Schwatzkittel in dne Gärten: Dieser Besuch ist absolut nicht willkommen

Schwatzkittel in dne Gärten : Dieser Besuch ist absolut nicht willkommen

Auch in Altenwald treiben Wildschweine zurzeit ihr Unwesen. Saarforst und Stadt sind auf Privatgelände aber die Hände gebunden.

() Seit 1950 bewohnt Familie Regitz ihr Haus am Torhaus in em Sulzbacher Stadtteil, aber so etwas hat sie noch nicht erlebt. Als Karin Regitz (77) am Mittwoch vergangener Woche in ihren Garten geschaut hat, war sie geschockt. Das schöne Blumenbeet war total verwüstet. Schnell wurde in der Nachbarschaft klar: Das müssen Wildschweine gewesen sein.

„Meine Nachbarin geht oft mit ihrem Hund spazieren und hat schon lange gesagt, dass die Wildschweine bald auch in unsere Gärten kommen werden, denn der Wald und die Berghalde sind schon total verwüstet.“, erzählte Karin Regitz aufgebracht. Sofort wandte sie sich an das Ordnungsamt, von dem sie an den zuständigen Förster verwiesen wurde. Nils Lesch, Leiter des Forstreviers Sulzbach, empfiehlt, den Garten zu umzäunen: „Wildschweine drücken auch gerne mal einen Zaun hoch, deshalb ist es wichtig, dass der Zaun etwa 50 Zentimeter tief in den Boden eingegraben wird. Außerdem ziehen Komposthaufen und Grünschnitt, der im Garten entsorgt wird, wilde Tiere an.“

Aber am Komposthaufen waren die Schweine überhaupt nicht. Dafür waren sie in der Nacht zum vorigen Montag wieder da. Karin Regitz bekommt hilfreiche Tipps: „Meine Nachbarin hat gesagt, dass wir nachts ein Kofferradio in den Garten stellen sollen. Wenn das an ist, soll es den Tieren vorgaukeln, dass sich Menschen im Garten aufhalten. Ich weiß nicht, ob es was nützt, aber einen Versuch ist es wert!“ Bisher hat Karin Regitz die Verwüster noch nicht gesehen, steht aber mittlerweile öfter in der Nacht auf, um Ausschau nach den Tieren zu halten. „Wenn man bemerkt, dass sich Wildschweine im Garten aufhalten, hilft es, laut zu sein. Einfach mal laut klatschen und Aufmerksamkeit erzeugen. Aber immer Abstand halten, falls sich die Tiere in die Enge getrieben fühlen, können sie auch mal angreifen. Licht anschalten hilft leider nichts. Man muss sich auch immer im Klaren sein, dass diese Maßnahmen nur für den Moment helfen. Am nächsten Tag haben die Wildschweine schon wieder vergessen, dass da was war.“, erklärt der Fachmann Nils Lesch.

Karin Regitz fühlt sich alleingelassen mit dem Problem, denn weder die Stadt Sulzbach noch der Förster tun in ihren Augen etwas gegen die Wildschweine. Sie wünscht sich, dass der Wildschweinbestand vermindert wird: „Die Förster sind nicht nur dafür da, die Bäume zu zählen. Wofür hat man die denn?“ Im Wald wird tatsächlich das ganze Jahr über gejagt mit dem Versuch, die Population zu dezimieren. Nur in der Schonzeit bleiben die Wildschweine und ihre Frischlinge verschont. In befriedeten Bezirken, also in Wohngebieten, ist das Jagen nicht erlaubt.

„Das dient in allererster Linie dem Schutz des Menschen. Wenn sich eine Kugel mal verirren würde, wäre das viel zu gefährlich“, so Nils Lesch. Außerdem seien Saarforst und Stadt Sulzbach für privates Eigentum nicht zuständig.

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