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Ein neuer Leerstand in Bildstock
Mit dem Naturkostladen ist es aus und vorbei

 Iris Fischer in dem Laden, der nun nicht mehr existiert.
Iris Fischer in dem Laden, der nun nicht mehr existiert. FOTO: Stefan Bohlander
Bildstock. Inhaberin Iris Fischer streicht zum zweiten Mal die Segel, diesmal in der Illinger Straße in Bildstock. Von Stefan Bohlander

  Wer ab heute die Illinger Straße entlang fährt, merkt vielleicht, dass das Schaufenster eines Geschäftes dunkel geblieben ist: Der Naturkostladen Hildegard hat geschlossen. „Ich habe alles probiert, den Laden zu erhalten“, erklärt Inhaberin Iris Fischer. Drei Jahre lang führte sie das Geschäft.  Weitere drei Jahre hatte sie den Naturkostladen zuvor bereits in der Saarbrücker Straße in Friedrichsthal.


Unter anderem in der Hoffnung, einige der Eltern der örtlichen Waldorfschule als Kunden gewinnen zu können, war sie in den kleineren Stadtteil gezogen. „Aber es war nicht besser hier“, zieht sie ein nüchternes Fazit. Auch die Ansiedlung der Montessori-Schule vor wenigen Jahren habe keinen Effekt auf größeren Kundenzuwachs nach sich gezogen. Hinzu kam die Ansiedlung eines großen Bio-Marktes in Neunkirchen, der ihr einige potenzielle Kunden weggeschnappt habe. „Das sind so die Todesstöße“, drückt sie es aus.

Rechnet man ausbleibende Kundschaft mit der Miete zusammen, bleibe unterm Strich gerade so ein Nullgeschäft. Dass sie Hartz-IV-Empfängerin ist und eine schwer gehandicapte Tochter hat, macht die Sache nicht einfacher. Auch dass viele Discounter Bio-Ware anbieten, die sich preislich weit unter dem Niveau kleinerer Geschäfte bewegen, ist ein weiterer Aspekt.  Viele Leute würden schlicht nicht honorieren, dass sie eine ihrer Meinung nach bessere Qualität anbiete. Für viele sei Bio gleich Bio – das stimme so aber nicht.



Das Demeter-Qualitätssiegel etwa – im Gegensatz zur EG-Öko-Verordnung –, schreibt vor, dass eigene Tierhaltung Pflicht ist und diese auch nur mit Biospeisen gefüttert werden. Zudem sind die Kontrollen weit strenger. „Demeter ist sozusagen der Mercedes unter der Bio-Ware“, so Iris Fischer, die ihre Zuversicht trotzdem nicht aufgeben mag. Die Produkte, die nun vom Schlussverkauf der letzten Tage übrig geblieben sind, nimmt sie mit in ihre Heimat nach Landsweiler-Reden. Dort, in der Lengertstraße 33, macht sie mit ihrem Vertrieb weiter. „Im kleinen Stil“, wie sie erklärt.

Ursprünglich stammt sie aus Baden-Württemberg, was man ihrem sprachlichen Akzent deutlich anhört. Seit dem Jahr 2000 wohnt sie im Saarland. Als sie gesundheitlich vor einigen Jahren schwer angeschlagen war, entdeckte sie die Ernährungslehre nach Sankt Hildegard. Das Wasserlinsen-Elixier beispielsweise habe ihr großartig geholfen. Diese Produkte und ihre positive Erfahrung wollte sie gerne an ihre Kunden weitergeben. „Es macht schon Freude, wenn man anderen helfen kann“, sagt sie. Die Hildegard-Lebenslehre sagt in Kürze, dass man sich gesund ernähren, natürliche Heilmittel nutzen und eine „religiöse und sinnvolle Lebensführung“ umsetzen solle. Zu den angebotenen Produkten in ihrem Geschäft zählen beispielsweise Apfelsaft, Rotwein, Dinkel-Kastanien, Anis-Sterne, Nudeln, Gewürze, zahlreiche Teesorten und viele Tassen, die sich auch als Geschenke eignen.

„Ich war schon traurig, als ich die Kündigung abgegeben habe“, sagt sie über das Ende des Mietverhältnisses. Auch wenn sie nicht versteht, wieso man sie vor wenigen Wochen nicht gefragt habe, ob sie sich nicht auch an der Aktion „Heimat shoppen“ beteiligen möchte – „das hätte mir sicher etwas gebracht“ – möchte sie nicht im Zorn gehen.

Die bei ihr gekauften Gutscheine können immer noch eingelöst werden. Dazu und für weitere Infos kann man Iris Fischer unter der Telefonnummer (0 68 21) 9 14 34 63 erreichen.