Marlies Krämer kämpft weiter für Frauenrechte in der Sprache.

Frauenrechtlerin Marlies Krämer : Sie kämpft weiter für eine weibliche Sprache

Frauenrechtlerin Marlies Krämer lässt sich von Gerichtsurteilen nicht unterkriegen. Bald soll es einen Dokumentarfilm über sie geben.

In ihrem Kampf um Gleichberechtigung in der Sprache gegen die Sparkasse Saarbrücken ist Marlies Krämer vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Sie möchte vom Geldinstitut nicht mehr als Kunde, sondern als Kundin, nicht als Sparer, sondern als Sparerin angesprochen werden. Der BGH wies ihre Klage ab. Die männliche Form könne „geschlechtsblind“ verwendet werden. Frauen würden dadurch nicht geringgeschätzt (wir berichteten mehrmals).

Die 81-jährige Frauenrechtlerin ließ sich davon nicht unterkriegen. Sie zog vor das Bundesverfassungsgericht. Seit Mai vergangenen Jahres ist die Klage dort anhängig. „Und je nachdem, wie dort entschieden wird, ziehe ich vor den Europäischen Gerichtshof“, sagt Krämer. Die Richter dort könnten sich schließlich nicht selbst in die Pfanne hauen. „Sie haben ja auch zugelassen, dass in allen Ausweisen und Pässen Inhaberin benutzt wird.“

Ja, Marlies Krämer gibt nicht auf. Seit dem Urteil des BGH benutzt sie nur noch das generische Femininum. Viel zu lange schon seien Frauen in der Sprache totgeschwiegen worden. „Das fatale Urteil des BGH trägt noch dazu bei, weil es das generische Maskulinum manifestiert, in dem wir Frauen unsichtbar und unhörbar, nur mitgemeint, aber nicht existent sind. Aber ich mache da nicht mit.“

Fünf Ordner voll mit Dankesschreiben habe sie zu Hause. Frauen wie Männer unterstützen sie. Beleidigungen gehören aber ebenso dazu. Sie steht darüber und steht vor allem zu ihrer Überzeugung. Egal, wie ablehnend manche ihr begegnen, „der Bazillus sitzt in den Köpfen“, sagt sie und lacht.

Über die Sparkasse Saarbrücken könne sie nur den Kopf schütteln. Zumal die Kollegen von der Sparkasse Bremen ihr einen Leitfaden für gender-gerechte Sprache zukommen ließen – mit der Bitte um Anregungen. „Die Sparkasse Bremen macht genau das, was Saarbrücken verwehrt.“

Am 30. November 2018 – das Frauenwahlrecht feierte sein 100-jähriges Jubiläum – gründete Krämer den „Gemeinnützigen Verein zur Erlangung der sprachlichen Gleichberechtigung mit Sitz in Sulzbach”. Bis der Verein seine Arbeit aufnehmen kann, dauert es noch etwas, erzählt Krämer. Die Anmeldung liege derzeit bei einer Notarin.

Durch ihre Überzeugung hat Marlies Krämer schon einiges erreicht. In den 1990er-Jahren verzichtete sie so lange auf einen Pass, bis sie darauf als Inhaberin unterschreiben konnte. Sie war es auch, die eine erfolgreiche Petition startete, so dass Wetter-Hochs auch Frauennamen tragen. Eine Bürgermedaille, die Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam ihr überreichen wollte, lehnte sie ab. „Ich verrate mich doch nicht selbst.“ Erst, wenn die Ehrung in Bürgerinnenmedaille oder am besten in Ehrenmedaille umbenannt worden wäre, hätte sie angenommen. Entsprechende Anträge des Ortsverbandes der Linken, dessen Ehrenvorsitzende sie ist, wurden im Sulzbacher Stadtrat aber abgelehnt.

Eine Ehrung, die sie nur zu gerne angenommen habe, erhielt sie 2018 von der Weiberwirtschaft in Berlin. Das ist eine Frauengenossenschaft, die sich europaweit für Unternehmerinnen und Gründerinnen einsetzt. „Ein Veranstaltungsraum dort trägt nun auch meinen Namen“, erzählt Krämer. Im vergangenen Jahr verlieh ihr der Völklinger Kreis, ein Berliner Berufsverband für schwule Führungskräfte und Selbstständige, den Max-Spohr-Sonderpreis der Jury. Beide Male kam ein Kamera-Team zu ihr nach Sulzbach. An den Verleihungen selbst konnte sie nicht teilnehmen. Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist sie in ihrer Mobilität eingeschränkt. „Ich bin ein Wrack mit Ersatzteillager. Ich kann nicht mehr reisen.“ Die vielen Einladungen, um Vorträge an Universitäten zu halten, müsse sie auch ablehnen.

Ihre Bekanntheit schmälert das nicht. Aus ganz Deutschland reisen Journalisten nach Sulzbach. Auch für spanische und mexikanische Medien gab sie schon Interviews. Niemals im Leben hätte sie gedacht, weltweit Aufmerksamkeit zu erregen. „Aber ich bin sehr stolz.“ Bald wird es eine Dokumentation über sie geben. Ein Student der Theater- und Kunstwissenschaften aus Saarbrücken begleitet sie für seine Abschlussarbeit die kommenden ein, zwei Jahre mit der Kamera.

Marlies Krämer will weiter für eine weibliche Sprache kämpfen. „Ich hoffe, ich kann noch zehn Jahre gegen den Strich bürsten. Mir geht es gut, ich bin mit mir im Reinen. So lange ich konsequent meine Überzeugungen lebe.“

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