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Mächtig Zoff bei den Freien Wählern Sulzbach

Mächtig Zoff bei den Freien Wählern Sulzbach

Sulzbach. Dicke Luft bei den Freien Wählern in Sulzbach. Stephan Kunz (Foto: Diersch), der noch im vergangenen Jahr als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler antrat, hat sein Stadtratsmandat niedergelegt und einen Austritt aus dem Verein erklärt

Sulzbach. Dicke Luft bei den Freien Wählern in Sulzbach. Stephan Kunz (Foto: Diersch), der noch im vergangenen Jahr als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler antrat, hat sein Stadtratsmandat niedergelegt und einen Austritt aus dem Verein erklärt. Und Fraktionsgeschäftsführer Hermann Kreis (Foto: Kreis), der in der Vergangenheit für die Freien Wähler viele Themen, wie die Müllentsorgung, den Lärmschutz in der Stadt oder die Belastung durch den Lkw-Verkehr besetzt hat, hat seinen "geordneten Rückzug" angekündigt. Da er auch Kassierer sei, wolle er erst seine Geschäfte abschließen und danach aus der Fraktion austreten, erklärt Kreis auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung. Ob er sein Mandat behält und als fraktionsloses Ratsmitglied weitermacht, werde er sich noch überlegen. Kreis: "Ich werde erst die Reaktionen abwarten." Für Kunz war ein Weitermachen als fraktionsloses Ratsmitglied keine Option. "Ich bin noch nicht so lange dabei. Ich bin nur über die Freien Wähler in den Stadtrat gekommen", sagt er. Bei Kreis sei die Situation anders. Kunz nennt mehrere Gründe für seinen Rückzug. Er sagt: "Ich habe diesen Schritt getan, weil ich in der Fraktion keine Mehrheit für den Ausschluss von Dietmar Holzapfel (Foto: Maurer) bekam." Nur Kreis habe ihn unterstützt. Kunz und Kreis werfen Holzapfel vor, mit Hilfe seines Stadtratsmandates seine Karriere beim Regionalverband fördern zu wollen. Kunz betont: "Weil genau das bei den etablierten Parteien üblich ist, bin ich zu den Freien Wählern gegangen." Wenn allerdings auch dort so vorgegangen werde, habe er dort nichts mehr verloren: "Das ist eine Sache der Glaubwürdigkeit." Außerdem kritisieren Kunz und Kreis den Sinneswandel der Fraktionsmehrheit bei der Diskussion um den dritten Beigeordneten bei der Stadt. Obwohl die Besetzung dieses Postens noch im vergangenen Jahr von Fraktionschef Bernd Schlachter vehement abgelehnt worden sei, würden die Freien Wähler nun mitmachen. Kreis: "Wenn es nur noch um die Besetzung von Posten geht und nicht mehr um Sacharbeit für den Bürger, dann läuft was falsch." Fraktionschef Schlachter sieht die Vorwürfe gelassen. "Nach dem Amtsantritt von Michael Adam sind alle Fraktionen im Rat um eine konstruktive Zusammenarbeit bemüht", erklärt er. Da müsse man eben Zugeständnisse machen, beispielsweise beim dritten Beigeordneten. Was den geforderten Ausschluss von Dietmar Holzapfel aus der Fraktion betrifft, stellt Schlachter klar: "Dafür gab es aus meiner Sicht keine Gründe." Man müsse jedem zugestehen, mal einen Fehler zu machen. Persönlich tue es im leid, dass Kunz und Kreis die Fraktion verlassen. "Wir haben immer gut zusammengearbeitet." Holzapfel sieht die Kritik an seiner Person "an den Haaren herbeigezogen". Er versuche keineswegs, sein Mandat zur Förderung seiner Karriere zu nutzen. Laut Schlachter wird Isolde Wenzel für Kunz in den Stadtrat nachrücken.Nach SZ-Recherchen soll in der Umweltausschuss-Sitzung am 4. November Eberhard Jung von Bündnis90/Die Grünen zum dritten Beigeordneten gewählt werden.Meinung

Zerreißprobe für Freie Wähler

Von SZ-RedakteurMichael Emmerich Sie wollten immer etwas anders sein, die Sulzbacher Freien Wähler. Nicht so wie die etablierten Parteien. Um sich von ihnen abzuheben, betonten sie häufig, sie seien ja auch keine Partei, sondern ein Verein. Aber was für einer? Der jüngste Hauskrach, der die Freien Wähler Sulzbach heftig erschüttert, belegt, dass sie eben doch nicht so erfrischend anders sind. Zumindest nicht alle. Die Partei, pardon: den Verein, als Sprungbrett für die eigene berufliche Laufbahn zu nutzen - das können sie anscheinend auch. Aber es gibt auch Mitglieder, die solche Spielchen nicht mitmachen und dem Verein beziehungsweise seiner Fraktion im Sulzbacher Stadtrat den Rücken kehren. Geschlossenheit vermitteln sie jedenfalls nicht im Herbst 2010, die Freien Wähler. Aber das geht anderen politischen Kräften in Sulzbach, die sich Partei nennen, ja genauso.