1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Sulzbach

Der Sulzbach soll sich wieder schlängeln

Der Sulzbach soll sich wieder schlängeln

Am Dienstag begannen die Renaturierungs- maßnahmen am Sulzbach. Er soll den Bürgerinnen und Bürgern wieder viel Freude machen.

Generationen von Sulzbacherinnen und Sulzbachern kennen den "Namensgeber" ihrer Stadt nur so: tot und eingezwängt in einen Betonsarg oder - wie vor ziemlich genau einem Jahr - plötzlich zerstörerisch anschwellend und alles mitreißend. Der Sulzbach ist seit Jahrzehnten kein fröhliches Bächlein mehr, an dem sich Mensch, Tiere und Pflanzen erfreuen können. Doch er soll es wieder werden.

Am Dienstag vollführten Roland Krämer, Staatssekretär im saarländischen Umweltministerium, Michael Adam, Bürgermeister der Stadt Sulzbach, Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien GmbH, und Martin Strauß, Geschäftsführer der Landschaftsagentur Plus, den ersten Spatenstich zu Renaturierung des Gewässers zwischen dem Stadtpark und der Grenze zu Dudweiler.

"Früher wollte man Abwässer einfach nur schnell ableiten", begründete Michael Adam die Auskofferung des Bachbettes vor Jahrzehnten. Man habe den Bach bereits von den Abwässern entlastet, nun wolle man ihn vom Rand des Parkes wieder in den Mittelpunkt rücken. "Der Bach soll auch für Kinder zugänglich werden", so der Verwaltungschef, "es sollen Übergangsmöglichkeiten entstehen, Ruheräume mit Verweilqualität, aber auch ein Bouleplatz, um die Frequentierung des Salinenparks weiter zu verbessern."

Dass mit der Aufwertung des Parks auch ein verbesserter Schutz vor Hochwasser-Ereignissen einher geht, nannte Adam eine "Win-Win-Situation." Der dritte Gewinner nach den Anwohnern und den Parknutzern ist die RAG. Diese musste wegen der Sanierung der Bergehalde Maybach eine sogenannte "ökologische Ersatzmaßnahme" schaffen. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das hier in Sulzbach zu tun, auch wenn vergleichbare Maßnahmen andernorts sicher finanziell günstiger gewesen wären", betonte Krumm, "wir tragen auch noch fünf Jahre nach seinem Ende die Verantwortung für das Erbe des Bergbaus. Das ist manchmal weniger schön, wenn ich an die Diskussion um das Grubenwasser denke. Es ist sehr schön, wenn es um die Wiederbelebung von Flächen, oder wie hier eines Gewässers geht." Eine Million Euro investiert die RAG in die Renaturierung des Sulzbaches auf rund 1200 Metern Länge. Die 180 000 Euro Planungskosten teilen sich das Umweltministerium und die Stadt Sulzbach. Bereits im Februar hatten die vorbereitenden Rodungen begonnen. In den kommenden sechs Monaten wird die Betonauskleidung aus dem Bach entnommen, werden rund 10000 Kubikmeter Erdreich ausgebaut. Naturnahe Gewässerschlingen werden angelegt, Uferböschungen abgeflacht und so auch Hochwasser-Rückhalteflächen geschaffen. Die Experten rechnen mit einer Aufnahmefähigkeit von zehn Millionen Litern.

"Sulzbach ist ein Vorzeigeprojekt", betonte Martin Strauß vom Generalunternehmer Landschaftsagentur Plus: "Grüne Infrastruktur ist eine Zukunftsstrategie."

Sechs Monate dauern die Arbeiten, drei Jahre lang wird danach angepflanzt und gepflegt. Erst dann ist die Maßnahme endgültig abgeschlossen. "Durch die Renaturierung des Sulzbachs wird auch ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Artenvielfalt in Flora und Fauna geleistet", hob Staatssekretär Krämer die Schaffung neuer Lebensräume hervor -- nicht nur für die Natur: "Wir brauchen mehr öffentliche, aber auch private Räume, die eine hohe Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger sichern. Wir bringen den Menschen ein weiteres Stück Natur zurück in die Stadt."

Hochwasserschutz, ökologischer Mehrwert und Erhöhung des Naherholungswertes von Sulzbachs grüner Lunge - die Renaturierung seines Baches kann eine Aufwertung für die ganze Stadt werden.