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Erst unterirdisch, jetzt aus der Luft

Erst unterirdisch, jetzt aus der Luft

Florian Brunner stellte sein neues Buch mit Luftaufnahmen von der Landeshauptstadt im Salzbrunnenhaus vor. Die Aufnahmen stammen aus verschiedenen Jahrzehnten und geben so einen Einblick in die Geschichte.

Florian Brunner kennt man spätestens seit er 2011 sein Buch "Unterirdisches Saarbrücken" vorstellte. Das Werk über Stollen, Bunker und Felsenkeller gibt Einblicke in den Untergrund der Landeshauptstadt. Am Dienstagabend war der Fotograf zum zweiten Mal in der Sulzbacher Stadtbibliothek zu Gast. Mit im Gepäck: Sein im Oktober erschienenes Werk "Saarbrücken - Entdeckungen von oben".

Wer nun denkt, dass der Mann, der mit Compagnon. Harald Hoos auch sein eigenes Unternehmen mit Namen "Geistkirch Verlag" betreibt, in einen Hubschrauber gestiegen und die Saarbrücker City abfotografiert hat, liegt falsch. Jedenfalls teilweise. Selbst fotografiert hat er nicht. Dafür weist das 264 Seiten umfassende Werk einen spannenden, fotografischen Blick in die Vergangenheit auf. Immer auf einer Doppelseite werden Luftaufnahmen aus den Jahren 1929. 1945, 1953, 1977 und 2013 gezeigt. Es handele sich um neue und alte Gesichter der Stadt, betonte Brunner vor einer überschaubaren Anzahl von Besuchern. Das erste Buch sei Grundlage für das neue gewesen. "Das eine Buch ginge nicht ohne das andere", erklärte der Mann aus Schafbrücke.

Man erinnere sich an das erste Werk, welches offenbarte, dass es über 250 öffentliche Schutzräume in Saarbrücken gibt. Der Größte sei der unter der Autobahn in Güdingen, der für den Kalten Krieg erbaut worden sei. Heute ungenutzt, stellt die Anlage - sie weist für über 2000 Leute Platz aus - ein modernes Museum dar. Die meisten Bunker befänden sich in Besitz des Bundes, der den Grundbesitz gern an die Landeshauptstadt abgeben würde. Die habe bekanntlich Geldprobleme und scheue die Risiken etwa für Haftung bei Besichtigungen, beschrieb Florian Brunner die Situation.

Anschaulich, spannend, klar, lebendig und gleichzeitig präzise schilderte der Fotograf, wie er bei den Recherchen zum ersten Buch weitergelangte. Irgendjemand gab ihm dann den Tipp, doch mal beim Kampfmittelräumdienst in Saarbrücken nachzufragen. Dort verfüge man über Luftbildaufnahmen und Pläne. Diese brauche man bei Bombenfunden, um zu wissen, was einem aus früheren Kriegstagen alles noch erwarten könnte. Dabei erfuhr Brunner auch, dass das Land seit 1953 regelmäßig alle zwei Jahre von oben abfotografiert wird. "Man müsste alle Bilder nehmen und diese übereinander legen können", sagte sich Brunner, und so kam es zum Buch.

Es gäbe mehrere Millionen Filme über ganz Deutschland, zeigte sich Brunner sichtlich begeistert und angetan. Ein Enthusiasmus, den der Mann mit dem spitzbübischen Lächeln gern mit anderen teilt. Dann etwa, wenn er Saarbrücker Aufnahmen von 1945, die kriegsbeschädigte Häuser mit offenen Dächern von oben zeigen, mit denen von 1953 gegenüberstellt. Überdies verweist er auf die Schiffe auf der Saar und kann Erklärungen für heute vermeintlich Selbstverständliches abgeben. Ein Buch fast ohne Text, dafür mit 260 Farbfotos kann durchaus spannend sein.