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Das Sulzbacher Kellertheater spielt Jerry Cotton. Ein Probenbesuch

Vorbericht : Was weiß die irre Obdachlose, was der Astrologe?

Das Sulzbacher Kellertheater spielt Jerry Cotton. Ein Probenbesuch in der Jahnturnhalle. Es gibt schon Zusatzvorstellungen.

Eine ermordete Frau? Für amerikanische Verhältnisse nichts Besonderes. Als aber immer mehr entsetzlich zugerichtete Leichen gefunden werden, gerät das FBI unter Druck. Rasch realisieren die beiden Agenten Jerry Cotton und Phil Decker, dass sie es mit einem Serienkiller nach Londoner Vorbild zu tun haben. Allerdings wimmelt es nur so von zweifelhaften Gestalten, die alle hochgradig verdächtig sind, was die Aufklärung der Verbrechen nicht eben leichter macht.

Was verheimlichen die Mädels aus dem Rotlichtmilieu? Was weiß die irre Obdachlose, was der fragwürdige Astrologe? Ist der aggressive Freier, den alle nur den „Colonel“ nennen, eines Mordes fähig? Oder fielen die Frauen dem dubiosen Italiener Roberto Castigliani zum Opfer?

Wie die Ermittler im New York des Jahres 1963 immer tiefer in einen Sumpf von Korruption, Prostitution und Gewaltverbrechen tauchen, das bringt jetzt das Sulzbacher Kellertheater auf die Bühne. Dort tummelten sich in den vergangenen Jahren zwar schon allerhand Kommissare und Inspektoren, aber der Held einer Groschenromanserie war noch nicht dabei.

Die Jerry-Cotton-Heftchen erscheinen seit 1954 und zählen zu den kommerziell erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum. Kann man ein Stück auf der Basis von Trivialliteratur überhaupt ernst nehmen? Muss da nicht zwangsläufig eine trashige Komödie draus werden? Nein, beteuert Regisseur Enrico Tinebra, der die Vorlage leicht gestrafft hat: Sprachlich bewege sich das Ganze auf ansprechendem Niveau, zumal der Zweiakter nicht auf einem der Heftchen basiere, sondern von Autor Frank Tannhäuser neu verfasst (und 2015 von ihm selbst im Hamburger Imperialtheater uraufgeführt) worden sei.

Ganz offenbar trifft das Kellertheater mit seiner abwechslungsreichen Repertoire-Politik den Nerv seines Stammpublikums: Nach Komödien wie „Der Vorname“ und „Dänische Delikatessen“ oder dem anspruchsvollen Drama „The King’s Speech“ durfte es nun getrost wieder ein Krimi sein. Und wie in den vergangenen Jahren ist auch diesmal schon Wochen vor der Premiere alles ausverkauft.

„Jerry Cotton jagt den New York Ripper“ folgt dem klassischen spannenden „Whodunit“-Prinzip. Heißt: Man fiebert von vorn bis hinten mit, weil sowohl die Polizei wie die Zuschauer bis zum Ende im Dunklen tappen. Schaurig wird’s allerdings nicht nur wegen der „hohen Mordrate“ (Tinebra), sondern auch wegen der Kulissen – die düstere Canal Street in der Bowery ist keine Gegend, wo ein vernünftiger Mensch sich freiwillig aufhalten würde. „Mein Sohn hat sich in der Probe arg gegruselt“, erzählt Tinebra; insofern empfiehlt er eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren.

Mit drehbaren Bühnenelementen und wechselndem Licht setzt das Kellertheater die verschiedenen Schauplätze wie Kanalisation, Straßenstrich und FBI-Büro stimmungsvoll in Szene; die Umbauten finden auf offener Bühne statt.

Ein Amateurensemble wie das alteingesessene Kellertheater (das sich nach seiner ehemaligen Spielstätte im Klosterkeller benannt hat) ist darauf angewiesen, dass ein Stück nicht nur dem eigenen Anspruch genügt, sondern auch machbar ist – vor allem, was die Besetzung angeht. Insofern war „Jerry Cotton jagt den New York Ripper“ ein Glücksfall, weil hier alles passte. Nur eine Figur haben die Kellertheatraliker dazu erfunden, was jedoch dramaturgisch Sinn macht und eine ironische Distanz schafft: Einige Textpassagen Cottons wurden auf einen Kioskbesitzer übertragen, der von seinem Zeitungshäuschen aus als Erzähler fungiert.

Premiere am Samstag, 14. März, 20 Uhr, Jahnturnhalle, Schnappacher Weg 30. Die Premiere und alle regulären Vorstellungen sind ausverkauft. Karten sind noch für die Zusatzvorstellungen am 2., 8., 9. und 16. Mai, jeweils 20 Uhr, erhältlich. Für die Nachmittagsvorstellung am Sonntag, 5. April, 15 Uhr, gibt es noch wenige Karten. Vorverkauf im Geschenkhaus Licht, Sulzbachtalstraße 61 in Sulzbach oder unter www.sulzbacher-kellertheater.de im Internet.