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Ein Standortvorteil, der es in sich hat

Ein Standortvorteil, der es in sich hat

Der Rotstift kommt der Kultur immer bedrohlich nahe. Zu Unrecht. Eine lebendige Diskussion in Sulzbach zeigte, dass der vermeintliche Kostenfaktor sogar Geld in die Kassen bringen kann. Und die Lebensqualität steigert. Dahinter stecken viel Arbeit und jede Menge Klinkenputzen.

Wie funktioniert Kultur als regionaler Standortvorteil? Zu einem diskutierfreudigen Kultursalon lud am Sonntag das Politische Bildungsforum Saarland der Konrad Adenauer Stiftung in die Aula Sulzbach . "Eine lebendige Kulturszene ist Ausdruck einer vitalen und gesunden Gesellschaft", sagte einleitend Stiftungsvertreter Christoph Bors. Doch wie räumt man der Kultur in Zeiten regierender Rotstifte den gebührenden Stellenwert ein? Und was braucht's, um Kultur als Wohlfühl- und Wirtschaftsfaktor zu etablieren? Moderatorin Ilka Desgranges, Leiterin der Regionalredaktion Mitte der Saarbrücker Zeitung, eröffnete launig eine "Wünsch dir was"-Runde unter den Podiumsteilnehmern. Es war das erste Mal, dass der Kultursalon außerhalb Saarbrückens tagte. Und die Tatsache, dass einige Zuschauer erstmals den Weg in die Sulzbacher Aula fanden, zeigte gleich, woran es unter anderem hapert: Kulturelle Aktivitäten sind oft zu wenig bekannt, Institutionen untereinander unzureichend vernetzt. Die Kommunikation funktioniert nicht. "Wir wissen nicht, was in St. Ingbert läuft", sagte etwa Uwe Wagner, Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft. Weil die Außendarstellung der Kulturschaffenden und Institutionen - regional wie überregional - oft ungenügend sei, wie Michaela Kilper-Beer als Geschäftsführerin des Kulturzentrums am Eurobahnhof (KuBa) ausführte. Denn bei allem Enthusiasmus: "Eine Idee zu haben, reicht nicht", sagte Liedermacher Wolfgang Winkler, unermüdlicher Motor des Sulzbacher Kulturlebens, der die Veranstaltung außerdem musikalisch umrahmte. Am öffentlichen Fördertropf zu hängen sei auch keine Lösung: Als Macher mit Eigeninitiative lieferten Kilper-Beer und Winkler Beispiele aus der Praxis, wie es gelingen kann.

Erst wenn Publikum, Politiker und Sponsoren überzeugt und genügend Klinken geputzt seien, fließe das Geld . Dann könne Kultur tatsächlich einen Strukturwandel für die Region auslösen, sagte Kilper-Beer. Denn dann siedelten sich Wirtschaftsunternehmen rund um solche Impulszentren an. "Völklingen wäre ohne das Weltkulturerbe längst in der Versenkung verschwunden", sagte sie. Auch Wagner betonte die Wichtigkeit, Kultur als harten Standortfaktor wahrzunehmen. "Es wird zu wenig gerechnet", prangerte er fehlendes ökonomisches Bewusstsein an. Weil Künstlern oft unternehmerisches Know-how fehle, habe das KuBa ein beratendes Kreativzentrum gegründet, bestätigte Kilper-Beer. Auf die Notwendigkeit kritischen Hinterfragens, das Beschreiten unbequemer Wege und die Pflege von Breitenkultur verwies Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam : "Kultur muss sich immer wieder neu erfinden", forderte er. Wagners Wunsch, "Leute, die den Mund aufmachen", erfüllten die Zuhörer: Sie appellierten an die Souveränität von Kultur und die Informationspflicht der Medien.