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Anklage gegen Sulzbacher
Kopfnuss-Prozess unter erhöhten Sicherheitsauflagen

Alexander Flätgen (links) als Sprecher der Bürgerinitiative "Sulzbach wehrt sich" muss sich vor Gericht verantworten. Hier zeigt er sich als einer der Wortführer während der Demonstration gegen eine Moschee in Sulzbach am 22. Juli 2017. Er  trat mit  Edwin Wagensveld als Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung mit markigen Worten auf.
Alexander Flätgen (links) als Sprecher der Bürgerinitiative "Sulzbach wehrt sich" muss sich vor Gericht verantworten. Hier zeigt er sich als einer der Wortführer während der Demonstration gegen eine Moschee in Sulzbach am 22. Juli 2017. Er trat mit Edwin Wagensveld als Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung mit markigen Worten auf. FOTO: Matthias Zimmermann
Sulzbach. Wegen eines Angriffs auf einen Linke-Politiker muss der Sulzbacher Alexander Flätgen vor Gericht. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Für die Attacke auf einen 17-Jährigen in einem Regionalzug nach Saarbrücken muss sich demnächst Alexander Flätgen verantworten. Die Zweibrücker Staatsanwaltschaft hat gegen den Sprecher der rechtsgerichteten Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“ Anklage wegen Körperverletzung vor dem Landgericht in Landstuhl erhoben. Das bestätigt ein Gerichtssprecher auf Anfrage.


Strafbefehl abgelehnt

Hätte Flätgen im Vorfeld 800 Euro bezahlt, wäre die Sache erledigt und damit ein Prozess hinfällig gewesen. Er soll allerdings Einspruch gegen diesen Strafbefehl eingelegt haben. Somit steht der Verhandlungstermin vor einem Strafrichter am Dienstag, 11. Dezember, an.



Im Regionalzug aufeinandergetroffen

Es geht um einen Angriff von Samstag, 3. März. An diesem Tag soll es auf der Fahrt von Landstuhl nach Saarbrücken zu einem tätlichen Übergriff auf den Linke-Politiker Gökdeniz A. Özcetin gekommen sein. Auf der Heimreise von einer Kundgebung in Kandel/Pfalz, bei der rechtsgerichtete Teilnehmer auf Gegendemonstranten getroffen waren, saßen auch Vertreter beider Lager in dem Regionalexpress.

Staatsschutz war eingeschaltet

Nach Ansicht der Ermittler kam es im Zug zum Streit zwischen einer Frau aus St. Ingbert und einem älteren Mann. Er habe sie angegangen, weil sie einen Wurfzettel der NPD zerrissen haben soll. Darauf ging Özcetin dazwischen. Flätgen, mit dem Senior bekannt, erteilte daraufhin dem Jugendlichen eine Kopfnuss. Das Opfer kam leicht verletzt davon. Kurz danach ermittelte der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern, da die Fahnder von einer politisch motivierten Straftat ausgingen.

Im Internet damit geprahlt

Nach dem Zwischenfall soll Flätgen im Netz mit seiner Tat geprallt haben. In sozialen Medien schrieb er: „Und an die beiden im Zug auf dem Rückweg: Nächstes Mal überlegt ihr Euch besser, einen Kameraden von uns blöd anzumachen. Das gibt nur Kopfschmerzen." Dieser Beitrag ist mittlerweile verschwunden.

Jeder Besucher wird kontrolliert

Mit dem Fall befasst sich ein Einzelrichter ab 10 Uhr im Sitzungssaal 1 des Landstuhler Amtsgerichts. Für die Verhandlung im ersten Stock sollen an diesem Tag besondere Sicherheitsvorkehrungen herrschen. Der Richter ordnete nach Auskunft des Behördensprechers an, dass jeder Besucher kontrolliert wird. „Das ist mehr als üblich“, ergänzt der Sprecher.