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Demonstration gegen geplante Moschee in Sulzbach

Anti-Moschee-Demo : Niederländischer Pegida-Vertreter beleidigt Islam-Propheten bei Sulzbacher Protest

Mit Verstärkung aus dem international agierenden rechten Lager hat die Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“ am Samstagvormittag Stimmung gegen eine geplante Moschee gemacht. Dabei geriet die von den Freien Wählern fast zeitgleich einberufene Mahnwache auf dem selben Platz – ebenfalls gegen das islamische Gebetshaus – wegen der Lautstärke und Präsenz an Fahnen und Transparenten der Bürgerinitiative ins Hintertreffen.

Derbe Worte schmetterte Ed Wagensveld am späten Samstagvormittag, auf einer Sitzbank stehend, ins Mikro über den Sulzbacher Marktplatz hinweg. Umjubelt von rund 100 Teilnehmern einer Protestkundgebung gegen den geplanten Umbau der alten Post zu einer Moschee. Der hochrangige Vertreter der niederländischen Pegida-Bewegung heizte die Menge auf und ein. Er erntete dafür gleich mehrfach tosenden Applaus. Er sprach Flüchtlingen, insbesondere Muslimen, die Bereitschaft ab, sich der deutschen Gesellschaft anpassen zu wollen. Schlimmer noch: Sie besäßen keinen Anstand. Anders als er: „Ich bin hier auch Gast und benehme mich“, ließ er die Demonstranten wissen. Um sich sogleich umzudrehen und einige wenige Vertreter des saarländischen Aktionsbündnisses „Bunt statt Braun“ als „linker Schreihals“ zu beschimpfen. Weitere diffamierende Wort verbiss er sich aus Angst vor einer ihm dann womöglich drohenden Anzeige seitens der Attackierten. Die hatten seine Rede zuvor durch laute Zwischenrufe gestört, „Nazipack“ hineingeschrien.

Ordinäre Worte gegen Propheten im Gossenjargon

Heftige Worte über Propheten Mohammed

„Diese Moschee darf hier nicht kommen“, forderte er inbrünstig. Er lenkte dabei auf die ultrakonservativen Ansichten der Salafisten, die hinter den konkreten Plänen stecken sollen. Seine Aversionen verlieh er Ausdruck, indem er den höchsten islamischen Propheten Mohammed beleidigte: Er bezeichnete ihn als Kinderschänder, nutzte dafür ein ordinäres Wort aus dem Gossenjargon. Abermals brandete Applaus auf.

Grenzen dichtmachen

Er knüpfte mit der Tradition der Deutschen an, die es zu schützen gelte. Um den Islam fernzuhalten, gebe es nur ein Ziel: „Die Grenzen müssen so schnell wie möglich wieder geschlossen werden“, postulierte er und glitt damit vom Lokalen ins Europäische ab. Er kehrte wieder zurück ins Saarland. Eine Moschee müsse verhindert werden, „damit Ihr hier in Sulzbach auch demnächst noch sicher über die Straße gehen könnt und dass es ein deutsches Dorf bleibt“, sagte der Holländer, der in seinem Land die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) verkörpert.

NPD schießt sich auf Flüchtlinge ein

Obwohl einer der Hauptorganisatoren der Bürgerinitiative „Sulzbach wehrt sich“, Alexander Flätgen, die Überparteilichkeit dieses als Spaziergang angemeldeten Protests mit anschließender Demonstration im Vorfeld herausstellgestellt hat, trat als weiterer Redner aus der gleichen politischen Richtung der saarländische NPD-Chef Peter Marx auf. Auch er machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Muslime. So sei an Schulen „ein Schweinefleischverbot mittlerweile an der Tagesordnung“. Marx, der im Saarbrücker Stadtrat sitzt, legte nach: „Es geht nicht an, dass wir unseren eigenen Kindern in öffentlichen Einrichtungen verbieten, Rostwüste und Schnwenker zu essen.“ Worauf ein älterer Zaungast skeptisch nachhakte: „Wer sagt denn sowas?“ Vor ihm jubelten die vielfach schwarz gekleideten Demonstranten, die Deutschlandfahnen und Banner des selbst ernannten Bürgernetzwerks „Ein Prozent“ vor sich trugen, auf die der Verfassungsschutz ebenso ein Auge hat wie auf Salafisten.

Inakzeptable Religionsauslegung

Etwas abseits hatten die Freien Wähler kurz zuvor ihre Mahnwache beendet. Redner kreideten unter anderem den Kopftuchzwang an, während muslimische Männer „frei herumlaufen können“, sagte eine aufgebrachte Frau, die sich als Feministin titulierte. Der Islam, wie ihn die Mitglieder des Vereins Muslimische Gemeinde Saarland (MGS) auslegten, entspreche dem von vor 1500 Jahren und sei deswegen inakzeptabel. Die MGS ist Bauherr der neuen Moschee.

Bernd Schlachter, der für die Freien Wähler im Sulzbacher Stadtrat sitzt, hatte vor Beginn der beiden Proteste betont, sich von der rechtsgerichteten Bürgerinitiative abzugrenzen. Die verbreitete auf Flugblättern und im Internet die Aufforderung: „Kehrt nach Hause zurück, Eure Heimat braucht Euch!“ Mit diesen fremdenfeindlichen Äußerungen wollten Schlachter und seine Unterstützer nichts zu tun haben. Ebenso Mirko Welsch, zuletzt Mitglied der AfD und nun Einzelbewerber für den Bundestag seines selbst inszenierten Bürgerbündnissses Saar, schloss sich dem Freien-Wähler-Protest an Er frage sich, wohin der Vorsitzende des Vereins MGS, Burhan Yagci, zurückkehren soll. „Er ist doch Sulzbacher, er ist hier geboren.“

Marsch durch leere Straßen

Trotz der offiziellen Abgrenzung von „Sulzbach wehrt sich“ mit ihren nationalistischen Tönen schlossen sich zahlreiche Besucher der Freien-Wähler-Mahnwache dem Protestmarsch an. In menschenleeren Straßenzügen skandierten einige wenige „Wir sind Christen, keine Terroristen“ und „Merkel muss weg“. Nach wenigen Minuten auf dem Marktplatz zurückgekehrt, legten sich einige Mitmarschierer mit „Bunt statt Braun“-Repräsentanten wortstark an, die den Platz sofort verließen. Unter ihnen Philipp Weis. Er sagte, dass sich seine Organisation „aus Bedenken vor Ausschreitungen“ zurückgehalten habe und deshlab an diesem Tag nicht verstärkt aufgetreten sei.

Einsamer Protest

Ein einsamer Gegner beider Proteste positionierte sich indes auf dem zentralen Brunnen. Mit einem Plakat mahnte Karl-Heinz Butterbach die Sulzbacher Nazi-Opfer an. Und musste auf verlorenem Posten Anfeindungen über sich ergehen lassen.