Der Pfarrer steht auch am Herd

Sulzbach. Es riecht nach Weihnachten, wenn man das Haus betritt. Überall geschmückte Tannenzweige. Allerdings gibt es keinen Tannenbaum. "In der Kirche haben wir doch einen großen Weihnachtsbaum und eine wunderschöne Krippe, die die Mädchen und Buben des Kindergottesdienstes selbst gemacht haben

Sulzbach. Es riecht nach Weihnachten, wenn man das Haus betritt. Überall geschmückte Tannenzweige. Allerdings gibt es keinen Tannenbaum. "In der Kirche haben wir doch einen großen Weihnachtsbaum und eine wunderschöne Krippe, die die Mädchen und Buben des Kindergottesdienstes selbst gemacht haben. Das reicht", sagt Carlo Holzmann schmunzelnd und ergänzt: "Wir haben schon seit Jahren keinen Tannenbaum mehr, den wir schmücken müssten." Der 58-Jährige ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Sulzbach. Wenn andere sich im Kreise der Familie am Heiligen Abend entspannen, dann arbeitet Holzmann. "Am 24. Dezember halte ich drei Gottesdienste", erklärt er. Die vermehrte Arbeit rund um das schönste Fest des Jahres ist für ihn kein Stress. "In den Gottesdiensten bin ich ja bei meiner Familie", sagt der Seelsorger.Da ist um 16 Uhr der Familiengottesdienst mit Mädchen und Jungs der Kindertagesstätte und einer Musikgruppe. Dann folgt um 18 Uhr die Christvesper mit Predigt und unter Mitwirkung eines Chores. Und zum Abschluss des Tages ist um 23 Uhr die Christmette mit der Feier des Heiligen Abendmahles. Danach lädt Holzmann einige Freunde, die in der Mette waren, zu einem Umtrunk ins Pfarrhaus ein.Und wann ist die Bescherung? "Meine Frau Annelott und ich sind seit 23 Jahren verheiratet. Wir schenken uns an Weihnachten nichts. Geschenke gibt es bei uns spontan das ganze Jahr über", erzählt Holzmann. Und wie verläuft so der Arbeitstag an Heiligabend? Nach dem Frühstück gehe er noch einmal alle Gottesdienste durch, wiederhole die Texte und aktualisiere, wenn nötig, noch einmal die Predigt, sagt der Pfarrer. Zum Mittagessen gibt es bei Holzmanns eine Suppe und nach der Christvesper, ganz traditionell, Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen. Den Salat macht Carlo Holzmann übrigens selbst - und zwar schon am Vorabend. "Ich mache den Kartoffelsalat nach Art meiner Mutter: mit selbstgemachter Mayonnaise, Äpfeln, Eiern, Lyoner und Gurken", verrät der Hobbykoch. Nach dem Essen entspannt der Pfarrer. "Ich lege mich ein bisschen hin, höre Weihnachtsmusik und lese bis um 22.30 Uhr. Dann gehe ich wieder in die Kirche." Am 1. Weihnachtstag hat Carlo Holzmann frei. "Wir werden an diesem Tag meistens von Freunden zum Essen eingeladen", sagt er und betont: "Meine Frau und ich freuen uns darauf schon sehr." Am 2. Weihnachtstag ist es nichts mit Ausschlafen. Um 10 Uhr muss Carlo Holzmann einen Gottesdienst halten. Danach steht er am Herd. Er kocht. Was es gibt, will er nicht verraten. Fest steht aber: Ab dem 28. Dezember hat Pfarrer Carlo Holzmann Urlaub bis zum 8. Januar. Mit seiner Frau bleibt er zu Hause. Zumal Holzmann den Gottesdienst an Silvester um 19 Uhr hält. "Wir schenken uns an Weihnachten nichts. Geschenke gibt es bei uns spontan das ganze Jahr über."Carlo Holzmann

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