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Fritz Zolnhofer wäre 125 Jahre alt

Kunstgeschichte(n) : Als hätte sich der Ruß der Industrie auf seine Gemälde gelegt

Fritz Zolnhofer verstand es wie kaum ein anderer, die Gefühlswelt der Berg- und Stahlarbeiter an der Saar einzufangen. Gerade war sein 125. Geburtstag.

Das Saarland hat, obwohl es so klein ist, einige durchaus große Künstlerinnen und Künstler hervorgebracht. In loser Folge wollen wir ein wenig in der Kunstgeschichte unserer Region forschen und Menschen vorstellen, die zu Lebzeiten einen guten Namen in der hiesigen Kunst-Szene hatten.

Fritz Zolnhofer ist wohl einer der beliebtesten Maler, die im Saarland gelebt haben. Seine Darstellungen des Saarbergbaus, insbesondere aber seine Berg- und Hüttenarbeiter, sind nicht nur begehrte Zeitzeugnisse, sie machten den Künstler hierzulande auch berühmt. Geboren 1896 in Wolfstein, Landkreis Kusel, wäre Fritz Zolnhofer dieser Tage 125 Jahre alt geworden. In Sulzbach wird besonders an den Maler erinnert, denn nach dem frühen Tod seiner Eltern lebte er ab dem Alter von vier Jahren in Schnappach, bei seiner Großmutter.

Der kleine Fritz muss ein aufmerksames Kind gewesen sein, denn er entdeckte früh seine künstlerischen Neigungen. Sein späteres Hauptmotiv, die saarländischen Bergarbeiter, sah er jeden Tag auf ihrem Weg zur Arbeit am Haus vorbeigehen. Nach einer Malerlehre ging der begabte junge Mann im Jahr 1913 an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, 1918 wechselte er nach München in die Klasse von Otto Weil. Sein Studium wurde vom Ersten Weltkrieg unterbrochen, an dem er als Soldat teilnehmen musste. Erst 1920 konnte er sein Studium fortsetzen, wurde Meisterschüler, später akademischer Kunstmaler.

Als junger Mann ging er viel auf Reisen, vertiefte sein Können in Spanien, Holland, Frankreich, Italien und der Schweiz. Schon früh hatte er Hedi aus Sulzbach-Altenwald kennengelernt, eine Steigerstochter, die seine Ehefrau wurde. Im Jahr 1931 zog das junge Paar nach Saarbrücken. Und hier fand Fritz Zolnhofer sein Sujet. Die Schwerindustrie wurde sein Motiv, der Bergbau und die Eisenhütten.

Aber es waren nicht die landschaftsprägenden Architekturen allein, die ihn inspirierten, es waren vorwiegend die Arbeiter, die „einfachen Leute“. Szenen aus dem Alltag, der Fußweg zur Arbeit, der Abstich am Hochofen, sogar die Ziege als „Bergmannskuh“ wurden von ihm vereinfacht, abstrahiert, aber ausdrucksvoll und durchaus erkennbar wiedergegeben.

Seine Farbpalette war dunkel, als ob sich der Ruß der Industrie auch auf seine Gemälde gelegt hätte. Die Physiognomien seiner Protagonisten sind ernst, zerfurcht, oft nur schwer zu erkennen. Meist ist es ihre Körperhaltung, mit der Zolnhofer die Last der Arbeit, die Schwere ihres Alltags und die Härte ihres Lebens einfängt und abbildet.

Das Besondere an diesen Kunstwerken ist jedoch, dass es Fritz Zolnhofer gelang, sehr nah an den Dargestellten dran zu sein. So nah, dass die Gemälde deren Gefühlswelt transportieren. Da hat nicht ein akademischer Maler von außen zugeschaut, da hat ein genau beobachtender Künstler mit den Arbeitern gefühlt und unter ihnen gelebt. Das zeigt auch eine 1931 erschienene und von ihm gestaltete Wohltätigkeitsmarke zu Gunsten der Volkshilfe, die einen Sicherheitsmann mit Grubenlampe darstellt. Fritz Zolnhofer hat aber auch Landschaften, Stillleben oder Portraits angefertigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich seine Malerei, die Motive wurden abstrahierter, bunter, lockerer und freier. Mehr und mehr wurden Szenen des Theaterlebens zu einem weiteren Motiv. Unvergessen sind seine Mosaike aus den 1950er Jahren, die sich bis heute – wenn auch für die Öffentlichkeit kaum zugänglich – im ehemaligen Stadtbad St. Johann und in der Landesversicherungsanstalt in der Martin-Luther-Straße befinden.

Der Maler Fritz Zolnhofer an seiner Staffelei. Foto: schmidt/schmidt,julius

Fritz Zolnhofer starb 1965 in Saarbrücken, sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Burbach. In den mehr als 40 Jahren seines künstlerischen Schaffens hat sich Fritz Zolnhofer auch über die Grenzen des Saarlandes hinaus einen Namen gemacht. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, und er wurde unter anderem 1961 mit dem Kunstpreis des Saarlandes ausgezeichnet, der wichtigsten kulturellen Auszeichnung der Region. Bis heute ist dieser großartige Künstler unvergessen. So ist seit dem Jahr 2000 der Festplatz in Schnappach nach Fritz Zolnhofer benannt. Und seit dem Jahr 2001 existiert der „Fritz-Zolnhofer-Preis“ der Stadt Sulzbach. Er wird an bildende Kunstschaffende verliehen, die nicht nur mit der Region eng verbunden sind, sondern sich in ihrem Werk auch mit der von der Industrie geprägten Landschaft oder den Menschen des Saarlandes auseinandergesetzt haben. Damit ist gelungen, dass man sich an Fritz Zolnhofer hierzulande immer wieder erinnert. Und das nicht nur zu seinem 125. Geburtstag.