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Friedrich Hollaender mal ganz jazzig

Friedrich Hollaender mal ganz jazzig

Beim zweiten Dozentenkonzert im Rahmen des Sulzbacher Jazzworkshops am Samstag im Salzbrunnenhaus gab es alte Schlager aus den 1930er- und 1940er-Jahren zu hören. Arrangiert hatte das Ganze Christoph Mudrich.

Wer kennt nicht den Schlager "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", mit dem Marlene Dietrich anno 1930 zum Weltstar wurde? Text und Musik stammen aus der Feder von Friedrich Hollaender (1896 bis 1976). Dem deutschen Komponisten und Autor zahlreicher Songs und Filmmusiken, der 1933 wegen der Nazis in die USA emigrierte, hat der Saarbrücker Pianist und Komponist Christoph Mudrich nun ein komplettes Konzertprogramm gewidmet. Ausschnitte waren am Samstag beim zweiten Dozentenkonzert im Rahmen des diesjährigen Sulzbacher Jazzworkshops im Salzbrunnenhaus zu hören.

Die für kleine Besetzung jazzig arrangierten Songs wurden hier vom Nonett der Workshop-Dozenten interpretiert, das Mudrich vom Klavier aus leitete. Dirik Schilgen (Schlagzeug), Dirk Kunz (Bass) und Arnulf Ochs (Gitarre) als Rhythmus-Mannen brachten die zwischen Swing und Latin angesiedelten Schwingungen zum Grooven. Ein vierköpfiges Gebläse aus Kristina Brodersen, Johannes Müller (Saxofone), Ralph Himmler (Trompete) und Christof Thewes (Posaune) gab sich alle Mühe, dass man oft einem ausgewachsenen Orchester oder einer Big Band zu lauschen glaubte. Mit seiner Hollaender-Hommage möchte Mudrich dessen Weg vom deutschen Chansonschlager der Weimarer Republik zum swingenden US-Komponisten als Teil von Hollywood nachzeichnen.

Obwohl alle Mudrich-Arrangements dem Jazz zuzurechnen sind, wurde das bei dem einstündigen Schnupperprogramm evident. Man nehme nur den Kontrast zwischen der nachdenklich-melancholischen Ballade "Wenn ich mir was wünschen dürfte" (1931), hier mit orchestral anmutenden dramatischen Akzenten und Tremoli gewürzt, auf der einen und dem glitzernden "Midnight" (1941) auf der anderen Seite. In beiden Songs hatte Anette von Eichel starke Momente, die als Sängerin mit "instrumentaler Herangehensweise" ansonsten bei ihren Scat-Einlagen zur Hochform auflief. Die mit Ovationen gefeierte Hollaender-Kostprobe machte Appetit auf das abendfüllende Menü. An diesem Abend konnte ein zufriedener Christoph Mudrich nun freilich das Podium für eine folgende Jam-Session mit Workshop-Teilnehmern freigeben.