Der lange Kampf gegen die Sucht

Langer, warmer Applaus beendete einen ungewöhnlichen Abend in Sulzbach: Die Anonymen Alkoholiker sprachen und spielten ungeschminkt über ihre Sucht.

"Es ist ein geiles, geiles Gefühl nüchtern zu sein": Wenn Liesel von ihrer Vergangenheit als Alkoholikerin erzählt, ist man schnell betroffen. "Vergangenheit" stimmt und stimmt doch nicht. Denn einerseits sind die schlimmen Zeiten vorbei. Andererseits ist man sein Leben lang Alkoholiker . Man ist nur eben trocken, erklärte die Powerfrau im Salzbrunnenhaus. Dorthin hatte die Sulzbacher Gruppe der Anonymen Alkoholiker (AA) anlässlich des 80-jährigen Bestehens der AA-Weltvereinigung eingeladen. Einen Nachnamen hat Liesel natürlich. Doch in der Szene legt man großen Wert auf Anonymität, weshalb in diesem Artikel auch nur die Vornamen der handelnden Personen genannt werden.

Bereits mit 15 Jahren hat Liesel mit Bier und Sekt angefangen, was ihr schnell nicht reichte. Härtere Alkoholika mussten her, um den ganztägigen Rausch aufrechtzuerhalten. Schmerzhafte Krampfanfälle, alleine 15 Aufenthalte in der Psychiatrie - die einzelnen Klinikaufenthalte nicht mitgerechnet - und zwei Langzeittherapien sowie ein Suizidversuch prägen ihre Geschichte. Sie verlor alles: Job, Familie und den Sohn. 2009 hatte sie ihren Tiefpunkt, nachdem sie vier Tage durchgesoffen hatte. Sechs Tage war sie in der Psychiatrie und machte auf eigenen Wunsch Entzug und Therapie. Über die Klinik kam sie zu den Anonymen Alkoholikern. Die Gruppe wurde zu ihrer Familie. Seit sie regelmäßig die Treffen besucht, verspürt sie keinen Druck nach der Droge mehr.

Nach 16 Jahren hat Liesel auch wieder Kontakt zu ihrer Familie und hat sich mit dem Sohn versöhnt. Auch einen Partner hat sie wieder, der ihr geholfen hat, eine Tagestruktur zu erlangen und diese auch zu halten. "Es muss mal eine Frau erzählen, weil man immer denkt, Frauen trinken nichts", meinte Alfons nach der Rede von Liesel. Er ist der Sprecher der Interessengemeinschaft. Sein Stellvertreter Ralf hatte die Aufgabe, die Geschichte der Anonymen Alkoholiker darzustellen.

Jeden Dienstag um 19 Uhr

Am 10. Juni 1935 wurde die Organisation in den USA gegründet. Im Saarland wurde am 26. Mai 1966 die erste Gruppe in Saarbrücken gegründet. Seit 2007 treffen sich die Süchtigen in Altenwald jeden Dienstag um 19 Uhr in der Grubenstraße 5. Es sei hoch zu bewerten, dass die Vereinigung in die Öffentlichkeit geht und sich im Salzbrunnenhaus vorstellt, meinte Bürgermeister Michael Adam .

Die Unterhaltung kam trotz des ernsten Themas auch nicht zu kurz. Das Ein-Personenstück "Zeit der Reiher", welches von einem alternden Schauspieler handelt, der süchtig und am Ende ist, erhielt einen mehr als respektvollen, langen und warmen Applaus. Gespielt von Wilfried zeigt es, wie kreativ Süchtige beim Deponieren von Flaschen, etwa im Innern des Klavierkörpers, sein können. Darsteller Wilfried spielte jedoch auch mit seinem eigenen Ich und erinnerte sich fast schon traurig an seine zahlreichen Erfolge. Die sind lange her.

Am Vortag hat der Intendant seines Theaters "Der zerbrochene Krug" wegen des Verhaltens des Schauspielers abbrechen müssen. Die Zweitbesetzung, mit der Johannes nicht kann, hat nun die Rolle. Schnitt - ein Jahr später: Johannes ist gerade 71 Jahre alt geworden und seit einem Jahr trocken.