst etwas herzustellen, entwickelt sich offensichtlich zu einer immer beliebteren Freizeitgestaltung. Von Petra Pabst

„Klasse, bombastisch, großartig, super“: Solche Superlative hörte man am vorigen Sonntag ständig auf allen Stockwerken der Aula. Sulzbach präsentierte sich kreativ mit der Erstauflage seiner „Do-it-yourself-Messe“, und die Idee schlug voll ein. Offenbar war bei vielen dieser Tag schon als fester Termin im Kalender vorgemerkt, denn in der Zeit von 10 bis 18 Uhr strömten pausenlos Kauflustige und Interessierte in das Gebäude.


„Es ist gerade einmal 14 Uhr und ich habe schon Dreiviertel meiner angebotenen Waren verkauft“, freut sich Ruth Grünbeck aus Dudweiler. Sie bietet selbst genähte Handtaschen aus Wachstuch-Stoffen an. Verschiedene Größen, Formen und Farben sind dabei, die Auswahl fällt schwer. Bereits kurz nach der Eröffnung um 10 Uhr herrschte riesiger Andrang, und die Besucher mussten sich Zeit mitbringen, wenn sie alle Auslagen an den Tischen der Ausstellerinnen und Aussteller bewundern wollten. Viele hundert Gäste aus dem ganzen Saarland flanierten durch die Aula und sammelten Inspirationen für ihr Hobby. Ob häkeln, filzen, nähen, stricken, backen, arbeiten mit Glas oder mit Papier – selbst etwas herzustellen, entwickelt sich offensichtlich zu einer immer beliebteren Freizeitgestaltung. Diesen Trend griff die Stadt Sulzbach mit ihrer neuen Messe mit mehr als 30 Ausstellern auf. Organisatoren, Besucher und Standbetreiber äußerten sich durchweg mehr als zufrieden. „Entdecken Sie Ihre Talente und haben Sie Freude am Selbermachen“, forderte Heike Kneller-Luck bei der offiziellen Eröffnungsansprache die Besucher auf. Ihr und ihrem Team von der Abteilung „Zukunft“ dankte der Hausherr, Bürgermeister Michael Adam, besonders für die „perfekte Vorbereitung“ der Messe. Auch sie staunten und freuten sich über das große Interesse. Zusätzlich zu den zum Verkauf stehenden Waren wurden Mitmach-Aktionen und Workshops angeboten. „Frau Luna“ – alias Sabrina Neukirch – zeigte zum Beispiel, wie man schicken Kopfschmuck herstellt. Bei den Damen von „Filografie Sevdalilari“ fertigten Kinder unter der fachkundigen Anleitung von Gülcan Karaeli ein Herz aus Nägeln und farbigem Basteldraht. Farbenfrohe textile Kunstwerke zeigten die Ausstellerinnen mit ihren Patchwork- und Quilt-Arbeiten von Kursleiterin Mathilde Fichtner. Roman Stutz aus Sulzbach stellte seine fröhlichen Eulen, Katzen oder Gesichter und andere Waren aus Glas aus. Gerne erklärte er, wie er sie herstellt. „In diesem Sommer war ich allerdings etwas weniger fleißig“, sagt er schmunzelnd. Nun, bei über 800 Grad im Glasofen kann man das nachvollziehen. „Hinreißend, diese Papierkunst,“ schwärmt Brigitte Janson aus Jägersfreude, die mit Freundin Esther Schönsiegel gekommen ist. „Da geht mir das Herz auf!“ Sie selbst malt und arbeitet viel mit Pappmaché. „Wir haben selbst gerade ein Großprojekt begonnen und renovieren und gestalten ein altes Wohnhaus. Hier hole ich mir heute tolle Anregungen und nehme mir neue Ideen mit“, erklärt sie. Handgemachte Naturseifen bietet Margret Resch aus Friedrichsthal an. Das besondere dabei: „Ich fertige meine Seifen aus rein natürlichen Zutaten und ohne Palmöl“, sagt sie.

In der mittleren Etage bietet das Team von Petra Crauser-Sauer unter anderem Kaffee und Schnittchen mit selbst gemachten Chutneys zur Stärkung an. Zum Nachtisch verwöhnen sich viele Gäste mit einem Cupcake oder einem Stück Torte, die von Angelika Klos aus Heusweiler angeboten werden. Ihre essbaren köstlichen Kunstwerke aus Teig und Buttercreme finden rasenden Absatz. „120 Cupcakes und drei Torten hatte ich vorbereitet, nun ist kaum noch etwas übrig.“ „Handarbeitsgöttin“ steht auf dem T-Shirt von Michaela Frommelt. Wie einige andere Ausstellerinnen hat sie selbst genähte und gefilzte Waren im Angebot. Nähen scheint besonders im Trend, wie unzählige verschiedene Taschen, Mützen, Schals und Kleidungsstücke zeigen. Und dass man aus fast allen Materialien zauberhafte Schmuckstücke herstellen kann, zeigen weitere Anbieterinnen an ihren Tischen. Am Stand von Cornelia Holleck-Weithmann drängen sich die Besucher und staunen über ihre Upcycling-Idee: Unter anderem spinnt sie aus Zeitungspapierstreifen dicke Garne und fertigt aus ihnen Schmuck und dekorative Schalen. Diese Messe kann man getrost als „Volltreffer“ bezeichnen. Obwohl man im Internet fast alles bestellen kann, kamen Hunderte Do-it-yourself-Fans und suchten den Kontakt mit den Kunsthandwerkern und ihrer Ware. Dabei kommt es nicht auf das „Sparen“ an. Mit industriell hergestellten Waren können die Preise nicht mithalten. Vielmehr ist „DIY“ eine Einstellung, denn mit handgearbeiteten Dingen erfährt man Nachhaltigkeit und Freude am Kreativsein.



Das große Interesse zeigte sich am Ende des Tages auch an den vielen Anmeldungen für gestalterische Kursangebote bei der VHS, wie zum Beispiel Mosaiklegen mit Gisela Heintz oder kreatives Schreiben und Schildermalen mit Christian Rodewald.