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Renate Großklos (69) pflegt schon seit Jahrzehnten Brieffreundschaften

Serie Menschen im Regionalverband : Renate Großklos pflegt Kontakte auf Papier

69-Jährige hatte schon als Kind Brieffreundschaften. Nach dem Tod ihres Mannes entdeckte sie diese Form der Kommunikation neu.

Was sie erlebt, was sie bewegt, womit sie sich beschäftigt – all das schreibt Renate Großklos auf. Die 69-jährige Bewohnerin des „Senioren-Wohnens St. Anna Sulzbach“ hat ein besonderes Hobby: Sie pflegt Brieffreundschaften. Mehrmals in der Woche setzt sie sich stundenlang an ihren kleinen Schreibtisch und schreibt Briefe. Die meisten Adressaten hat sie noch nie zuvor getroffen.

„Schon als Kind hatte ich Brieffreundinnen“, erzählt sie und erinnert sich an ungewöhnliche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme: „Wir haben beispielsweise beim Wandertag im Zoo Zettelchen mit unseren Adressen fallen lassen, die jemand fand und darauf antwortete. Als man älter wurde und geheiratet hat, hat sich das natürlich verlaufen.“ Nach dem frühen Tod ihres Mannes vor über 30 Jahren fing sie wieder mit dem Schreiben an – und ist dabei geblieben. Einer Dame schreibt sie schon seit über 20 Jahren. Eine Adressatin lebt in Italien, drei Brieffreundinnen sind in Österreich zu Hause, der Rest in Deutschland.Drei heißen Renate – wie sie selbst. „Wir schreiben über alles Mögliche, über jetzt und früher, was einem einfällt und was man so erlebt. Dann werden Erinnerungen wach an früher, als man regelmäßig tanzen ging und auf Schlager-Partys war.“

Aus manchen Briefbekanntschaften werden tiefgreifende lange Freundschaften. Ihre Freundin Rita aus der Nähe von Mannheim hat sie sogar jährlich besucht. „Vor vier Jahren ist sie dann gestorben. Das war schlimm für mich.“ Insgesamt hat sie schon über zehn Freundinnen durch den Tod verloren. „Oft kriege ich es natürlich erst viel später mit. Dann schreiben mir die Männer oder andere Familienmitglieder. Aber wenn die Person alleinstehend war, kann es auch passieren, dass ich auf mehrere Briefe keine Antwort bekomme und dann irgendwann eine Nachricht von der Post erhalte, dass der Brief unzustellbar und die Person verstorben ist.“

Im November schaltete die gebürtige Quierschiederin eine Anzeige in ihrer Lieblings-Zeitschrift „Frau mit Herz“, um neue Brieffreundschaften zu suchen. Innerhalb kürzester Zeit erhielt sie rund 30 Zuschriften.

„Für einen besseren Überblick habe ich Steckbriefe angelegt, um zu schauen, wer am besten zu mir passt. Das ist oft nur so ein Gefühl. Oder man hat gemeinsame Hobbys wie Tiere oder Musik.“

Insgesamt hat sie sieben Personen ausgesucht, mit denen sie seitdem in regelmäßigem Austausch ist. Inzwischen hebt Renate Großklos längst nicht mehr alle Briefe auf, aber die neuesten bewahrt sie in einer Schublade ihres Schreibtisches. Sie sind größtenteils liebevoll gestaltet, bemalt und beklebt. Oft liegen Karten oder Fotos bei.

Manchmal bekommt sie auch Briefreundschaften vermittelt oder, so erklärt sie, man lässt so genannte Freundschaftsheftchen rumgehen, in die jeder seine Adresse schreibt und sie dann weiterschickt: „Das ist eine richtige Gemeinschaft.“

Renate Großklos lebt seit August im „Senioren-Wohnen“ St. Anna Sulzbach. Nach einer schweren Lungenentzündung ist die Rentnerin auf den Rollstuhl angewiesen und wird kontinuierlich aus einer Sauerstoffflasche versorgt. Diese veränderte Lebenssituation, der plötzliche Umzug und der Wechsel des gewohnten Umfelds brachten natürlich viel Gesprächsbedarf mit sich. Oder – wie im Falle von Renate Großklos – Schreibbedarf.

„Beim Schreiben habe ich mehr Ruhe als beispielsweise beim Telefonieren. Das liegt mir einfach mehr. Und seit ich nicht mehr zu Hause leben kann, nicht mehr so viel rauskomme und unterwegs bin wie früher, sind mir meine Brieffreundschaften noch wichtiger.“