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In der Pestalozzischule
Die Schüler hatten eine Mords-Gaudi

Die Schüler bei der Aufführung des Musicals Villa Spooky.
Die Schüler bei der Aufführung des Musicals Villa Spooky. FOTO: Thomas Seeber /
Neuweiler. Die vierten Klassen der Förderschule Sprache führten mit Unterstützung das Grusical Villa Spooky auf. Von Anja Kernig

„Tretet ein, nur Mut, nur Mut, denn wir brauchen frisches Blut.“ Gruselig, gelle? War aber geflunkert. Tatsächlich würden die Schüler der Pestalozzischule kaum jemanden aussaugen, wenn sie Hunger haben. Aber mal so tun als ob, das macht natürlich Mords-Gaudi.


Gelegenheit dazu bot das Mini-Musical Villa Spooky aus der Feder von Renate und Walter Kern. Seit September beschäftigt sich die Theater-AG der Förderschule Sprache, der alle 28 Viertklässler angehören, damit. Die Leitung lag in den bewährten Händen von Birgit Nuglisch und Birgit Kleer.

Theaterspiel hat sich mittlerweile zum festen Bestandteil des sprachheilpädagogischen Unterrichtes an der Pestalozzischule gemausert. Was gar nicht mal nur mit dem hohen Spaßfaktor zu tun hat, im Gegenteil: „Indem sie in neue Rollen hineinschlüpfen, verlieren die Kinder nach und nach ihre Hemmungen. Sprachliche Unsicherheiten werden quasi nebenbei abgebaut, wovon auch das Selbstbewusstsein profitiert und die Persönlichkeitsentwicklung“, erklärte Birgit Kleer. Erarbeitet werden Techniken, mittels derer die Mädchen und Jungen ihre Empfindungen außer sprachlich auch mimisch und gestikulierend zum Ausdruck bringen können. Eine große Hilfe sind dabei Musik und Tanz: „Diese Elemente erleichtern den emotionalen Zugang zu den jeweiligen Themen.“ Positiv wirke sich das Theaterspielen nicht zuletzt auf das Integrationsverhalten in der Gruppe aus, ebenso auf Disziplin und Ausdauer.

Vorige Woche war es endlich soweit: Zu zwei Aufführungen lud man die Familien in die komplett abgedunkelte, für die ganze Woche stillgelegte Turnhalle ein. Ins Auge fiel dort sofort das knallbunte Gespensterschloss à la Hundertwasser, an den Wänden grüßten Heerscharen feixender Fledermäuse, zart-weißer Gespenster und knuddelige Ratten – gebastelt und gemalt von Schülern unter den Fittichen von Hanni Gross-Kuphal. In jener Villa Nebelstein, weit weg von seinen transsylvanischen Verwandten, wohnt Bissgurius, kurz Bisso.

Gespielt wurde er von Xhemaijl Berisha. Der Zehnjährige erwies sich als echtes Naturtalent. „Ein bisschen anstrengend“ sei das Textauswendiglernen gewesen. Aber es hat auch ganz viel Spaß gemacht, betonte Xhemaijl. „Vor allem das Singen und Performen“, etwa beim „Fledermausrock“.



Als vegetarisch lebender Vampir ist Bisso das schwarze Schaf der Familie: „Die Tante kriegt die Krise, ihr Neffe isst Gemüse.“ Als sein Onkel das Anwesen verkaufen will, verwandeln Bisso und seine Freunde die Villa in ein gruseliges Spukhaus und können so die anrückenden Käufer in die Flucht schlagen. Unterstützung bekamen die Grundschüler von kleinen Geistern und Fledermäusen des städtischen Kindergartens, mit denen Stefanie Bungart-Wickert zwei Tänze einstudiert hatte.

Sie, selbst oft auf Theaterbühnen aktiv, war es auch, die dem Kollegium nach dem verdienten Schlussapplaus und der Zugabe nochmal ausdrücklich dankte: „Ihr ermöglicht es den Kindern, eine tolle Erfahrung zu machen.“ Dazu passt, so Stefanie Bungart-Wickert, was einer der Jungs gerade glücklich fallen gelassen habe: „Das hier, das werde ich nie vergessen.“