| 20:22 Uhr

Umwelt
Experten geben Tipps für Nachhaltigkeit

Prof. Peter Heck
Prof. Peter Heck FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach/Saarbrücken. Was der Einzelne in Sachen Schonung der Umwelt tun kann, ist vielen klar. Ein Vortrag zum Thema „Nachhaltigkeit geht uns alle an“ beleuchtete im Lesesaal der Stadtbibliothek aber auch, was die Kommune für ihre Bürger vor Ort tun kann, ja sollte, um „gemeinsam Verantwortung zu tragen für heute und morgen“ (so der Untertitel). Von Thomas Feilen

Es gibt bestimmt spannendere Themen als Nachhaltigkeit. Und so erklärt es sich auch, dass ein Vortrag, zu dem die städtische VHS eingeladen hatte, nicht die Resonanz fand, die der Ernsthaftigkeit der Inhalte angemessen wäre. Nicht deswegen, aber dennoch symbolisch wurden Referenten  und die wenigen Zuhörer nicht wie angekündigt im Salzbrunnenhaus, sondern im Lesesaal der Bibliothek von Heike Kneller-Luck vom Kulturamt (inkl. Abteilung Zukunft) empfangen.


Erster Referent war an diesem Abend Patrick Ginsbach vom saarländischen Umweltministerium.  Er verdeutlichte, dass beim Thema Nachhaltigkeit Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt zu betrachten sind. Diese stünden aber nicht separat nebeneinander, sondern würden Schnittmengen bilden. Als Beispiel nannte der Diplom-Geograf  die energetische Sanierung von Häusern. Das schone den Geldbeutel wegen geringerer Heizkosten und kurbele die Wirtschaft an. Natürlich würde weniger Heizen die Umwelt entlasten  (weniger Schadstoffausstoß). Und das komme eben nachhaltig uns allen, also der Gesellschaft als ganze zugute.

Eine klare Absage erteilte Ginsbach der Wegwerf-Mentalität. Wesentlich mehr Produkte könnten recycelt werden, statt entsorgen solle der Umwelt zuliebe repariert werden. Der gesellschaftliche Nebenaspekt liege förmlich auf der Hand. Ginsbach verwies im Lesesaal auf die saarländische Nachhaltigkeitsstrategie, die Ziele und Selbstverpflichtung der Saar-Politik klar umreiße. Und die erstrecke sich auf verschiedene Aspekte, wie Bildung, Ressourcenschonung und Mobilität. Und hier seien im Saarland ganz konkret schon einige Punkte umgesetzt, so auch beim Versuch, ländliche Regionen wieder zu beleben/besiedeln.



Ins selbe Horn blies der zweite Referent des Abends in Sulzbach, Prof. Dr. Peter Heck vom Umweltcampus Birkenfeld. Hier werden unternehmerische und technische Lösungen, die ökologisch vertretbar, ökonomisch attraktiv und sozial gerecht sind, erarbeitet. Der geschäftsführende Direktor des Campus gab sich als großer Fan des ländlichen Raums zu erkennen („sein Potenzial wird gebraucht“). Von daher hob er in seinen Ausführungen besonders auf kleinere Städte und Dörfer ab und schrieb den dort Handelnden einige wichtige Merksätze ins kommunale Politik-Stammbuch. Im Beisein des Sulzbacher Bürgermeisters Michael Adam und der Ersten Beigeordneten Mary-Rose Bramer  betonte er die Wichtigkeit von Ökonomie. Der Umweltschutz werde nur gefördert, wenn damit Geld verdient werde. Es sei selbstverständlich zu begrüßen, wenn Gewinn, der zum Beispiel aus der Wiederverwertung von Müll stammt, wieder in Umweltprojekte (E-Busse über Land) investiert werde. Gerade für Städte und Gemeinden und deren Bürger sollte gelten, dass Ausgaben zu Investitionen in die Nachhaltigkeit münden sollen, zum Beispiel „mit Dreck Geld verdienen“ (Heck). Als Beispiel, wie Kommunalpolitik das Geld im Landkreis halten kann, nannte Heck viele Beispiele aus der Arbeit am Birkenfelder Umweltcampus. Denn von hier werde aufgezeigt, wie „stoffliche Potenziale nutzbar sind und wo sie schlummern“.  Heck regte unter anderem an, Energie mittels Photovoltaik auf den Dächern im Ort selbst herzustellen oder Kläranlagen in kommunaler Eigenregie  zu bauen und zu betreiben. Dabei gelte es, die möglichen Subventionen voll auszuschöpfen und damit „regionale Werte zu schaffen und zu erhalten“ (Heck), also eine Art Kreislaufwirtschaft zu installieren. Für Heck ist „Nachhaltigkeit die bessere Wirtschaft“. Nach seinen Worten sind „wir arm, weil wir nicht investieren“. Heck machte abschließend einen großen Feind der Nachhaltigkeit aus, „Denkverbote“. Beide Referenten bekamen viel Applaus.