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Stadt bleibt auf 64 000 Euro sitzen

Stadt bleibt auf 64 000 Euro sitzen

Von einer Ex-Mitarbeiterin, die Geld veruntreut hatte, wollte die Stadt Sulzbach auch diejenigen Kosten erstattet haben, die eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Rechnung stellte. Davon aber nahm sie nun Abstand.

Nach mehr als drei Jahren wird jetzt eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Stadt Sulzbach und einer Ex-Mitarbeiterin im Rathaus ad acta gelegt. Und zwar mit einem Vergleich, wie jetzt die Saarbrücker Zeitung erfuhr. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Stadtrat dem Ansinnen zugestimmt.

Zur Chronologie: Die Stadt Sulzbach hatte am 30. März 2011 der langjährigen Angestellten fristlos gekündigt und Strafanzeige gestellt. Über Jahre hinweg hatte die Frau, die zuletzt bei der Stadtkasse tätig war, Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dafür wurde sie ein Jahr später rechtskräftig verurteilt - zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr wegen gewerbsmäßiger Untreue (SZ vom 6. Juli 2012).

Sie hatte vor Gericht gestanden, Geld auf die Seite geschafft zu haben, um private Finanzlöcher zu stopfen. Summa summarum ging es um veruntreute 77 000 Euro . Soweit die strafrechtliche Würdigung der Geschichte, die damit aber noch längst nicht beendet war.

Denn anschließend ging es um weitere 74 000 Euro , die die Stadt von ihrer ehemaligen Mitarbeiterin erstattet haben wollte. Weil Bürgermeister Michael Adam die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) eingeschaltet hatte - hinsichtlich der Schadensermittlung. Und die stellte ihre Bemühungen mit besagten 74 000 Euro in Rechnung.

Der Anwalt der Ex-Mitarbeiterin hielt das für weit überzogen, weil der Prüfauftrag an PwC außer der Feststellung des Schadens auch die Erarbeitung von Vorschlägen beinhaltet habe, wie sich Ähnliches künftig verhindern lässt.

Über die fragliche Summe wurde also in der Folge vor dem Arbeitsgericht gestritten. Und schließlich vor dem Landesarbeitsgericht. Dieses hatte beiden Parteien einen Vergleichsvorschlag unterbreitet - zur Vermeidung der Beweisaufnahme. Demzufolge hätte die Ex-Mitarbeiterin über die eigentliche Schadenssumme hinaus weitere 10 000 Euro zahlen sollen, und alle Forderungen wären abgegolten gewesen.

Der Finanzausschuss des Sulzbacher Stadtrates, der hier ein Wörtchen mitzureden hatte, lehnte dies - ganz im Sinne der Verwaltung - ab (SZ vom 23. November 2013). Man wollte es drauf ankommen lassen. Das heißt: Das Gericht hätte nachfolgend die Details geprüft, vor allem die Frage, ob es unbedingt nötig war, eine Prüfungsgesellschaft einzuschalten, die gemeinhin Stundensätze von etwa 200 Euro nebst einiger Spesen in Rechnung stellte.

Die richterlichen Bemühungen haben jedoch ein Ende gefunden, denn: Die Stadt hat zwischenzeitlich eingelenkt und den Vergleichsvorschlag doch noch akzeptiert. Damit endet das Berufungsverfahren. Die Ex-Mitarbeiterin zahlt also noch 10 000 Euro an die Stadt, und diese bleibt auf 64 000 Euro sitzen.

Auf SZ-Anfrage wollte sich Bürgermeister Michael Adam nicht zu den Einzelheiten des Vergleichs äußern. Doch auf die Frage, ob er noch einmal so handeln würde wie im geschilderten Fall und für viel Geld eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragen würde, sagte Adam eindeutig ,,Ja". Als Verwaltungschef würde er es ,,aus heutiger Sicht wieder genauso machen". Es sei seinerzeit absolut notwendig gewesen, die internen Vorgänge von unabhängigen Dritten prüfen zu lassen, um die Sache sauber über die Bühne zu bringen. Dadurch sei auch der Betriebsfrieden wiederhergestellt worden.