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Bauen in Neuweiler?
Neuweiler Bürgerinitiative wieder kämpferisch

 Christoph Kleinz
Christoph Kleinz FOTO: Iris Maurer
Sulzbach. Anwohner in Neuweiler wollen den Neubau eines Firmengebäudes am Verkehrsohr an der L126 verhindern. Der Stadtrat räumt dem Interessenten aber eine Kaufoption ein.

Sie waren gekommen, weil sie sich wieder einmal nicht gehört fühlten. Doch nach einer Stunde Diskussion mit dem Sulzbacher Stadtrat musste die Bürgerinitiative aus Neuweiler aus der jüngsten Sitzung wieder abziehen.


„Ich bin tief enttäuscht“, sagte Dirk Petzel, der Sprecher der Bürgerinnen und Bürger. Der Stadtrat hatte letztlich der Firma Biokryo eine Kaufoption für den Ankauf des sogenannten „Verkehrsohrs“ an der L126 eingeräumt und Bürgermeister Michael Adam ermächtigt, das zum Gewerbegebiet Bruchwiesen gehörende, rund 3500 Quadratmeter große Gelände für eine Summe von 36 Euro pro Quadratmeter zu veräußern.

2017 gab es schon einmal Ärger um das Grundstück. Damals verhinderte der Einsatz der Bürgerinitiative, dass dort eine Tankstelle errichtet wurde (wir berichteten mehrfach). „Damals wurde uns zugesichert, dass der Stadtrat keine Angebote für das Gelände mehr annehmen würde“, sagte Petzel und fühlte sich darum von Verwaltung und Volksvertretern getäuscht. Bürgermeister Michael Adam war auf eine derartige Vorhaltung vorbereitet und zitierte aus der Niederschrift der damaligen Ratssitzung, dass man nur „keine Angebote für Tankstellen“ mehr entgegennehmen wolle.



 Manfred Stalter
Manfred Stalter FOTO: Manfred Stalter

„Das mag stimmen, aber uns wurde mündlich eine weitergehende Zusage gemacht“, so Petzel, „darum und wegen der entstehenden Kosten haben wir damals auch auf eine Umwidmung des Grundstückes im Bebauungsplan zu einer Grünfläche verzichtet“.

Dieser Bebauungsplan weist das Gelände aber nun weiter als Gewerbefläche aus. „Eine der letzten Grundstücksreserven im Stadtgebiet überhaupt“, wie Bauamtsleiter Steffen Banuat betonte. Der städtische Mitarbeiter führte aus, dass eine eingeschossige Halle von 25 mal 50 Metern entstehen solle, daneben ein Stickstofftank. Informationen, die das Unternehmen in dieser Form in einer in der Vorwoche kurzfristig anberaumten Informationsveranstaltung nicht an die Anwohner weitergegeben hatte. Auch fehlten den Anwohner klare Aussagen zum Thema Lärmbelastung. Darum bat man den Rat um eine Vertagung der Entscheidung.

Die Firma Biokryo solle Stadtrat und Anwohner weitergehend informieren. „Das Unternehmen ist sicher eine tolle Sache“, sagte Petzel, „aber fünf entstehende Arbeitsplätze stehen hier dem Wohl von 200 ohnehin schon lärmgeplagten Anwohnern gegenüber. Wir haben in den letzten Jahren viel hingenommen. Beispielsweise, dass in einer Lehrwerkstatt, die eigentlich nur bis 14 Uhr genutzt werden sollte, nun rund um die Uhr produziert wird. Irgendwann ist es genug“.

Die SPD nahm die Sorgen der Initiative ernst, konnte sich mit einem Vertagungsantrag aber nicht gegen die Ratsmehrheit durchsetzen. „Auch wir haben Verständnis für die Anwohner“, sagte Dietmar Holzapfel (Freie Wähler), „aber im Interesse aller Bürger Sulzbachs stimmen wir der Verkaufsoption zu“.

Christioph Kleinz (FDP) und Manfred Stalter (Grüne) nannten das Projekt „zukunftsweisend“, Monique Broquard (Linke) stimmte mit Blick auf die zu erwartenden Gewerbesteuereinnahmen zu. Die CDU unterstützte den Antrag der Verwaltung ohnehin. Und auch die SPD schloss sich nach dem gescheiterten Vertagungsantrag der Verkaufsoption an.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative stehen dem Projekt grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber, hatten sich vor allem größere Transparenz erhofft. „Wir werden eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, um zu sehen, welche Möglichkeiten wir haben“, sagte Petzel, „wir werden auch sehen, welche Partner wir noch ins Boot bekommen. Ich denke an Naturschutzbund oder ähnliche Institutionen“. Nach der Sitzung waren sie enttäuscht - spätestens seit dem Tag danach ist die Bürgerinitiative Neuweiler wieder kämpferisch.