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Unsere Kolumne zum Wochenende
In der stillen Zeit . . .

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber mir verhagelt es seit Beginn der Adventszeit allmorgendlich und auch abends die Petersilie. Weil ich im Auto von und zur Arbeit stets Radio höre. Von Michèle Hartmann

Und was dringt aus diesem Gerät? Genau: diese fürchterlichen „Christmas“-Lieder. Oder „Last Christmas“ -  welch ein Horror in der Endlosschleife! Ich frage mich, nachdem ich schnell umgeschaltet habe in der Hoffnung, eine Christmas-Lücke in einem anderen Sender zu entdecken, ob die Verantwortlichen in den Sendeanstalten kein Schmerzempfinden besitzen. Oder sind sie abgestumpft? Oder meinen sie etwa, sie würden ihren Hörern etwas Gutes tun, wenn sie diesen Christmas-Kram  rauf- und runterdudeln? Ist ihnen vielleicht nicht gegenwärtig, dass es auch ganz nette Weihnachtslieder in deutscher Sprache gibt? Und, nicht zu vergessen: Bei allem „Let it snow, let it snow, let it snow“,  „jingle bells“ sowie „winter wonderland“ - könnte es womöglich sein, dass angesichts solch geballter anglikanischer Übermacht der Brexit auch an uns nicht spurlos vorübergehen wird? Das nur als kleiner Scherz am Rande.


Nun denn, bisher kam noch keine Hand eines „Ho Ho Ho-Weihnachtsmannes“ aus dem Radio und unternahm den Versuch, mich in das weihnachtslied-verseuchte Gehäuse zu  ziehen. Das ist doch immerhin schon was.  Und ansonsten? Feiertagshektik. Wobei hier ein nettes Sprichwort zum Tragen kommt, das da lautet: Es gibt nichts Schlimmeres als das, was man sich selber aufhalst.

Man kann sich dem Weihnachtsstress und der Hektik aber auch entziehen, das steht außer Frage. Man kann das Schenken einfach ignorieren. Und sich darüber hinaus mal deutlich vor Augen führen, dass es nach Weihnachten auch noch Lebensmittel gibt. Sie verschwinden nicht über Nacht, man muss sich nicht sorgen.



Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger. Dieser Spruch stammt von Karl Valentin. Besser auf den Punkt bringen kann man die vor- beziehungsweise weihnachtliche Betriebsamkeit wohl kaum.