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Jazz-Workshop
Nach Sulzbach lockt der pure Spaß am Jazz

Dozent Christoph Mudrich leitet hier eine Combo-Probe  in Sulzbach.
Dozent Christoph Mudrich leitet hier eine Combo-Probe in Sulzbach. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Kult-Workshop führt inzwischen Teilnehmer aus der ganzen Bundesrepublik und aus Nachbarländern in unsere Region.

„Lasst uns mal die Zwölftonreihe ausprobieren. Kennt die jemand?“, fragt Johannes Müller. Nein, so wirklich kennt die niemand hier. Eine Frau mit schwäbischem Akzent wirft den Namen Arnold Schönberg in den Raum, aber ganz sicher ist sie sich auch nicht.


Es ist der zweite Tag des viertägigen Jazz-Workshops in der Musikschule in Sulzbach/Fischbachtal. Wie Petra Pabst von der Musikschule sagt, ist es das 28. dieser Musikertreffen. Was sich damals, 1989, aus einer Idee von Dozenten der Musikhochschule entwickelte, ist mittlerweile zu einem langen Jazz-Wochenende geworden. Und die Teilnehmer kommen heute aus allen Winkeln Deutschlands und sogar aus Nachbarländern nach Sulzbach.

„In diesem Jahr sind es zirka 80 Teilnehmer, die dann in den verschiedenen Instrumentalklassen miteinander arbeiten“, sagt Petra Pabst über den Erfolg des Workshops. „Hinzu kommen dann noch die sogenannten passiven Teilnehmer, die keinen Platz mehr ergattern konnten, sich aber den Instrumentalklassen anschließen können – jedoch ohne aktiv an diesen teilzunehmen.“



In der Saxophon-Klasse von Johannes Müller sitzt keiner dieser „Passiven“. Die 13 Kursteilnehmer werden heute Morgen mit Musiktheorie versorgt. Und das nicht zu knapp: Müller, hauptberuflich Dozent an der Musikhochschule in Saarbrücken und Mitglied der Bundeswehr Big-Band Euskirchen, erklärt den Teilnehmern was Quintenzirkel und Quartenzirkel sind – und vor allem, wie man sich diese im Jazz zu Nutze machen kann.

Zur Unterstützung zeichnet er Schaubilder an die kleine Tafel und lässt die Musiker immer wieder aufstehen, um sich an einer der Tonreihen zu versuchen.

Das klappt natürlich unterschiedlich gut, wird aber durch die Bank zunehmend besser. Es fällt auf, dass Müller für jeden einen passenden Ratschlag parat hat und eine positive, gutgelaunte Arbeitsatmosphäre im Raum der Musikschule herrscht – auch wenn die Teilnehmer ab und zu wie erschlagen von der Menge des Gehörten scheinen: „Raucht euch schon der Kopf?“ Oh ja.

Neben der von Johannes Müller gibt es eine weitere Saxophon-Klasse, dazu jeweils eine Trompeten-, Klavier-, Gitarren-, Bass-, Schlagzeug- und Gesangsgruppe. Drei Stunden wird vormittags zusammengearbeitet, danach ist erst einmal Mittagspause in der Aula Sulzbach. Nach dem Essen – Mehlklöße in Speckrahmsoße und damit typisch saarländisch – geht es weiter in Ensembles: Neun Combos werden aus den Teilnehmern zusammengestellt, die dann den Nachmittag über gemeinsam an von den Kursleitern gezielt ausgewählten Arrangements feilen und die eben erlernte Theorie in die Praxis umsetzen.

Im tollen Dachgeschoss der Musikschule stehen die Stühle und Bänke zwischen den schräg durch den Raum verlaufenden Holzbalken. Dort findet sich die Combo von Christoph Mudrich, dem Leiter des Jazz-Workshops, ein. Sie versucht sich an dem Standard „I wish you Love“: Mudrich erklärt seinen Schülern den Ablauf des Stücks, hört zu, unterbricht, erklärt Notenblätter und lässt von neuem beginnen.

Am Abend, bei einer der Konzertsessions im Salzbrunnenhaus, werden die verschiedenen Combos zeigen können, was sie mit viel Spaß am Jazz gelernt haben.