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Die kollektive Erschöpfung der Musiker

Alja Hefti, Annika Haßel, Moritz Fey, Paul Lampel, Karolin Goedicke, Isabell Heinzelmann und Andreas Bastian haben am Montag ihre Abi-Prüfung im Leistungsfach Musik abgelegt. Foto: Iris Maurer
Alja Hefti, Annika Haßel, Moritz Fey, Paul Lampel, Karolin Goedicke, Isabell Heinzelmann und Andreas Bastian haben am Montag ihre Abi-Prüfung im Leistungsfach Musik abgelegt. Foto: Iris Maurer
Sulzbach. Erleichtert ja, aber euphorisch, um nicht zu sagen aufgekratzt angesichts dessen, was sie geleistet haben, sind sie nicht. "Wir sind einfach nur platt", sagt eine Schülerin und alle nicken stumm. Eine gute Portion Ruhe und Entspannung haben sie sich jetzt verdient. Und eine fette Party, auf die sich der ein oder andere schon freut Von SZ-Redakteurin Michèle Hartmann

Sulzbach. Erleichtert ja, aber euphorisch, um nicht zu sagen aufgekratzt angesichts dessen, was sie geleistet haben, sind sie nicht. "Wir sind einfach nur platt", sagt eine Schülerin und alle nicken stumm. Eine gute Portion Ruhe und Entspannung haben sie sich jetzt verdient. Und eine fette Party, auf die sich der ein oder andere schon freut. Montag, 13 Uhr, ganz oben im Musiksaal des Sulzbacher Theodor-Heuss-Gymnasiums. Annika Haßel (18) und Karolin Goedicke (19), beide aus Friedrichsthal, Isabell Heinzelmann (18) Andreas Bastian (17), beide aus Quierschied, Moritz Fey (17) aus Herrensohr sowie Paul Lampel (17) und Alja Hefti (18), beide aus Sulzbach, haben gestern ihre schriftliche Abiturprüfung im Leistungsfach Musik hingelegt. Sie sind zuversichtlich, dass es von den Noten her hinhaut. Marie-Luise Keller-Sandner, ihre Lehrerin, freut sich mit dem Septett, dass die Prüfung rum ist. Zuletzt, sagt sie, kam im Jahr 2003 ein solcher Musik-Leistungskurs zustande. Weil nicht jeder, der gerne zu Hause unter der Dusche singt, auch musikalisch interessiert und verständig ist. Und nun schaut sie in die Runde, in müde Gesichter, auf die kollektive Erschöpfung. Drei Werke, sagt Keller-Sandner, mussten die Schüler analysieren, zwei aus der Romantik und eines aus der Moderne. Sie sollten beschreiben, wie der Komponist den Text in die Musik umgesetzt hat. Uff! Die Prüfung am Montag war für sechs der von uns interviewten Abiturienten die letzte in schriftlicher Form. Einer, und zwar Moritz, muss heute nochmal ran. Dann steht für ihn die Physik-Prüfung an. Chemie bildet am Mittwoch landesweit den Abschluss, nicht aber am THG, dort war kein Leistungskurs zustande gekommen. Es folgt im Juni das Mündliche. 110 Schüler und Schülerinnen insgesamt haben sich diesmal am THG der Abiturprüfung unterzogen. Die Quote derer, die durchfallen, sagt Marie-Luise Keller-Sandner, sei immer sehr gering. Einer, höchstens mal zwei. Und die beliebteste Fächerkombination in den Leistungskursen? Deutsch, Englisch, Politik, sagt die Pädagogin. Lächelnd schauen bei dieser Antwort alle in Richtung Moritz Fey. Mit der Kombination Musik, Physik und Englisch gehört er zu den Ausnahmeerscheinungen. Und was geht ab, nachdem die Reifeprüfung überstanden ist? Andreas Bastian weiß es schon genau: "Erst Party." Und dann? "Studieren fürs Lehramt - Mathe und Erdkunde." Andere wiederum sind noch am überlegen, was sie machen sollen. So auch Karolin. Sie möchte ein Berufsleben im sozialen Bereich, was Therapeutisches, "eventuell Physiotherapie". Drei sind dabei, die haben das Abitur nicht in neun, sondern in acht Jahren (G 8) gemacht. Für Isabell war es "eine Herausforderung, vor allem in den Gesellschaftswissenschaften". Die Erfahrung, sagt sie, habe ihr gefehlt. Studieren will sie "historisch orientierte Kulturwissenschaften". Also eintauchen in die Wissenschaft vom Menschen unter Berücksichtigung des geschichtlich relevanten Geschehens. Und Annika liebäugelt mit der Biologie.