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Ein weltweit tätiges Unternehmen in Sulzbach
Diese Produkte reisen um die ganze Welt

Geschäftsführer Diethard Jakobs in seinem Sulzbacher Unternehmen.
Geschäftsführer Diethard Jakobs in seinem Sulzbacher Unternehmen. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Die Firmengruppe APM Telescope ist von Saarbrücken nach Sulzbach umgezogen. Blick in ein spannendes Feld der Wissenschaft. Von Patric Cordier

„Der Weltraum. Unendliche Weiten.“ Fans der Film- und Fernseh-Kultserie Star Trek bekommen bei diesen vier Worten bereits Gänsehaut. Dem Weltall ganz nah kommen kann man jetzt aber auch in Sulzbach, denn mit der Firmengruppe APM Telescope hat sich der einzige saarländische Hersteller und Verkäufer von Teleskopen, Ferngläsern, Mikroskopen und astromischem Zubehör in der Salzstadt angesiedelt. Vom Quierschieder Weg aus beliefert das Unternehmen die amerikanische Weltraumbehörde NASA, das europäische Pendant ESA, zahlreiche Universitäten, staatliche Einrichtungen, Sicherheitsdienste aber auch Militär in vielen Ländern der Erde.


„Die Unternehmensgruppe hat einen Jahresumsatz von derzeit rund 10 Millionen Euro, die Hälfte davon wird in Sulzbach generiert“, erklärt Geschäftsführer Diethard Jakobs, und: „Die Tendenz ist steigend, da es immer weniger Wettbewerber gibt.“

16 000 Artikel liegen im Sulzbacher Lager, über 20 000 sind es im Internet-Shop. Von der kleinsten Schraube bis zum größten Teleskop findet man hier alles. Sonderanfertigungen nicht eingerechnet. „Kundennähe ist uns sehr wichtig“, sagt Jakobs und nutzt dabei natürlich auch die modernen Kommunikationswege über das Internet. Die Kunden in aller Welt schätzen die zuverlässige Qualität. „Bei uns geht kein Fernglas für 100 Euro raus, das nicht vorher überpüft wurde“, sagt der 58-Jährige, „bei uns können Kunden Teleskope auch direkt selbst testen.“



Dafür richtet man auf dem Dach eine eigene kleine Sternwarte ein. In der rund 10000 Euro teuren Kunststoff-Kuppel können die Teleskope ausprobiert werden, aber man will damit auch Nicht-Kunden für die Astronomie begeistern.

„Wir arbeiten an einer Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und mit einem Kindergarten. Wir wollen künftig auch immer Führungen und Kurse anbieten“, erklärt  Diethard Jakobs.

Neben den Profis hat man nämlich auch die ambitionierten Amateure im Blick. „Astronomie beginnt mit einem kleinen Rohr, das wird dann immer größer und irgendwann hat man halt so eine Kuppel auf dem Dach“, sagt der Geschäftsführer mit einem Lächeln.  „Einsteigermodelle gibt es ab 500 Euro. Größer, schöner, teurer geht immer. Im Moment ist der Durchschnitt-Hobby-Astronom um die 70 Jahre und schaut noch analog in den Himmel“, erzählt Diethard Jakobs, „aber es wächst eine neue Gruppe heran aus dem Bereich Astro-Fotografie und -Beobachtung, die sehr an Technik interessiert ist.“

Vor 30 Jahre hat Markus Ludes das Unternehmen gegründet, das er als Inhaber heute leitet. Aus dem „Start up“ in einer Scheune ist ein „Branchenriese“ mit 14 derzeit festen Mitarbeitern geworden. „Einiges in der Astronomie gäbe es nicht, wenn es uns nicht gäbe“, verweist Geschäftsführer Jakobs auch auf die Entwicklungsarbeit der Firma, „und in der Szene gilt man ja erst was, wenn die Chinesen einen kopieren.“ Das tun sie, allerdings auf deutlich niedrigerem Qualitätsniveau. Das liegt auch an der globalen Vernetzung von APM Telescopes, das beispielsweise Teile seiner Gläser aus Russland bezieht. „Dort wird noch von Hand geschliffen. Darum wird eine Bestellung, die wir heute rausgeben, wahrscheinlich kaum vor 2020 geliefert.“

Warum ein Weltunternehmen Saarbrücken verlässt und sich für den Standort Sulzbach entscheidet, hat viele Gründe. Die Nähe zu Logistik-Unternehmen, die kommende Glasfaser-Anbindung ans Internet, das ideale Gebäude eines früheren Pharmaherstellers gehören ebenso dazu wie die vergleichsweise geringe Gewerbesteuer und die Unterstützung der Verwaltung.

Die APM-Produkte aus Sulzbach gehen um die ganze Welt und eröffnen damit Einblicke „in Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“ - oder zumindest noch nicht so oft.