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Lakritzschnecken im Klingelbeutel

So kennt man ihn: Detlev Schönauer. Foto: Schönauer
So kennt man ihn: Detlev Schönauer. Foto: Schönauer FOTO: Schönauer
Hühnerfeld. Auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Altenwald-Neuweiler kam Detlev Schönauer ins Martin-Luther-Haus. Dort erklärte der Kabarettist, wie man wieder mehr Menschen in die Gottesdienste locken könnte. Jörg Martin

Es ist schon seit einer Weile nicht gut bestellt um die Kirche. Egal, ob Katholik oder Protestant - die gähnend leeren Kirchenbänke bei den Gottesdiensten sind bei beiderlei Konfessionen auszumachen. "Wer geht denn noch in die Messe? Die alten Mütterchen. Aber die auch nur, weil sonntags der Doktor zu hat", dozierte der Kabarettist Detlev Schönauer am Mittwochabend im Hühnerfelder Martin-Luther-Haus auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Altenwald-Neuweiler. Die Kunstfigur "Jacques" mit dem gleichnamigen Bistro, erklärte vor ausverkauftem Haus, wie man die Krise der Kirchen in den Griff kriegen kann. "Das schreit doch zum Himmel" lautet sein Programm, mit dem er neben dem brandaktuellen "Oma ist jetzt bei Facebook " durch die Lande zieht.

Wie nun dem Dilemma des rückläufigen Kirchenbesuchs begegnen? Na, einfach durch Anleihen aus der Showbranche . Denn es läge wirklich alles nur an der Musik. Schönauer (61) weiß es. Der Mann ist sozusagen vom Fach. Denn er ist auch Kirchenmusiker. Mit den Liedern von vor über 1000 Jahren könne man heute niemanden hinter dem Ofen mehr hervor locken. Er hat da andere Ideen: Den Altar in Nebel tauchen. Den Pfarrer ins Disco-Glitzerkostüm stecken. Das wäre auch die perfekte Grundlage für den Kindergottesdienst. Statt zu erklären, warum die Jungfrau Maria gebenedeit sei - wer weiß denn schon, was das überhaupt ist - könnte man ja auch über die "E-Mail von Paulus" singen. Natürlich auf die Melodie von der Biene Maja.

Nein, der Kabarettist will niemanden mit seinen religiösen Gefühlen auf die Füße treten. Aber zum Nachdenken anregen. Und das mit enorm viel Humor, wie man in Hühnerfeld feststellen konnte. Da wird oft an der Grenze zum Schmerz gekitzelt. Etwa, wenn er erklärt, dass bei den Katholiken derjenige der Pfarrer sei, zu dem jeder Vater sagen darf. Außer die eigenen Kinder. Gut, der Gag braucht ein paar Sekunden und ist bisweilen ein wenig bitter. Aber das soll Kabarett ja auch. Und dann nehmen Sie doch mal den Hochzeitmarsch. Der sei oft so tragisch gespielt, als sei er nicht weit entfernt vom Gefangenenchor, meint der Kabarettist. Bei den Hochzeiten komme spätestens nach der Nr. 1 der liturgischen Hitparade, dem Lied "Großer Gott wir loben Dich", die Tussi vom Kirchenchor. Und was macht die? Sie meint, sie müsse das "Ave Maria" schmettern. Doch sie kann es nicht. Das zeigt Monsieur Jacques, indem er es mehr als schrill singt. Da tobte der Luther-Saal. Was er aber auch perfekt kann, ist die Imitation. Und die am besten mit schnell wechselnden Rollen. Etwa als er die 124. Vorstandssitzung für 2015 des Kirchenchores Cecilia Niedersaubach auf der Bühne zum Besten gibt. Da erkannte sich so mancher wieder.

"Der hat einem so richtig aus der Seele gesprochen", meinte eine Dame in der Pause. Viele entdeckten eigene Erlebnisse in seinen Gags wieder. Wissen sie noch früher die Sitzordnung in der Kirche? Getrennt nach Geschlechtern. Einmal pro Woche eine Stunde Ruhe vor dem Partner. Das hat man heute ja nicht mehr. Oder die Geschenke zur Heiligen Kommunion. Sammeltassen satt und nicht wie heute ein Handy. So mancher gab auch, wie Schönauer als Kind, Lakritzschnecken in den Klingelbeutel, wenn für den Hunger in der Welt gesammelt wurde. Herrlich auch, wenn er die Schöpfungsgeschichte humorvoll erklärt. Und das interaktiv. So dass man als Zuschauer mitentscheiden darf, wie es weitergeht. Am Ende gab's stehende Ovationen.