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Islam-Vortrag im Salzbrunnenhaus
Demagogen verführen mit simplen Lösungen

Moahmed Maiga stammt aus Mali.
Moahmed Maiga stammt aus Mali. FOTO: BeckerBredel
Sulzbach. Mohamed Maiga, Vorsitzender des Kulturvereins Ramesch, referierte auf Einladung der Sulzbacher Volkshochschule zum Thema „Islam im Alltag“. Von Stefan Bohlander

„Die Salafisten haben einfach die besseren Sozialarbeiter“, lautet eine der provozierenden Thesen von Mohamed Maiga, als die Frage auftaucht, wieso die radikale Auslegung des Islam auf Jugendliche so anziehend wirkt. Im Grunde sei es dasselbe Spiel, wie bei jeder extremen Auslegung: Orientierungslosigkeit und einfache Antworten auf komplexe Sachverhalte zögen junge Leute in falsche Kreise. Als Beispiel führte er seinen eigenen Sohn an. Der 17-Jährige sei von einem Freund mit zu einer Koranschule genommen worden. Doch recht schnell habe sein Nachwuchs gemerkt, dass er dort an die falsche Adresse geraten sei.


Mohamed Maiga ist ein Mensch, der den Diskurs liebt. Das erleben die etwas mehr als 20 Besucher im Salzbrunnenhaus auf eindrucksvolle Weise. Der Mann aus dem westafrikanischen Mali ist Vorsitzender des Kulturvereins Ramesch und referiert auf Einladung der Sulzbacher Volkshochschule zum Thema „Islam im Alltag“. Dabei setzt der gläubige Muslim, der seit 27 Jahren im Saarland lebt, jedoch nicht auf brachiale schwarz/weiß-Malerei, sondern auf Emotionen weckende Diskussion mittels anschaulicher Erzählungen aus dem täglichen Leben.

Als Beispiel für falsch interpretierten Koran führt er beispielsweise aus, dass es eine ursprüngliche Form des Buches gebe und im Laufe der Zeit weitere Kapitel dazugekommen seien. Salafisten würden diese Änderungen, die teils für eine liberalere Grundhaltung stünden, ablehnen. Als Vergleich zog er die Todesstrafe in Deutschland hinzu – die ist laut hessischem Landesgesetz nämlich noch gültig. Doch das Grundgesetz der Bundesrepublik stehe über Landesrecht und mache den Passus unwirksam, der im Laufe des Jahres übrigens endgültig gestrichen werden soll.



Besucher Dietmar Holzapfel wirft ein, dass die Diskussion beispielsweise über die Reduzierung von Schweinefleisch an Schulen zum Teil auf großes Unverständnis seitens der Bevölkerung stößt. Mohamed Maiga hält entgegen, dass es dabei ein Problem gebe: „Die 99 Prozent schweigende Mehrheit“. Die, die sich zu Wort melden würden, seien schlicht lauter. Er selbst sei bei allen Elternabenden an den Schulen seiner Kinder anwesend, und solch eine Diskussion habe selten stattgefunden.

Gisela Heib aus St. Ingbert fragt nach, wie sich die Vielehe auf das Ausnutzen der deutschen Sozialsysteme auswirke. Der Referent erklärt, dass das deutsche Ausländerrecht lediglich den Nachzug von Ehepartner und minderjährigen Kindern kenne. Das BGB erkenne gleichzeitig nur eine Ehefrau an. Selbstverständlich könne es sein, dass weitere Frauen mitkämen – doch diese müssten einen eigenen Asylantrag stellen. Einem Zuruf, dass es doch den Trick gebe, die minderjährigen Kinder zuerst nach Deutschland zu holen und dann weitere Ehepartner, hielt Maiga entgegen: „Das sind Geschichten, die man hört, die aber nichts mit der Realität zu tun haben.“ Letztlich schloss er mit: „Das Grundgesetz ist nicht opportun – und das ist auch gut so.“

Wie Bürgermeister Michael Adam bereits zu Beginn erläuterte, ist dies die erste einer Reihe von Vorträgen, weitere sollen in unregelmäßigen Abständen folgen.