Kinder mitnehmen auf eine phantastische Reise

Kinder mitnehmen auf eine fantastische Reise

Lesestunden und Bilderbuchkino der Sulzbacher Stadtbibliothek erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr in der Innenstadt. Draußen ist es dunkel. Der Regen setzt ein. Ein Frühjahrsgewitter braut sich zusammen. In der Stadtbibliothek kommen dagegen Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit ihren Eltern und Großeltern zusammen. Ihr Ziel: das Bilderbuchkino im Lesesaal des Obergeschosses. Heute steht dort - zufällig passend zum Wetter - "Urmel taucht ins tiefe Meer" von Max Kruse auf dem Programm. Es sei das letzte Bilderbuch, welches der Autor geschrieben habe, erklärt Vorleserin Elke Degen. Ein Kind meint, die Hauptdarstellerin heißt "Das Murmel". Ein "M" zu viel. Macht nichts.

Es gibt Stammgäste der allmonatlichen Reihe, verrät Degen. Das Ganze komme mehr als gut an. Die Tiere auf der Insel werden nacheinander einzeln vorgestellt, indem Bibliotheksmitarbeiterin Nicola Suchel Fotos mit dem Beamer an die Wand projiziert. Die Kinder sitzen auf kleinen Hockern und raten mit, wer, wer ist.

Urmel will aufs Meer und das rosafarbene Schweinchen Wutz will endlich braun werden. Die kleinen Besucher erwartet kein schnödes Vorlesen. Sie sind vielmehr aktiv in die Handlung eingebunden. "Was meint ihr, was das für ein Vogel ist?", fragt gerade Elke Degen. Die Kinder werden zum Raten aufgefordert. Und sie können mutmaßen, wie die Geschichte weitergeht. Da stört es auch nicht, dass sich einige vom draußen grollenden Donner ablenken lassen und ans Fenster gehen. Degen macht eine Pause, lässt alle schauen und lauschen. "Kommt, jetzt gucken wir mal alle ausm Fenster", sagt die Pädagogin mit Feingefühl und geht auf die Belange der jungen Leser ein. Dann geht es wieder weiter.

Ein Stammgast steuert die Erklärung zu den Tauchtabletten der Geschichte bei. Dann werden die Namen der Protagonisten erklärt. Anschließend beantworten die Kleinen, auf dem Teppich im Kreis sitzend, anhand eines kleinen Drehrads spielerisch die Fragen zur Story. "Wer schiebt das Floß?" - "Der See-Elefant" ist die richtige Antwort, die wie aus der Pistole geschossen kommt. Doch damit ist das Programm nicht zu Ende: Nicola Suchel hat in mühevoller Kleinarbeit noch eine Bastelaktion vorbereitet. Die Kinder können nun ein Modellfloß basteln und die Figuren der Handlung malen, ausschneiden und darauf kleben. "Es soll etwas pädagogisch Wertvolles sein", beschreibt Elke Degen die Intention des Dauerbrenners im Gespräch mit der SZ. Man sei auf die abgabenfreie Genehmigung der Verlage angewiesen. Meistens nimmt man Bezug zu den Jahreszeiten. Die Kinder dürfen die Geschichten nach ihrer eigenen Fantasie "weiterspinnen", so Degen. "Ich hole die Kinder mit ins Boot", beschreibt die Frau ihr Anliegen. Das sei aber kein Muss. Vielmehr gehe es um die Sprache und die Begrifflichkeit. Die Kleinen lieben es, etwas herzustellen, was mit der Geschichte zu tun hat.

Das Konzept scheint aufzugehen. Mütter bringen Freundinnen mit. Das Ganze habe sich herumgesprochen. "Wir lesen seit 2003", blickt Martin Degen, der Leiter der Stadtbibliothek, zurück. Irgendwann kamen zuerst das Bilderbuchkino und dann das japanische Tischtheater Kamishibai hinzu. Die Bücherei ist mit dem Lesen auch mobil. Mit dem Bilderbuch-Koffer ist man regelmäßig im Kindergarten in Neuweiler zu Gast.

Die nächsten Termine: Kamishibai: Donnerstag, 11. Mai, 14.30 Uhr "Geburtstag mit Emma und Paul", Mittwoch, 7. Juni, 15.30 Uhr, "Kater Kamillo kommt in die Schule"; Stadtbibliothek, Eintritt frei; keine Anmeldung erforderlich.