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„Der Betrachter trifft auf das normale Leben“

„Der Betrachter trifft auf das normale Leben“

Mit offenen Augen und einer Spiegelreflexkamera läuft Vera Quintus durch die Welt. Und hält dabei Menschen und beeindruckende Momente fest. Ihr Augenmerk liegt besonders auf Farben.

"Moments in time", so heißt die Ausstellung, die am vorigen Samstag im Salzbrunnenhaus eröffnet wurde. Die 22 Fotografien von Vera Quintus aus Konz wollten jedoch bei der Vernissage nur wenige Menschen sehen. "Es ist vermutlich ein unglücklicher Termin", schlussfolgerte Renate Schiel-Kallenbrunnen von der Volkshochschule Sulzbach , die mit der Stadt als Veranstalter fungiert.

"Sie hat Momente bis zur Perfektion dargestellt", zeigte sich Beigeordneter Jürgen Reimertshofer beeindruckt. "Der Betrachter trifft auf das normale Leben", fasste Laudatorin Dagmar Günther die Wirkung der Fotos zusammen. Die Vorsitzende des Sulzbacher Kunstvereins betonte, dass mit Quintus' Bildern keine Anklage erhoben und auch keine Probleme transportiert werden sollen. Die aus dem Saarland stammende Künstlerin bummelt durch Städte, Parks und Museen. Dabei versucht sie, alles aufzunehmen. Auffällig hierbei sei, dass die hauptberuflich als Studienleiterin am Trierer Fachseminar tätige Frau ihre Bilder fast nicht nachbearbeitet. Die Farbe bleibt so im Vordergrund. Auch, wenn der Hintergrund wenige Kontraste habe. Dieses Zusammenspiel bringt Leben ins Bild, so Günther in ihrer Laudatio. Ihrer Meinung nach sind die Bilder hinsichtlich Farbe und Aufteilung regelrecht komponiert. Selbst bei den Schwarz-Weiß-Aufnahmen sei das so. Die Künstlerin gab ihr Recht. Vor allem in Museumsszenen lauere man schon mal auf den Zufallstreffer. "Ich habe die Bilder neu zusammengestellt. Im Vergleich zu früheren Ausstellungen mit den Motiven aus New York und Vancouver sind nun auch Fotos aus Paris dabei", fasste Vera Quintus ihre Sulzbacher Sammlung im SZ-Gespräch zusammen.

"Mich interessieren einfach Menschen", umschreibt die Künstlerin ihre Intention. Ein multikulturelles Umfeld ist zudem für die Beobachtungen wichtig. Landschaften zählen normalerweise nicht zu ihren Motiven. Man findet überall etwas, versichert die Fotografin. Man müsse nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen und schon sieht man was. Das habe sie schon immer so getan. Aktiv ist sie erst seit fünf Jahren. Farbkombinationen, die ein gewisses Geheimnis ausstrahlen - das sei das Magische an ihren Motiven. Unerwartete Begebenheiten und nicht planbare Augenblicke hält sie fest und gibt ihnen dadurch ein Gesicht. Eine umfassende Technik sei es nicht, auf die sie bei ihrer Arbeit zurückgreift. Sie verwendet eine ganz normale Spiegelreflexkamera. Vera Quintus geht nah an die Motive heran und nutzt dabei keine Zoom-Funktion. Die fotografierten Personen wissen darüber Bescheid, weil Quintus sie zuvor gefragt habe. Unerfreuliches sei ihr bislang noch nicht begegnet. Die Menschen vor allen in den USA seien meist offen und aufgeschlossen. Manche umarmten sie gar. Ihnen komme bei den Motiven also immer eine besondere Bedeutung zu. Nichts sei gestellt. Alles basiert immer auf dem Zufall. Die Ausstellung ist noch bis Donnerstag, 19. Mai, zu den VHS-Öffnungszeiten zu sehen.