Wo gearbeitet wird: Schüler lernen Berufsalltag kennen

Wo gearbeitet wird : Schüler lernen Berufsalltag kennen

Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der Firma Lidl haben Schüler des BBZ nun die Chance, leichter ihren Weg in die Arbeitswelt zu finden. Im Laufe der nächsten Monate werden Schule und Unternehmen vertiefende Projekte organisieren.

Leicht unsicher wirkte der blonde Teenager hinter der Kasse, als er die Waren vorsichtig über den Scanner schob. Hinter ihm soufflierte eine Angestellte des Lidl-Marktes in Friedrichsthal freundlich lächelnd: „Wenn du Übung hast, dann schaffst du über 40 Artikel pro Minute“. Dann räumte der Teenager seinen Stuhl, den er nur probeweise besetzt hatte. Das Kassieren war nur eine Station, die die Schülerin des Berufsbildungszentrums Sulzbach an diesem Vormittag kennenlernte. Genau wie ein gutes Dutzend ihrer Mitschüler, die hinter die Kulissen des Einkaufsmarktes schauen durften.

Möglich machte das eine Kooperationsvereinbarung, die just an diesem Tag zwischen dem BBZ Sulzbach und Lidl besiegelt wurde, wie die
Leitung des BBZ mitteilte.

Es sei eine der ersten Allianzen dieser Art im Saarland. Entsprechend feierlich wurde sie bei Sekt, Wasser und ein paar Leckereien abgeschlossen. Die Abteilungsleiterin der Beruflichen Schulen im Bildungsministerium, Anja Wagner-Scheid, war dabei und würdigte diese „Lernkooperation“ zwischen dem BBZ Sulzbach und einem großen Unternehmen als richtigen Weg: Sich über diese Schiene näher kennenzulernen, biete „Schülern und Unternehmen große Chancen“, ihre Zukunft zu organisieren. Sie sähe landesweit gerne mehr solcher Bündnisse. Die Vertreterin des Bildungsministeriums sagte weiter: „Heute gibt es auf dem Arbeitsmarkt so viele Möglichkeiten. Da die richtige Entscheidung zu treffen, ist nicht einfach. Es hilft, wenn man sich frühzeitig umschauen kann.“

Im Laufe der nächsten Monate werden Schule und Unternehmen vertiefende Projekte organisieren. Fest verankert ist bereits, dass den Schülern des Handelsschulzweigs praktische Hilfe bei der Bewerbung gegeben werden soll. Sogar ein Vorstellungsgespräch oder ein Assessmentcenter soll den jungen Leuten übungshalber angeboten werden, wie Susanne Zadach, Personalleiterin bei Lidl, avisierte: „Denn wir haben festgestellt, dass da sehr viel Unsicherheit herrscht. Schülerinnen und Schüler wissen oft nicht, was auf sie zukommt.“

Christian Kautenburger, bei dem Discounter für die Aus- und Fortbildung zuständig, betonte, dass diese Personalauswahlverfahren bei vielen Unternehmen ähnlich sind. In Richtung der Schüler, die dem Startschuss der Kooperation beiwohnten, sagte er: „Da können wir euch ganz viel für euren weiteren Berufsweg mitgeben.“

Worte, die BBZ-Schulleiter Josef Paul gerne hörte und bemerkte: „Diese Kooperation bringt unsere Schule ein Stückchen weiter nach vorne - und das ist gut für unsere Schülerinnen und Schüler“. BBZ-Abteilungsleiter Hans-Jörg Opp und Christian Kautenburger, die diese Initiative vorbereitet und bis zur Unterschriftsreife begleitet hatten, skizzierten die Motivation, mit der sie in mehrmonatiger Arbeit die nicht einfache Klammer zwischen Schulanforderungen und Zwängen eines Unternehmens schufen: „Wir müssen Praxis in die Schule bringen“, sagte der Pädagoge.

Was das tatsächlich heißt, erlebte die Schülergruppe wenige Augenblicke später. Dann ging sie nicht mit dem Blick des Kunden, sondern mit der Brille des Mitarbeiters durch das Geschäft. Was das im Kern heißt, illustrierte ein Angestellter vor dem ersten Schritt im Markt: „Ihr müsst euch das so vorstellen, als wäre es euer Haus und ihr erwartet Gäste. Da soll es dann doch ordentlich und einladend sein. Dafür zu sorgen, das ist unsere Aufgabe.“

Wenig später fanden sich die Schülerinnen und Schüler in der Bäckerei wieder. Erst wuschen sie sich ordentlich die Hände, dann bürsteten sie Backbleche. Aus dem erstaunlich großen Kühlraum holten sie die bei minus 25 Grad lagernden Brötchen und bereiteten sie für den Aufbackvorgang vor. Andere wiederum sondierten, ob noch ausreichend Vorräte in der Auslage sind. Grundzüge der Logistik begegneten ihnen, ehe der große Uhrzeiger eine ganze Runde hinter sich hatte. Das sind Aktivitäten, die einem normalerweise gar nicht bewusst sind, wenn man schnell mal durch den Markt hastet, bestätigt ein 17-Jähriger aus der Gruppe. Nicht nur er sah das Geschäft plötzlich mit anderen Augen.

Die Lehrerschaft des BBZ hörte Aussagen wie diese gerne, wie die Schulleitung des BBZ Sulzbach abschließend mitteilte.

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