Wenn Munition abprallt: Die Jäger zur Vorsicht gemahnt

Wenn Munition abprallt : Die Jäger zur Vorsicht gemahnt

Bei der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Saarbrücken geht es in der Aula um abprallende Munition.

Es klang teils etwas martialisch, was Ingo Rottenberger bei seinem Vortrag wiedergab. Immerhin referierte der Geschäftsführer der Deutschen Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen (Deva) in der Aula in Sulzbach zum Thema „Abprallverhalten von Jagdmunition“.

„Er hat natürlich sehr zugespitzt die Gefährlichkeit der Schussabgabe betont“, erklärte deswegen Kreisjägermeister Heiner Kausch nach Ende der Veranstaltung. Er betonte, dass es im Saarland schon seit vielen Jahren keinen Jagdunfall mehr gab, bei dem ein Mensch verletzt wurde. Beim Deva-Geschäftsführer würde letztlich alles landen, „was schiefgegangen ist“.

Deswegen kam es ihm mit dem Vortrag darauf an, bei den Jägern die Aufmerksamkeit dafür zu schärfen, dass trotz aller Intensivierung der Bejagung des Schwarzwildes die Unfallfreiheit gewährleistet sein muss. Der Vortrag fand innerhalb der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Jäger des Saarlandes, Kreisgruppe Saarbrücken, statt. „Jagdunfälle treten leider viel zu häufig auf“, führte Ingo Rottenberger in seine Thematik ein. Das liege zum großen Teil eben am Verhalten, sobald das Geschoss auf den Boden oder an einen Baum aufpralle.

Eine Untersuchung habe ergeben, dass bleihaltige Geschosse mit Reichweiten zwischen 114 und 147 Metern nach einem Abprall bis zu 516 Metern fliegen können. Bei bleifreien Geschossen mit Reichweiten bis 1521 Metern können es gar bis zu 747 Meter sein. Es könnte sich festhalten lassen: „Bleifreie Geschosse fliegen signifikant weiter als bleihaltige.“ Hinzu komme, dass je härter der Aufprallboden ist, desto geringer der Abprallwinkel sei. Es könne sich daraus schließen lassen, dass gewachsener Boden kein guter Schutz sei.

Er führte aus, dass ab zehn Metern Schussweite ein Geschoss abprallen kann. Um die Gefährdung von Menschenleben zu illustrieren, führte er ein Video vor. Darin war eine Gruppe von Jägern zu sehen, die 18 Schüsse auf eine Rotte Wildschweine abgab – im Hintergrund sah man deutlich eine Reihe von Wohnhäusern. Letztlich könnten fehlgeleitete Schüsse, unter anderem auch von Büchsengeschossen, im schlimmsten Fall auf die Statik von Bauwerken einwirken. Auch vom Schießstand können Schüsse abprallen und nach draußen gelangen.

Im Stichpunkt Waffentechnik warnte er vor dem Barrel Fouling, also Ablagerungen im Lauf der Waffe. „Wenn Grünspan rausguckt, ist es Zeit zum Reinigen“, sagte er ironisierend. Eine saubere Waffe helfe im Übrigen auch dabei, das Tier nicht leiden zu lassen, sondern schnell zu töten. Er präsentierte noch ein Beispiel aus der Praxis: Eine Schusswunde, die nach einem Abpraller ein Knie erwischte und für eine deftige Wunde sorgte. Am Ende plädierte er: „Gehen Sie auf den Schießstand und schießen Sie dort Ihre Waffe ein.“

Im Anschluss hielt Kreisjägermeister Heiner Kausch seinen 20. Jahresbericht. Darin ging er unter anderem darauf ein, dass die Jäger im Regionalverband darum bemüht seien, den Bestand an Wildschweinen zu verringern, im vergangenen Jahr erlegte man 741 Tiere. Zum Thema Afrikanische Schweinepest erläuterte er, dass man im Saarland bislang davon verschont blieb und das Wildfleisch uneingeschränkt zu genießen sei. Seinem Empfinden nach habe sich die Wahrnehmung seitens der Bevölkerung geändert: „Tatsächlich habe ich eher den Eindruck, dass die Bevölkerung hinter der Jagd steht, sie zumindest als legitim und notwendig erachtet.“

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