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„Radfahrer sind nicht erwünscht“

„Radfahrer sind nicht erwünscht“

Keine Radwege, Schlaglöcher und rücksichtslose Autofahrer machen Roland Schneider das Leben schwer. Er fährt von April bis Oktober beinahe täglich von Sulzbach mit dem Rad zu seiner Arbeitsstätte in Dudweiler.

Eine Gefahr für Leib und Seele ist das, was Roland Schneider beinahe täglich erlebt. Fast jeden Tag fährt der 51-Jährige aus Sulzbach zu seinem Arbeitsplatz in Dudweiler und natürlich auch wieder zurück. Die jeweils etwa fünf Kilometer lange Strecke führt ihn von der Straße Am Hammersberg, unweit der Musikschule, einmal quer durch die Salzstadt bis in die Nähe des Güterbahnhofs im Nachbarort. Der Mitarbeiter im Werkschutz nimmt allerdings nicht das Auto - er fährt mit seinem Fahrrad.

"Da ich fast den ganzen Tag nur sitze, ist das für mich ein Ausgleich", sagt Roland Schneider. Das heißt, es könnte ein Ausgleich sein, wenn er sich nicht immens auf den Verkehr konzentrieren müsste. Wegen Schichtbetrieb fährt er die Strecke zu Stoßzeiten und trotz enger Straßenführung gibt es keinen ausgewiesenen Fahrradweg. Ein Radweg fängt erst kurz vor Sulzbachs Ende an, dieses Stück gehöre aber auch schon zur L 126, sei also nicht mehr Sache der Kommune. Zwischendrin müsse man aufpassen, dass man im wahrsten Sinne nicht unter die Räder gerät.

Rücksichtslosigkeit gegenüber Radfahrern sei da leider an der Tagesordnung, beispielsweise durch Überholmanöver, die viel zu nahe am Radfahrer vorbeiführen. Aus diesem Grund hat er sich an sein Trekkingrad auch einen Rückspiegel montiert, um in einem solchen Fall rasch reagieren zu können. Auch müsse man höllisch aufpassen, dass nicht irgendwo eine Autotür einfach so aufgemacht wird. Hinzu komme der schlechte Zustand der Sulzbachtalstraße: "Will man sein Rad nicht komplett ruinieren, muss man in der Mitte fahren", klagt Roland Schneider über so manches Schlagloch. Zwischen April und Oktober, wenn das Wetter es also zulässt, ist er unterwegs. Übrigens fährt er auch immer in voller Rad-Montur, inklusive reflektierendem Radler-Anzug. "Es kann mir keiner erzählen, dass man das nicht sieht", so der 51-Jährige.

Ein weiteres Problem sieht Roland Schneider: "Wo soll man mit seinen Kindern zum Üben hinfahren?" Die Hauptstraße scheidet für seinen elfjährigen Sohn natürlich aus. In der Straße, in der er wohnt, ist es zu hügelig und auch hier halten sich Autos nicht immer an Geschwindigkeitsbegrenzungen. An der Mellinschule gehe es immer nur rund, das Aldi bietet mehr Platz, führt aber im Prinzip auch immer nur im Kreis. Aber schließlich müsse ein junger Mensch ja auch das Schalten lernen und lernen, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Er habe bereits darüber nachgedacht, beim ADAC anzufragen, ob dies dort für Radfahrer möglich sei.

Seit seinem achten Lebensjahr wohnt er nun in Sulzbach . Bei mehr oder minder privaten Gesprächen mit Mitgliedern des Stadtrates hat er sein Leid bereits beklagt, aber es passiere einfach nichts. Zwar werde auch immer wieder gefordert, das Auto öfter mal stehen zu lassen, es sei schließlich gesund und schone die Umwelt, doch in die Sicherheit werde nicht investiert. "Radfahrer sind scheinbar nicht erwünscht", so sein bitteres Fazit.

Dabei hat er auch einige Vorschläge parat. So könne man die Halde Lydia eventuell für den Radverkehr umrüsten. Beinahe visionär auch sein Vorschlag für Sulzbachs Innenstadt: Eine Fußgängerzone könne man dort komplett entstehen lassen, ähnlich wie in Dudweiler schwebt es ihm vor. Von der Bahnhofstraße bis zur Musikschule könne sich diese ziehen. "Das wäre auf Dauer für Sulzbach sicherlich auch attraktiver", schlägt er vor.