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Michelle Förster aus Neuweiler züchtet fleischfressende Pflanzen

Großes Interesse an fleischfressenden Pflanzen : Die Fliegenfänger auf der Fensterbank

Michelle Förster aus Neuweiler züchtet fleischfressende Pflanzen. Ihr Hobby hat sie jetzt zum Beruf gemacht und bietet ihre Gewächse auch auf Märkten an.

Mit Sonnentau oder Fettkraut auf der Fensterbank sind die Probleme mit Fruchtfliegen in der Wohnung ein für alle Mal gelöst. Wenn man sich dann noch eine Heliamphora im Terrarium unter optimalen Bedingungen hält, ist man in der Königsklasse der karnivoren Pflanzen angekommen. „Karnivore ist Latein und bedeutet nichts anderes als fleischfressend. Ich mag diese Pflanzen schon seit ich ein kleines Kind bin. Sie sind anders und eine Randgruppe, vielleicht finde ich sie deshalb so toll“, sagt Michelle Förster.

Dass sie keine Probleme mit den lateinischen Namen ihrer Pflanzen hat, verwundert nicht. Sie hat zwei Staatsexamen und ist Lehrerin für Latein, Ethik und Philosophie. Von 2015 bis 2020 arbeitete sie auch als Lehrerin, bekam jedoch nie eine Festeinstellung, obwohl es einige Schulleitungen gerne gesehen hätten. „Entscheidend ist das Ministerium und dort hatte ich keine Chance. Das ging und geht übrigens nicht nur mir so. Ich habe in fünf Jahren in insgesamt zwölf Schulen gearbeitet und wurde immer nur hin und her geschickt. Irgendwann hat es mir gereicht“, sagt Michelle Förster.

Ihr Hobby war schon immer die Kunst. Sie stellt Dekoartikel und Schmuck her. Und dann gibt es noch die karnivoren Pflanzen. „Als ich acht Jahre alt war, habe ich meine erste fleischfressende Pflanze bekommen. Es war eine Venusfliegenfalle. Nach wenigen Wochen bei mir zu Hause ist sie eingegangen. Ich wusste nicht warum. Das hat mich geärgert“, erzählt die 35-Jährige. Während des Lehramtsstudiums lernte sie 2010 zufällig das Ehepaar Philip und Julia Rieger kennen. Philip Rieger hatte damals eine große Zucht an fleischfressenden Pflanzen. Michelle Förster lernte  von ihm alles, was man über die seltenen aber auch faszinierenden Pflanzen wissen muss. „Die fleischfressenden Pflanzen mögen sehr karge Böden. Wenn man solche Pflanzen in normale Pflanzenerde setzt, gehen sie ein. Sie vertragen die große Menge an Mineralien und Nährstoffen in der Erde überhaupt nicht“, erklärt die gebürtige Saarbrückerin.

Im Garten des Hauses in Neuweiler, in dem sie, ihr Mann und ihre zwei Kinder wohnen, steht ein großes Gewächshaus. Dort züchtet sie ihre fleischfressenden Pflanzen. 1000 aus 150 Oberarten sind es mittlerweile. Im August hat sie ein Gewerbe angemeldet. Sie lebt jetzt von der Zucht und dem Verkauf der Pflanzen und von ihren selbstgemachten Kunstartikeln. „Ich habe von Beginn an gemerkt, dass es ein großes Interesse an diesen Pflanzen gibt. Ich bekomme täglich neue Anfragen“, sagt Förster. Auf dem Markt am Sulzbacher Salzbrunnenhaus stand vor zwei Wochen eine große Traube von Menschen vor  ihrem Stand mit den fleischfressenden Pflanzen. „Sie sind recht einfach zu halten und bei Fruchtfliegen und anderen Fliegen in der Wohnung auch noch sehr nützlich. Die Fliegen werden durch Duftstoffe der Pflanzen angelockt“, erklärt sie.

Doch die Vorstellungen und die Kenntnisse, die Menschen von fleischfressenden Pflanzen haben, sind teilweise durchaus interessant und lustig. Das erfährt Michelle Förster immer wieder anhand der Fragen. Muss man jeden Tag Fliegen für die Pflanzen fangen? Kann man die Pflanzen auch mit Hackfleisch füttern? Können die Pflanzen Hunde oder Katzen anfressen? „Den fleischfressenden Pflanzen reichen der karge Boden und Wasser völlig aus. Das Fleisch in Form von Fliegen sind nur eine Art zusätzlicher Dünger. Sie sind nicht darauf angewiesen. Ich bekomme sehr oft solche Fragen gestellt und merke immer wieder, wie unsicher sich die Menschen sind, obwohl sie großes Interesse an den Pflanzen haben.“

Auf ihrer Internetseite erklärt sie alles rund um die Pflanzen, mit Pflegeanleitungen, Tipps und Tricks. Ende des Jahres kommen auch Infos zu Heliamphora dazu. Sie ist so etwas wie die Königin der fleischfressenden Pflanzen und kann bis zu 800 Euro pro Exemplar kosten. „Diese Pflanze ist nur etwas für Kenner. Sie braucht ganz bestimmte Bedingungen und sie ist ein Traum von einer Pflanze. Sie kommt in freier Wildbahn nur in den unerschlossenen Urwäldern von Venezuela vor“, sagt Michelle Förster.

Sie kümmert sich mehr als acht Stunden täglich um ihre Pflanzen, verkauft sie und wickelt auch noch die dazugehörende Büroarbeit ab. „Es macht mir einfach Spaß, mit diesen faszinierenden Lebewesen zu arbeiten“, sagt sie, während sich in ihrem Gewächshaus gerade ein Schmetterling auf die Blüte einer fleischfressenden Pflanze setzt. Der arme Schmetterling. Gleich ist er die Hauptmahlzeit der Pflanze. „Nein“, sagt Michelle Förster und hebt den Zeigefinger. „Der Schmetterling sitzt auf der Blüte und nicht in der Falle. Die Pflanzen brauchen Schmetterlinge oder Bienen zur Bestäubung. Die Blüte ist daher oft einen halben Meter von der Falle entfernt. Zudem werden die Bestäuber von den Duftstoffen der Fallen nicht angelockt. Es ist der absolute Wahnsinn, welch ein ausgeklügeltes System die Natur in diesem Bereich entwickelt hat“, sagt Michelle Förster.

www.mcf-karnis-kreativ.de