Großmeister Ahmad Yousef Alkhatba trainiert Karate beim TV Altenwald-Schnappach

Großmeister beim TV Altenwald-Schnappach : Helden der Bewegungskunst

Ahmad Yousef Alkhatba flüchtete vor fünf Jahren aus Syrien. Heute lehrt der Großmeister beim TV Altenwald-Schnappach Karate.

Ahmad Yousef Alkhatba steht breitbeinig und mit leicht gebeugten Knien in der Mellin-Turnhalle. Sein konzentrierter Blick ist geradeaus gerichtet. Er atmet tief ein. Zuerst führt der Syrer die Hände dicht am Körper nach oben. Dann streckt er sie langsam zur Seite. Plötzlich macht Alkhatba einen Schritt vorwärts. Mit dem bloßen Fuß zieht er einen kleinen Kreis. Die sogenannte „Kata“ ist ein festgelegter Bewegungsablauf im Karate. Sie heißt im Japanischen „Unsu“. Auf Deutsch: Wolkenhand. „Sie hat eine starke Kraft”, erklärt Alkhatba: „Es kommt vor allem auf Schnelligkeit und Koordination an.“ Die einzelnen Bewegungen symbolisieren unterschiedliche Naturelemente: Mit den Händen formt der Karateka aus Syrien Wolken, der unvermittelte Schritt nach vorne soll einen Blitz darstellen.

Alkhatba floh vor fast drei Jahren aus seiner Heimatstadt Damaskus. Er lebt seitdem mit seiner Familie in Deutschland. Heute trainiert der Großmeister Kinder und Erwachsene im Turnverein (TV) Altenwald-Schnappach. Seine Liebe zu Karate hat Alkhatba als Zehnjähriger während der Schulzeit entdeckt. Damals ging er mit seinen Freunden zum Training, um Selbstverteidigung zu lernen. Er merkte jedoch bald, dass ihm das nicht reichte. „Karate ist mehr als Selbstverteidigung. Es hat ein Ziel. Zuerst geht es darum, die verschiedenen Gürtel zu meistern, dann kommen die zehn Dan-Stufen. Man hat das Ziel, den zehnten Dan zu erreichen. Man kann an Wettkämpfen teilnehmen und Medaillen gewinnen“, sagt Alkhatba. Aber Karate habe auch ein psychologisches Ziel: „Es geht darum, Selbstbewusstsein zu bekommen.” Als Trainer empfiehlt er den Sport besonders für Frauen: „Durch Karate lernen Frauen, dass Kraft nicht alles ist, und dass Männer nicht stärker sind.“

Sportliche Erfolge hatte der Karateka in seiner Zeit als syrischer Nationaltrainer zuhauf. Der Weg zum Rang eines Großmeisters ist weit: Um den sechsten Dan zu erlangen, habe er sich in viele unterschiedliche Disziplinen eingelesen. Kenntnisse aus der Biologie etwa haben ihm geholfen, den Körper besser zu verstehen. Außerdem habe er sich mit Psychologie und Philosophie beschäftigt. Karate, betont Alkhatba, sei mehr als ein Kampfsport. „Karate ist nicht nur Kampf, sondern Kultur und Philosophie. Durch die ,Kata’ etwa kann man lernen, mit anderen Leuten umzugehen, ohne mit ihnen zu kämpfen“, erklärt Alkhatba. Für Männer und Frauen sei der Sport ein Weg, negative Energie wieder abzugeben, die durch zu viel Alltagsstress entstehe.

Alkhatba kam durch seinen ältesten Sohn ins Saarland. Inzwischen hat sich der fünfmalige Vater in Sulzbach eingelebt. Er fühlt sich wohl. Im Turnverein bringt er deutschen und syrischen Schülern Karate bei. Zwei seiner Söhne sind mit von der Partie. Der Älteste will ein Studium der Informatik an der Universität des Saarlandes beginnen.

Alkhatba war für ein halbes Jahr mit seiner Familie in die Nähe von Frankfurt gezogen, um sich in einem Trainingszentrum auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio vorzubereiten. Wegen Schwierigkeiten bei der Einschulung seiner Kinder und den weiten Wegen zum Arbeitsplatz kam er jedoch wieder ins Saarland zurück. Seine Ziele hat der Großmeister nicht aufgegeben. Er will eine größere Rolle im Karate-Verband spielen und dazu beitragen, dass sein Verein TV Altenwald-Schnappach erfolgreicher wird. Seine Erfahrung wolle er an Schüler weitergeben und sie „zu Helden machen“, also zu wahren und guten Karateka.

Das ist aber noch nicht alles. Alkhatba möchte die verbindende Kraft von Karate nutzen, um Deutsche und Syrer zusammenzubringen: „Es gibt viele deutsche, aber auch viele ausländische Kinder in Sulzbach. Durch Karate will ich die Integration fördern.“

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