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86-jährige Sulzbacherin kümmert sich um andere Menschen
Ehrenamt kennt keinen Ruhestand

 Wilma von Rüden (86) aus Sulzbach-Neuweiler engagiert sich im Besuchsdienst eines Altenheims. Dort leiht sie ihr Ohr nicht selten Senioren, die deutlich jünger sind als sie selbst.  
Wilma von Rüden (86) aus Sulzbach-Neuweiler engagiert sich im Besuchsdienst eines Altenheims. Dort leiht sie ihr Ohr nicht selten Senioren, die deutlich jünger sind als sie selbst.   FOTO: BeckerBredel
Sulzbach . Die ehemalige Lehrerin Wilma von Rüden ist auch mit 86 Jahren noch vielfältig engagiert. Von Becker & Bredel

Als 2015 der Mann der heute 86-jährigen Wilma von Rüden starb, igelte sie sich nicht ein. Die schon vorher enorm engagierte Rentnerin gab Vollgas. „Wenn ich mit dem Bild meines Mannes rede, bekomme ich keine Antwort. Die Jungen gehen zu den Jungen, die Alten zu den Alten“, sagte sie sich und intensivierte ihre Besuchsdienste im örtlichen Altenheim St. Anna.


Dort betreut sie Bewohner, von denen viele jünger sind als sie selbst. „Viele Besucher halten mich für eine Bewohnerin“, berichtet sie. Und freut sich darüber, dass sie  völlig autark zu Hause im Sulzbacher Stadtteil Neuweiler wohnt und noch problemlos Auto fahren kann. „Ich hab’ Zeit und kann sehr gut zuhören“, sagt sie. „Gerade die Menschen, die wenig Besuch haben und immer dasselbe reden, freuen sich, wenn man ihnen einfach nur Aufmerksamkeit schenkt. Das ist für mich nicht anstrengend, und die haben einen guten Tag“, erzählt sie  über ihre Dienste im Altenheim.

Wilma von Rüden, Mutter zweier Söhne, klotzt auch in ihrer Kirchengemeinde. Im Gemeindeleitungsteam organisiert sie in der Karwoche ein biblisches Mahl mit Originalzutaten. Und sie freut sich, wenn der Pfarrer zum Karneval mal eine Predigt auf Saarländisch vorträgt;  Gemeindearbeit soll Spaß machen, findet sie.  Sechsmal jährlich fährt sie mit dem eigenen Auto Suppe aus, wenn die Aktion „Helfende Hände“ ansteht. Bei der Fastnacht im Altenheim spielte sie mit anderen einen Sketch über „Sparmaßnahmen im Altenheim“; der sei super angekommen, sagt sie.



Humor und Engagement ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Von 1989 bis 2004 absolvierte sie über 1000 Krankenbesuche für den Klinikbesuchsdienst der Pfarrei, danach war sie jahrelang Grüne Dame im Krankenhaus, obendrein Kommunionshelferin und Lektorin in St. Hildegard. Und weil sie früher mal Lehrerin in der Sulzbacher Berufsschule war, gibt sie einem ausländischen Altenheimangestellten nebenbei noch Deutschstunden. Kein Wunder, dass ihre Angehörigen scherzen, man brauche bei der Oma einen Termin, wenn man sie besuchen wolle. Weil sie oft andere besucht, müssen Besuche bei ihr gut geplant sein.