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Skulptur für die Aula mehrheitlich abgelehnt

Sulzbach. Die Enttäuschung stand Manfred Schaus und Dr. Wolfram Brokate deutlich ins Gesicht geschrieben. Mitglieder des Kunstvereins verließen kopfschüttelnd den Festsaal des Rathauses Von SZ-Mitarbeiter Elmar Müller

Sulzbach. Die Enttäuschung stand Manfred Schaus und Dr. Wolfram Brokate deutlich ins Gesicht geschrieben. Mitglieder des Kunstvereins verließen kopfschüttelnd den Festsaal des Rathauses. Was war passiert? In seiner Sitzung am Donnerstag sollte der Bauausschuss des Sulzbacher Stadtrates auf Empfehlung der sogenannten Vorschlagskommission "Kunst am Bau" die Anschaffung einer Skulptur der international bekannten isländischen Künstlerin Sigrún Ólafsdóttir beschließen (wir berichteten). Doch es gab keine Mehrheit: Nur SPD und FDP waren dafür, CDU und Freie Wähler dagegen. Das Kunstwerk aus Cortenstahl mit dem Namen "Feuersprung" sollte auf die Freifläche der neuen Sulzbacher Veranstaltungsstätte Aula. Kostenpunkt: 30 000 Euro, finanziert zu zwei Dritteln aus dem Förderprogramm "Soziale Stadt", mit dem auch der Umbau des alten Westflügels des Gymnasiums zur neuen Aula teilweise mitfinanziert wurde. Vor der Abstimmung hatten für die Kommission Manfred Schaus und Wolfram Brokate ein flammendes Plädoyer für die neue Skulptur gehalten. Beide bezeichneten sie als ideale Ergänzung der Freifläche. Schaus erklärte: "Mit der Skulptur erfährt das gesamte Ensemble die kulturelle Bedeutung, die es verdient." Es handele sich um ein sehr interessantes Kunstwerk, das vielfältige Interpretationen zulasse, erläuterte Brokate. Vor allem aber erinnere die Kombination von Feuer und Stahl an die industrielle Vergangenheit der Stadt. Bürgermeister Hans-Werner Zimmer betonte, dass die Plastik im Rahmen der Gestaltung der Freifläche bereits finanziert sei. Und er erinnerte daran, dass die Nachbarstadt Friedrichsthal bei der Neugestaltung der Stadtmitte sogar zwei Skulpturen aufgestellt hat. Doch bei der Abstimmung gab es keine Mehrheit für das Kunstwerk. Für die CDU erklärte Renate Schiel-Kallenbrunnen: "Bei der finanziellen Situation der Stadt können wir dem Bürger eine solche Anschaffung nicht vermitteln." Und Bernd Schlachter von den Freien Wählern sagte: "Die Skulptur ist uns zu teuer. Wir lehnen sie ab." Die Künstlerin Sigrún Ólafsdóttir - sie war in der Sitzung dabei - trug die Entscheidung des Gremium mit Fassung. Vielleicht überlässt sie ja der Stadt das kleine Modell, das sie angefertigt hat. Es stand direkt vor Kämmerer Erwin Strahl und FDP-Mann Wolfgang Raue. Der meinte resignierend: "Hier wurde eine große Chance und einzigartige Gelegenheit vertan, die Stadt ein Stück voranzubringen." Die Skulptur hätte etwas Glanz nach Sulzbach gebracht. "Mit der Skulptur erfährt das Ensemble die Bedeutung, die es verdient."Die VorschlagskommissionMeinung



Meier KurtsSpeckstein

Von SZ-RedakteurinMichèle Hartmann Große Chance vertan, könnte man über die Bauausschuss-Sitzung vom Donnerstagabend schreiben. Die Mehrheit der Ratsmitglieder verzichtete dankend auf den Erwerb einer Skulptur der bekannten Künstlerin Sigrún Ólafsdóttir. Es gibt eine Reihe von Kommunen, die würden Sulzbach beneiden um ein Kunstwerk wie den "Feuersprung". Doch hier scheitert ein solches Vorhaben an fragwürdigen Argumenten. Allzu populistisch die Ansicht, man könne dem Volk nicht vermitteln, dass man für eine Plastik 30 000 Euro ausgibt. Klar, die steht einfach nur da rum, wirft keine Rendite ab und hat auch sonst keinen wirtschaftlichen Nutzen. Allerdings hätte sie doch erhebliche Strahlkraft gehabt, sie hätte viel Aufsehen erregt in einer Stadt, die in künstlerischer Hinsicht einiges auf sich hält. Aber wie gesagt, Chance vertan. Ein bisschen erinnert das, was sich Christdemokraten und Freie Wähler da geleistet (oder nicht geleistet) haben, an den saarländischen TV-Helden Heinz Becker. Der denkt auch gerne in Discounter-Kategorien. Getreu dem Motto: Mir holle de Meier Kurt mit seine Speckstein-Elefande. Hauptsach' es koschd nix.