| 21:47 Uhr

Musik unter Kastanien
„Gut wieder hier zu sein“

Der Biergarten des Rechtsschutzsaals war am vergangenen Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Konzertreihe „Musik unter Kastanien“ startete mit dem Musiker-Duo Rainer Rodin & Michael Marx (von rechts) in den Sommer.
Der Biergarten des Rechtsschutzsaals war am vergangenen Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Konzertreihe „Musik unter Kastanien“ startete mit dem Musiker-Duo Rainer Rodin & Michael Marx (von rechts) in den Sommer. FOTO: Iris Maria Maurer
Bildstock. Zum  Auftakt der Reihe „Musik unter Kastanien“ spielte das bekannte Musiker-Duo Rainer Rodin und Michael Marx. Von Jörg Martin

Wer am vergangenen Sonntagabend die Veranstaltung „Musik unter Kastanien“ im Biergarten des Rechtschutzsaals in Friedrichsthal-Bildstock besuchen wollte, hatte womöglich – trotz früher Anwesenheit – schlechte Karten, einen Sitzplatz zu bekommen. Denn der Einladung der Stiftung Rechtschutzsaal folgten so viele Kulturinteressierte, dass Geschäftsführer Christian Jung immer wieder von überall her Stühle herbeikarren musste.


Für den ersten Abend der beliebten Musikreihe hatten die Organisatoren nämlich ein Duo engagiert, welches im Sulzbachtal alles andere als unbekannt ist: Rainer Rodin und Michael Marx. Die beiden Singer-Songwriter sind bereits seit über drei Jahrzehnten gemeinsam auf den Bühnen zu Gast. Fast so unterhaltsam wie ihre Eigenkompositionen und Interpretationen populärer Künstler sind ihre witzigen Gespräche zwischen den einzelnen Songtiteln. Da nimmt sich das Duo gerne gegenseitig aufs Korn oder spielt auf das Alter und die Vergesslichkeit des anderen an.

Christian Jung lag in seiner Anmoderation des Auftritts nicht daneben,  als er eine „intime Gemütlichkeit“ versprach, die nur „minimal durch Technik verstärkt“ sei. Als das Duo dann zum Auftakt „Gut wieder hier zu sein“ spielte, fühlten sich viele Besucher schon angesichts des „Ahhhhh….“ irgendwie heimisch, wie sich am Blick in die Gesichter feststellen ließ. „Solche Hannes Wader-Lieder hört man doch heute nur noch ganz selten“, freute sich Annegret Selmholtz aus Landsweiler-Reden. In den Genuss von Eigenkompositionen des Fischbachers Rainer Rodin kamen die Besucher ebenfalls, als dieser „Dem Wind gehört dein Haar“ spielte. Sein Mitmusiker, der Hangarder Michael Marx, hatte ihn zuvor wieder auf die Schippe genommen, weil Rodin flugs die Bühne verlassen und ans Auto rennen musste: Er hatte mal wieder was vergessen. Die Vergesslichkeit des Sängers sorgte jedoch für gute Stimmung unter den Zuschauern.



Im nächsten romantischen Lied „Tears in Heaven“ von Eric Clapton ging Marx vollkommen auf. Der Sänger war in seinem Element und berührte das Publikum: „Ahhhh…bei dem Lied bekam ich Gänsehaut“, sagte Jochen Marmit aus Riegelsberg, der seit Jahren Stammbesucher der Reihe ist. „Man merkt Michael Marx an, dass ihm Clapton am Herzen liegt“, fügte Marmits Frau Christine hinzu.

Regelrechte Sprachlosigkeit stand im Raum, als Michael Marx bei seiner Eigenkomposition „Ich habe mich in dein rotes Haar verliebt“, quasi beiläufig die Bemerkung machte: dass seine andere Band „Marx, Rootschilt, Tillermann“ sich im Herbst vergangenen Jahres aufgelöst hat. Das dürften die wenigsten der Zuschauer gewusst haben. Zumal die Band 2014 ihr 40. Bühnenjubiläum feierte.

Gerti Rootschilt aus dieser musikalischen Formation ist der Komponist des Liedes „Ich habe mich in dein rotes Haar verliebt“ – ursprünglich ein französisches Gedicht.

Im Anschluss übersetzte Rodin Bob Dylans Klassiker „One more cup of coffee“, was auch in der deutschen Version in Bildstock sehr gut ankam.

Wenn beide gemeinsam singen und das lautstark, dann erzielt das eine besondere Wirkung beim Publikum. Wie etwa bei dem Lied „König dieser Kinder“ von Klaus Hoffmann. Auch beim Klassiker „Imagine“ von John Lennon legten die Musiker sehr viel Gefühl in ihre Darbietung. „Der Inhalt dieses Liedes ist aktueller denn je“, betonte Michael Marx. Das Publikum war begeistert.

Auch bei „I feel wunderful“ von Eric Clapton applaudierten die Zuschauer lautstark. Ohne Zugaben wollten sie das Musik-Duo jedoch nicht ziehen lassen. „Mein Weg ist mein Weg“ und „Sonne, die ich meine“ folgten. Beide Lieder von Klaus Hoffmann. „Einen besseren Abschluss konnten sie nicht machen“, sagte Hanna Wesely aus Sulzbach nach dem Auftakt der Musikreihe in Bildstock unter Kastanien.