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Mission erfüllt
Die Mission „Grundversorgung“ ist voll erfüllt

Das Kleider-Eck in Sulzbach ist ab sofort geschlossen. Die Restbestände packten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - als da sind Roshin Mohamed, Guido Schneider, Monika Lauck, Lore Frölich und Hermine Schneider (von links) in Kisten für den Versand nach Rumänien.
Das Kleider-Eck in Sulzbach ist ab sofort geschlossen. Die Restbestände packten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - als da sind Roshin Mohamed, Guido Schneider, Monika Lauck, Lore Frölich und Hermine Schneider (von links) in Kisten für den Versand nach Rumänien. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. „Kleider-Eck“ im Kirner-Eck schließt nach drei Jahren Versorgung von Flüchtlingen und sonstigen Bedürftigen.

„Konferenzraum“ steht an der Tür, und „Vorsicht Stufe“. Tatsächlich sind es sogar zwei Stufen, die man im schlechtesten Falle hinunter purzelt, wenn man den gar nicht so großen Raum im Erdgeschoss des ehemaligen Hotels Kirner Eck betritt. Konferiert wird hier schon lange nicht mehr. Ein Jahr lang fungierten die 100 Quadratmeter als Mini-Kaufhaus. Eines, wo man nichts bezahlen muss – auch keinen symbolischen Betrag: „Armen Leuten hol’ ich noch nicht mal einen Euro ab“, betont Guido Schneider. Zusammen mit Ehefrau Hermine, einer gelernten Herrenschneiderin, betreute er seit der Eröffnung im Dezember 2015 das „Kleider-Eck“, das anfangs in dem inzwischen zur City-Wache umfunktionierten Teil des Gebäudekomplexes untergebracht war.


Es war, und daran lässt der 69-Jährige nicht den Hauch eines Zweifels, eine prima Zeit. „Das ganze System hat gestimmt, von oben nach unten. Egal wer, man ist mit jedem klar gekommen. Uns wurde geholfen um zu helfen – ohne Bürokratie, unkompliziert, mit Handschlag. Das ist herrlich, ich kann gar nicht glauben, dass es so gelaufen ist.“ Von Abschiedsschmerz gebeutelt wirkt der ehemalige Gebietsleiter von Neckermann/Quelle nicht, eher zufrieden und dankbar. Das Aus kommt ja auch nicht aus heiterem Himmel. Geplant waren ursprünglich 24 Monate. Die habe man schon gut überzogen um ein Dreivierteljahr.

Es ging der Stadt damals primär um die Grundversorgung der Flüchtlinge. Am Ende war es aber deutlich mehr: „Wir haben dafür gesorgt, dass jeder alles hat.“ Bis hin zum Blutdruckmessgerät. Bedarf sei, jedenfalls bei der einstigen Zielgruppe, kaum noch vorhanden: „Nachher kamen immer wieder dieselben“, aber „die haben die Schränke zu Hause voll“.



Dem Besucher bietet sich ein Bild der Auflösung: leere Regale, in einer Ecke stapeln sich Kisten für die Rumänienhilfe. Den Rest Kartons zerlegt Helferin Monika Lauck systematisch in handliche Pappschnipsel. Auf der langen Tafel stehen benutzte Gläser und Tassen. Gestern habe man Abschied gefeiert, erzählt Schneider. Sieben „fleißige Helfer“, darunter fünf Syrer, wirkten kontinuierlich mit, daneben viele andere, die hier mal anfassten und dort mal ihr Auto zur Verfügung stellten, um Lattenroste und Kühlschränke, Sofas und Fahrräder her zu transportieren. „Wir hatten zwei Monate geöffnet, da kam eine Syrerin: Sie wolle helfen. Die konnte kein Deutsch.“ Seitdem gehörte sie zum Team. Inzwischen kann sie sich gut verständigen und hat eine Stelle als Kinderbetreuerin, freut sich Guido Schneider.

Loswerden will er vor allem einen Haufen Dankeschöns. Natürlich an Bürgermeister Michael Adam und den Stadtrat, die dafür sorgten, dass man hier miet- und nebenkostenfrei logieren konnte. Vor allem aber an die vielen engagierten Bürger, die irre viel Kleidung vorbei brachten, darunter hochwertige Markenartikel, und monetär aushalfen. Etwa jene anonym bleiben wollende Sulzbacherin, „die immer Geld brachte, wenn was gefehlt hat“. Regelmäßig habe es an großen Töpfen gemangelt. „So konnten wir dann gleich zehn Stück auf einmal kaufen.“ Löffel seien auch immer gut gegangen („da war nix mit Messern und Gabeln“), genau wie große Bratpfannen und Bettzeug, nennt Schneider weitere Beispiele.

„Am Anfang haben wir jeden Tag 20 blaue Müllsäcke voll mit Sachen bekommen. Wir wussten gar nicht mehr wohin damit.“ Wenig war dabei, was man aussortieren musste. Auch die Regale, Kleiderbügel und -ständer sind Spenden gewesen. „Da hat ein Anruf genügt und es hieß: Guido, wir bringen dir was.“ In Spitzenzeiten „kauften“ hier 60 bis 80 Kunden ein. Zunächst an drei Tagen die Woche, später nur noch zwei Mal. Und nun ist es rum.

Was bleibt, sind viele neue Freundschaften. Und der DJK Tanzkreis Sulzbachtal, den Schneider vor neun Jahren mitgründete. Ansonsten hält das Paar jetzt mal bis Jahresende den Ball flach. Dann wollen sie wieder geben: Einmal wöchentlich im örtlichen Seniorenheim Zeit spenden und Mitmenschen froh machen, lautet der Plan. „Wir waren immer auf der Glücksseite“, betont Guido Schneider. Da sei es doch selbstverständlich, etwas „zurück zu geben“.

(nig)