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Gläubige rücken enger zusammen

Sulzbach. Sulzbachs Pfarrer Carlo Holzmann ist nun endgültig im Ruhestand. Am Sonntag verabschiedeten ihn die Gläubigen. Sie feierten mit ,,Papa Carlo“ einen letzten Gottesdienst. Anschließend war Gelegenheit, ihm im Gemeindesaal noch einmal persönlich zu begegnen. Michèle Hartmann

Am ersten richtig milden Sonntag des Jahres - wohlbemerkt am Weltfrauentag - schnürte er sein Bündel und sagte den Protestanten Adieu: Carlo Holzmann (63). In einem feierlichen Gottesdienst ist er jetzt von Superintendent Gerhard Koepke offiziell entpflichtet worden.

Koepke sorgte mit einer guten Portion Humor dafür, dass dies für die vielen Gläubigen, die ihn mochten, keine all zu traurige Angelegenheit wurde. 23 Jahre sei Holzmann unterwegs gewesen im Auftrag des Herrn, habe sich ausgezeichnet durch Treue, Verlässlichkeit und Kompetenz, sagte Koepke. Um dann eine Überschrift aus der SZ zu bemühen, die anlässlich des inoffiziellen Abschieds im Januar den Bericht über den umtriebigen Diener Gottes zierte. Als dieser nämlich die Kanzel betrat und die Kirche plötzlich von warmen Sonnenstrahlen durchflutet war: ,,Da tat sich sogar der Himmel auf." Wer darin einen Gruß des Allmächtigen im Himmel sehen möge, der könne das ruhig tun, meinte lächelnd der Superintendent.

In seiner Predigt spannte Pfarrer Holzmann den Bogen vom sentimentalen Rückblick über die Schwierigkeiten, mit neuen Entwicklungen Schritt zu halten bis hin zum überbordenden jugendlichen Überschwang mit dem Willen, alles übers Knie abzubrechen. Im Vertrauen auf Gottes schützende Gegenwart jedoch könne man solcherlei getrost über Bord werfen und zuversichtlich an seinem Wort und Willen mitwirken.

Mark Belenki (Orgel) und Cornell Wegmann (Saxofon) setzten als Duo den feierlichen Schlusspunkt mit ,,Time to say goodbye". So manchem Gottesdienstbesucher dämmerte spätestens da, dass vieles nicht mehr so sein wird, wie es all die Jahre war. Allerdings: Die Konzerte mit ,,Papa Carlo" und seiner treuen Gefolgschaft wird es auch weiterhin geben.

Fröhlich weiter ging's dann beim Empfang im Gemeindesaal. Da intonierten die Kleinen der Kita Regenbogen ein Lied, das den reichlich unverkrampften, unkonventionellen Stil des Geistlichen hochleben ließ. Kostprobe: ,,Der Pfarrer steht am Gartenzaun und lehrt die Kinder Äpfel klau'n".

Und was bleibt? Die Ankündigung einer Fusion, wie Walter Schwingel, der Vorsitzende des Presbyteriums, gegenüber der SZ erklärte. Bis Anfang kommenden Jahres soll sie vollzogen sein. Es wird dann noch eine einzige Evangelische Kirchengemeinde in Sulzbach geben und zwei Pfarrer , die für die insgesamt rund 4500 Gläubigen (Gemeindegliedern) aus allen Stadtteilen zuständig sind. Auch wird es nur noch ein einziges Presbyterium geben. Derweil ist Seelsorger Karsten Siegel (49) aus Saarbrücken nach dem Abschied von Carlo Holzmann bis auf Weiteres als Vakanzvertreter eingesetzt.

Für die gläubigen Christen ist laut Schwingel die angestrebte Fusion nicht spürbar. Verschlechterungen gehen nach dessen Auskunft damit also nicht einher.

Beim Empfang im mehr als vollen Gemeindesaal hielt im übrigen Bürgermeister Michael Adam eine unterhaltsame Rede. Holzmann passe als Geistlicher nicht in irgendein Schema, meinte er. Vermutlich habe er auch schon die ,,Petrus App", weil man ihm nachsage, sogar das Wetter beeinflussen zu können. Adam zum scheidenden Seelsorger: ,,Bleib, wie du bist. Gut, dass wir dich nicht erfinden müssen - auf die genialische Idee hätten wir niemals kommen können."