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Gemeinschaftsschule Am Vopeliuspark
Es ist einiges in Gang gekommen

Schüler der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark bei der Vorführung ihres Projektes „ Der Traum“.
Schüler der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark bei der Vorführung ihres Projektes „ Der Traum“. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Die Verantwortlichen geben einen Rückblick auf das Tanz-Theaterprojekt „Der Traum“ der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark Von Anja Kernig

Es hätte irgend so ein Ausdruckstanz sein können, eine beliebige ambitionierte Choreographie, umgesetzt mit Jugendlichen, die halt gern tanzen. War es aber nicht. Die wenigsten der 16 Gemeinschaftsschüler, die bei den beiden „Der Traum“-Aufführungen mitwirkten, werden vorher schon mal vor Publikum gestanden haben. Und schon gar nicht, um ihr Innerstes nach außen zu kehren. Doch genau das passierte: Die Mädchen und Jungen, darunter ein Großteil syrischer Flüchtlinge, haben sie weggetanzt, all die schlimmen Bilder in ihren Köpfen: vom Krieg daheim, von der Flucht – in Bewegung und körperlichen Ausdruck umgesetzt und damit das Gefühls-Konglomerat in ihren Herzen, wo vor nicht allzu langer Zeit Todesangst und Verzweiflung hausten, entwirrt. „Sie konnten ihre Erlebnisse zurücklassen“, sagt die didaktische Leiterin des Projektes, Gabriele Arnold, rückblickend. Die Arbeit am „Traum“ ermöglichte es den 10- bis 16-Jährigen, „anders weiter zu gehen.“ Ein „gesundender“ Prozess wurde ausgelöst - im besten Falle.


Dass Schule das leisten kann, ist erstaunlich. Dank vieler Sponsoren hatte die Gemeinschaftsschule Vopeliuspark das Tanz-Projekt „Der Traum“ gemeinsam mit Mohammad Ali Deeb und Thomas Engel realisieren können (wir berichteten; Anmerkung: In der Rezension wurden Zitate von Gabriele Arnold fälschlicher Weise der Schulleiterin, Herta Anna Schley, zugeordnet.) Inzwischen ist wieder Alltag eingekehrt in der Schule. „Aber es ist toll zu erleben, was alles an Gesprächen und Diskussionen durch das Projekt in Gang gekommen ist“, freut sich Gabriele Arnold. „Das war vorher nicht da.“

Schön wäre es, man könnte es im kommenden Schuljahr fortführen, ergänzt Herta Anna Schley. Konkret sei aber noch nichts geplant. Was wie gewohnt weiterläuft, sind die DaZ-Stunden (Deutsch als Zweitsprache), die nicht nur den Flüchtlingen vorbehalten sind: „Von unseren aktuell 385 Schülern haben 73 einen Migrationshintergrund.“ Mit dem Beherrschen der deutschen Sprache steht und fällt Integration, aber auch jeder Lernfortschritt. „Wir nutzen hier das integrative Modell, das heißt, die Neuzugänge werden sofort im Klassenverband integriert, inkludiert, wenn man so will.“ Um noch effektiver arbeiten zu können, wird der Bereich mit den DaZ-Räumen nächstes Jahr ausgebaut.



Eine der wenigen Möglichkeiten, ohne Sprache zu lernen, bietet der Arbeitslehre-Unterricht. „Über den handwerklichen Weg können wir die Schüler ganz anders erreichen.“ Nicht zu vergessen die Pausen. Als „Bewegte Schule“ biete man allen Schülern diverse Sportmöglichkeiten an.

Wichtig ist Schley und Arnold, das Schulmotto klar zu artikulieren: „Wir möchten dazu aufrufen, die Vielfalt im anderen zu sehen, Lust zu bekommen, zu entdecken, was man selbst nicht hat“ – statt mit Angst und Ablehnung zu reagieren. „Wenn Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen, ist das eine Bereicherung.“ Wobei sich Herta Anna Schley keiner Illusion hingibt: Dieser „Bewusstseinswandel“ ist natürlich kein einfacher. „Das muss wachsen, diesen Wert beim Gegenüber wahrzunehmen und nicht nur immer die Defizite oder die durch Anderssein entstehende Belastung.“

Und um noch mal abschließend auf „Der Traum“ und seine Folgen zurückzukommen: „Seither ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, mit den Tänzern ins Gespräch zu kommen, die man sonst nicht hatte“, erzählt die Schulleiterin. Endlich ein Thema, wo man sie bemerkt, wo sie positiv aufgefallen sind, wo sie gelobt werden. „Da haben die Kinder so ein Leuchten in den Augen.“

Schulleiterin Herta Anna Schley (re.) und Gabriele Arnold
Schulleiterin Herta Anna Schley (re.) und Gabriele Arnold FOTO: Thomas Seeber