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Kunst in der Aula
Faszinierende und verstörende Werke in Sulzbach

Das Werk „Control“ des Künstlers Clement Loisel.
Das Werk „Control“ des Künstlers Clement Loisel. FOTO: Loisel
Sulzbach. Die Ausstellung „Junge Kunst in der Aula“ läuft noch bis zum 8. April. Künstler aus ganz Deutschland stellen aus. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Sandra Trösch war schon frühzeitig zur Ausstellungseröffnung am Sonntagnachmittag in der Aula in Sulzbach vor Ort. Sie ist eine der Künstlerinnen, deren Werke in der Ausstellung „Junge Kunst in der Aula“ um die Gunst der Jury konkurrieren. Bevor die Ausstellung eröffnet wurde, hatte sich die Wiesbadenerin, die derzeit Meisterschülerin an der Kunsthochschule in Mainz ist, alles angeschaut und die Arbeiten der anderen Künstler fotografiert. „Ich freue mich einfach. Ich finde es ungemein spannend, die verschiedenen künstlerischen Positionen von uns allen in einer Ausstellung zu sehen“, sagte sie.


Und genau damit nimmt sie das Besondere der Ausstellung vorweg. Denn seitdem der Kunstverein Sulzbach den Wettbewerb „Junge Kunst in der Aula“ im Jahr 2008 ins Leben gerufen hat, kann man in der dazugehörigen Ausstellung regelmäßig sehen, womit sich junge Künstler in Deutschland und Frankreich in ihrer Kunst beschäftigen, wo der Weg hinführt. Und es fällt auf, dass die Zeichnung und die gegenständliche Malerei immer häufiger zu sehen sind. So auch bei Sandra Trösch. Sie zeigt zwei Zeichnungen, die junge Menschen auf der Straße in ihren Umrissen darstellen. Und, ganz realistisch, hat jeder einzelne nur Augen für sein Smartphone.

Interessant ist, dass die junge Künstlerin die Zeichnungen auf leicht transparentem Papier anfertigt und mehrere übereinanderlegt, sodass die Figuren geschichtet werden können. Ganz anders dagegen sind die Arbeiten von Daria Rhyner. Neben vier Leinwänden, auf denen sie leuchtende Farben an einer Linie, die wie ein Horizont die Gemälde teilt, ineinander übergehen lässt, zeigt auch sie zwei Zeichnungen von jungen Frauengesichtern. Etwas verstörend dabei ist, dass eine Gesichtshälfte jeweils verschwimmt, der Duktus der Werke sehr dunkel gehalten ist, während die Qualität der Zeichnung fasziniert.

Ebenfalls auf die Zeichnung spezialisiert hat sich Melek Alabogaz aus Köln. Mit einer feinen, zarten Linie arbeitet sie akribisch und fleißig an Wörtern und Schriften, stellt bewundernswerte Schleifen dar, die wiederum aus einer minutiösen Handschrift bestehen. Ganz anders ist dagegen das Werk von Jeremias Heppeler, der einzige junge Künstler, der nicht persönlich anwesend war. Seine Arbeit ist eine Video-Sound-Installation, auf einem Monitor gezeigt, mit bunten Bildern, die irgendwo zwischen Urban Art, Picassos „Guernica“, Basquiat und der Art Brut angesiedelt sind. Verstörend verstärkt wird dieser rohe, brutale, aber auch spannende Eindruck von einer Soundcollage, die an das Kreischen einer Eisensäge erinnert.

Anton Schön aus Dresden zeigt dagegen ganz ruhige Gemälde von gegenständlicher Malerei, wie eine Straße im Dämmerlicht. Jedoch irritiert bei ihm die Farb- und Lichtführung, denn sie stört die gezeigte menschenleere Idylle. Ebenso beunruhigend ist sein kleines Gemälde „Ikarus“, das nur aus zwei sehr kleinen Flügeln samt Knochen besteht. Die außergewöhnlichste Arbeit der Ausstellung ist jedoch ein sehr großes Gemälde von Clement Loisel. Er malt vor schwarzem Hintergrund und in einem fein gemusterten Sessel sitzend einen alten Mann, der sein Gegenüber genau einzuschätzen scheint.



Jüngeren Menschen wird dieser alte Mann wohl eher unbekannt sein, aber wer sich in der Filmgeschichte auskennt, sieht sofort, dass es sich hierbei um den Schauspieler Spencer Tracy handelt. Der Kontrast des Bildes, der schwarze Hintergrund, das feine Muster des Sessels, der durchdringende Blick und dazu eine vernachlässigte Körperlichkeit – der Anzug Tracys wurde kaum gestaltet – macht diese Arbeit zu der Erfahrung des diesjährigen Jahrgangs „Junge Kunst in der Aula“. Bliebe noch die Frage, ob die Jury, die am Sonntag, 8. April, den Preis verleiht und das Preisgeld in diesem Jahr auf 800 Euro aufgestockt hat, das genauso sieht.

Das ruhig wirkende Gemälde „Glory“ des Dresdner Künstlers Anton Schön.
Das ruhig wirkende Gemälde „Glory“ des Dresdner Künstlers Anton Schön. FOTO: Anton Schoen / Anton Schön