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Was aufs Brot
Schmieren an der Gemeinschaftsschule

In der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark machen Dieter Heckmann, Patrick Jochum (Mitte) und Brigitte Heckmann Frühstück für die Schüler.
In der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark machen Dieter Heckmann, Patrick Jochum (Mitte) und Brigitte Heckmann Frühstück für die Schüler. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Helfer versorgen einmal wöchentlich Jugendliche Am Vopeliuspark mit der Pausenschnitte. Kostenloser Service soll erweitert werden. Von Anja Kernig

Brotscheiben aus der Tüte holen, mit Margarine bestreichen, Käse drauf. Dieter Heckmann platziert großzügig drei Scheiben auf dem Brot, gern auch vier, seine Frau Brigitte routiniert immer zwei. Egal, satt machen beide Brote – und genau darum geht es ja. „Mittwoch ist der einzige Tag, an dem ich auf mein Frühstück verzichte“, erzählt die freiwillige Helferin. Denn dafür ist einfach keine Zeit, wenn man schon um 6.45 Uhr im Trainingsraum der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark sitzen und Brote schmieren will. Warum eigentlich? „Ich bin durch einen Film aufgerüttelt worden“, erzählt Brigitte Heckmann. Die Reportage „Armes reiches Deutschland“ zeigt, dass es in vielen Familien nicht mal zum Allernötigsten reicht. Schulbrot zum Beispiel. Für Heike Hahn-Schenkelberger, Schulsozialarbeiterin der Diakonie Saar, ist das Alltag.


Angefangen hat das Projekt aber im Generationen-Treffpunkt „Tante Anna“. „Dort kommen immer wieder Kinder vorbei, die auf eine Brezel aus sind oder ein Stück Kuchen“, berichtet Patrick Jochum, Mitarbeiter der Caritas-Gemeinwesenarbeit. Nicht etwa aus Langeweile, sondern weil sie „von zuhause aus unterversorgt sind“. Daraufhin sei man an die Schule herangetreten mit der Frage, ob das Einzelfälle sind oder ein allgemeiner Bedarf besteht. Leider ja: „Bei uns am Pausen-Verkaufsstand wird aktiv und passiv gebettelt“, sagt Heike Hahn-Schenkelberger.

Regulär verschenkt die Verkaufskraft dort am Ende der zweiten Pause, was an Backwaren nicht verkauft wurde. Ebenfalls brisant: „Alle 100 Plätze der Nachmittagsbetreuung sind belegt.“ Allerdings seien etliche Kinder darunter, die nicht für das warme Mittagessen angemeldet sind und die auch nichts zu essen dabei haben – weder für vormittags noch für den Nachmittag. „Wenn die in die Nachmittagsbetreuung kommen, sind sie schon sechs Stunden unterversorgt.“ Bis 15 oder 17 Uhr bleiben sie dort. „Dann noch was leisten, Hausaufgaben machen und sich konzentrieren, geht gar nicht“, betont die Schulsozialarbeiterin.



Lösen kann man das Problem, wenn überhaupt, dann Schritt für Schritt. „Wir bieten das Frühstück zunächst einmal pro Woche an“, so Jochum. Das Know-how konnte man sich von der Gemeinschaftsschule Bruchwiese holen, wo das schon zehn Jahre funktioniert. „Wir haben die Grundkonstruktion übernommen: Klappschmier, das klassische Schulbrot, vegetarisch mit Käse oder Salami.“ Dazu ein Apfel oder anderes Obst. In der Startphase wurde das Frühstück kostenlos verteilt. „Nun nehmen wir 20 Cent, um dem Ganzen den Wert zu verleihen, den es verdient“, hofft Jochum auf einen respektvollen Umgang mit den Lebensmitteln.

Die Anschubfinanzierung für das erste halbe Jahr kam von der Stiftung der Caritas. Danach sind Sponsoren gefragt. In einem Elternbrief wurde sowohl an freiwillige Helfer als auch an Sponsoren appelliert. Leider kam darauf aus der Elternschaft keine Reaktion.

Dafür fanden sich Privatleute, die den Einkauf, Zubereitung und Ausgabe komplett eigenverantwortlich stemmen. Eigentlich ist man zu viert, aber „Helga und Roswitha“ fallen am heutigen Mittwoch krankheitsbedingt aus. Inzwischen sind die Schnitten geschmiert und eingetütet, gleich bringen die Helfer sie in Kisten zum Haupteingang, wo die Kinder früh automatisch vorbei kommen.

Es wird wie immer sein: Erst trauen sie sich nicht, aber wenn der erste große Pulk kommt, greifen viele kleine Hände zu. Etwa 50 Portionen gehen im Schnitt weg. Bleibt etwas übrig, freut sich die Nachmittagsbetreuung. Nach den Herbstferien will man das Angebot auf zwei Tage ausdehnen. Zum Glück mangelt es nicht an ehrenamtlichen Helfern. „Dieses Engagement hat mich positiv überrascht“, so Heike Hahn-Schenkelberger. Auch schön: Zwischen Helfern und Schülern hat sich bereits ein zartes Vertrauensverhältnis entwickelt.

Letztens wurde Dieter Heckmann in der Stadt von einem Jungen direkt angesprochen: „Du bist doch der, der mir immer die Brote gibt. Bis Mittwoch.“