| 20:23 Uhr

Politische Straftat?
Nach Attacke bei Zugfahrt ermittelt Staatsschutz

Saarbrücken/Sulzbach. Womöglich politisch motivierter Zwischenfall mit 17-jährigem Verletzten beschäftigt Kripo. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Was hat sich während einer Bahnfahrt zwischen Landstuhl und Saarbrücken wirklich zugetragen? Das wollen Kriminalbeamte aus Kaiserslautern herausfinden. Ein entsprechendes Verfahren gab die Bexbacher Bundespolizei, die üblicherweise für Bahnangelegenheiten zuständig ist, an die pfälzische Behörde ab. Bundespolizeisprecher Dieter Schwan zu den Gründen: „Es könnte sich um eine politisch motivierte Straftat handeln.“ Damit seien die Kollegen in Kaiserslautern am Zug.


Christiane Lautenschläger, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Westpfalz: „Der Vorgang ist am Freitag eingegangen.“ Deshalb könnte sie noch nichts sagen. Das Fachkommissariat, bei dem die Akten liegen, befasst sich mit Staatsschutzangelegenheiten sowie mit politisch motivierter Kriminalität, Terrorismus und extremistischen Taten.

Was soll die Kripo herausfinden? Es geht um eine mutmaßliche Attacke vom 3. März. Auf der Fahrt von Landstuhl nach Saarbrücken soll es zum tätlichen Übergriff auf einen 17-Jährigen gekommen sein. Auf der Heimreise von einer Kundgebung in Kandel/Pfalz, bei der rechtsgerichtete Teilnehmer auf Gegendemonstranten getroffen waren, saßen Vertreter beider Lager in dem Regionalexpress. Es kam zum Streit zwischen einer Frau und einem älteren Mann. Er habe sie angegangen, weil sie einen NPD-Wurfzettel zerrissen habe. Darauf ging ein 17-Jähriger dazwischen. Ein weiterer Mitreisender, ein Bekannter des Seniors, erteilte dem Jugendlichen eine Kopfnuss. Beim mutmaßlichen Angreifer handelt es sich um den Sprecher der rechtsgerichteten Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“, Alexander Flätgen. Auf Anfrage schrieb er: „Bis jetzt ist mir nicht bekannt, ob und wer und warum ermittelt.“ Die bisherigen Informationen beruhen auf der Darstellung des Opfers. Wie es sich abgespielt hat, sollen nun die Bilder der Überwachungskamera zeigen.



Davon unberührt hat ein rechtes Aktionsbündins für Samstag, 24. März, erneut zur Kundgebung in Kandel aufgerufen. Auslöser für wiederkehrende Proteste ist der Tod einer 15-Jährigen. Ihr Ex-Freund, ein Afghane, soll sie  erstochen haben. Ein Bündnis  mit Vertretern aus Gewerkschaften, Kirchen sowie Landespolitikern ruft zur Gegenveranstaltung auf. Es hält den rechten Organisatoren vor, Rassismus zu schüren.