| 21:20 Uhr

Glaskunst
Wie in zerbrechlicher Ewigkeit erstarrt

Glaskunsttage in der Sulzbacher Aula: Auch Erwin Schmierer ist mit seinen Skulpturen aus Glasguss vertreten.
Glaskunsttage in der Sulzbacher Aula: Auch Erwin Schmierer ist mit seinen Skulpturen aus Glasguss vertreten. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Bei den Glaskunsttagen in der Sulzbacher Aula stellen 23 Einzelkünstler und Gruppe gemeinsam aus.

Mit ihm hat man jetzt nicht unbedingt gerechnet. Mit dem Sensenmann. Doch ihm begegnet der Besucher der Glaskunsttage in der Aula als erstes: Ganz aus Glas und doch alles andere als zerbrechlich, lümmelt Gevatter Tod auf seinem Podest, ein gar nicht mal unsympathisches Grinsen auf dem Schädel. Ab diesem Moment bewegt man sich überwiegend staunend durch die drei Etagen. Hier präsentieren noch bis Sonntag Glaskünstler aus ganz Europa ihre Arbeiten: Von filigran bis massiv, experimentell bis traditionell ist alles dabei, Gebrauchsglas auch, etwa, um daraus zu trinken oder um es auf der Haut zu tragen, vor allem aber künstlerische Objekte, gefertigt aus jenem fragilen Werkstoff, dessen Vielseitigkeit immer wieder verblüfft.


Ein Wiedersehen gibt es mit altbekannten Größen wie Kamil Faifer, Hermann Ritterswürden, dem Schöpfer der Knochenmänner, oder Patrick Roth. Für etwa ein Viertel der 23 Einzel- und Gruppenaussteller handelt es sich dagegen um eine Premiere. So auch für Erwin Schmierer. Der aus Spiegel­au im Bayrischen Wald angereiste Glasgraveurmeister hat ein Faible für schöne Frauenkörper und Glasguss, auch „Technik der verlorenen Form“ genannt.

„Zunächst modelliere ich aus Spezialwachs eine Skulptur“, erzählt Schmierer – Basis für eine feuerfeste Negativform aus Gips und Schamott. Nach dem Erstarren und Erkalten der dort hineingegossenen Glasmasse muss die Form zerstört werden, ebenso wie zuvor das Wachsmodell. Rückseitig geschliffen und poliert, erhalten die bernsteinfarbenen Skulpturen einen 3D-Effekt.



Leuchtende Neonlicht-Objekte sind das Spezialgebiet Jörg Hanowskis. Seit Beginn der Glaskunsttage ist der Hattinger Künstler stets dabei – für ihn immer die letzte große Ausstellung des Jahres. Eine, auf die er sich wie Angelika Pietsch besonders freut. „Es ist ein Wochenende, das einen bereichert“, betont die Kollegin aus Witten, deren künstlerischer Fokus auf „Menschen und ihre Beziehungen“ gerichtet ist. Hanowski ergänzt: „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele gute Namen man hier antrifft“, lobte der gelernte Glasapparatebauer die Gastgeber. „Der Kunstverein tut richtig was.“ Zum Beispiel im Internet recherchieren, verrät Barbara Schmidl: „Sie haben meine Facebook-Seite gesehen und mich daraufhin kontaktiert.“ So kommt es, dass die Oberösterreicherin ihre zarten Glasgefäße nun erstmals im Saarland zeigt.

Dass Glaskunst zu einem guten Teil aus solidem Handwerk besteht, bestätigt Rainer Metzger im Gespräch. Wie sein Vater ausgebildeter Glasmaler, hat er sich auf Zwischenglasmalerei oder Graaltechnik spezialisiert. Die Rezeptur seiner Farben ist ein Geheimnis, dass bei den zig Verfahrensschritten einiges schiefgehen kann, nicht.

Wem das zu theoretisch ist, der sollte auf dem Außengelände Ausschau nach den Glasbläsern halten, die ihre ausgefeilte Handwerkskunst am brennenden Ofen vorführen. Was hier am Ort eine große Tradition hat, erinnert Dagmar Günther vom Kunstverein: „Schließlich waren die hiesigen Glashütten zeitweise die größten Produzenten von Flaschen- und Tafelglas in ganz Deutschland.“