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Charakteristisch ist das oft starke Aroma

Sulzbach. Bier ist nicht gleich Bier. Die Vielfalt ist beachtlich, wobei die Craft-Biere doch gehörig aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Eine Verköstigung mit solchen Produkten war in Sulzbach angesagt. Patric Cordier

Biersommelier Andreas Blasius hatte jüngst mal wieder ins Salzbrunnenhaus eingeladen. Der Experte brachte einen ganz besonderen Vortrag über und mit ganz besonderen Gerstensäften mit. "Es geht um Craft-Biere", erklärte Blasius und nannte seine Definition dieser neuen Bier-Bewegung: "C von Creativity also Kreativität, R wie Radikalität, A wie Abwechslung, F wie Feuer und Begeisterung und schließlich T wie Talent." Craft-Biere sind sehr hochwertige und traditionell hergestellte Produkte. Aber sie sind nicht immer nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, das seit 1516 die Inhaltsstoffe des "deutschesten" aller Getränke regelt. So hat Braumeisterin Irina Zimmermann mit Kaffeebohnen im Brauvorgang experimentiert. Herausgekommen ist ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis, das aber nicht alle der 30 Teilnehmer überzeugte. "Das ist auch nicht der Anspruch der Braumeister", erklärt Blasius, "sie wollen nicht dem Mainstream gefallen. Sie stehen für ihr Produkt und haben ihre spezielle Zielgruppe."

Die Hauptstadt der deutschen Craft-Bier-Bewegung ist mittlerweile Berlin, doch auch im Saarland gibt es mutige Brauer. B(r)auhof/Flamm Bräu aus Saarbrücken St. Arnual war deshalb gleich mit zwei Bieren am Start. Beim "Blood Orange Pale Ale" haben die Macher zu 200 Liter Maische 120 Kilo Blutorangen gemischt, bei "Rasperry Indian Pale Ale" sind es frische Himbeeren. Charakeristisch für Craft-Biere ist das oft starke Aroma. Doch nicht alle können auf der Zunge das halten, was sie der Nase versprechen. Der "Feuchte Traum" der Riedenburger Kreativbrauerei Kehrwieder riecht wie eine sommerliche Blumenwiese. Dafür ist der erntefrische Hopfen verantwortlich, der nur wenige Stunden nach der Ernte noch feucht verarbeitet wird. Der Probierschluck dagegen wirkt eher dünn. Anders das "Drunken Sailor" der Crew Republik. Das blumige Hopfenaroma des "betrunkenen Seemanns" weckt Vorfreude auf den ersten Schluck, der wirkt recht süß. Doch dann kommt das herrlich erfrischende Bittere im Abgang.

"Bier macht nicht dick", bewies Sommelier Blasius dann anhand einer Studie, "dick macht nur, was man zum Bier isst." Aber genau das Zusammenspiel von Essen und Trinken sorgt manchmal für Geschmacksexplosionen. Frische hausgemachte Nussecken mit einem kräftigen Schluck "Meine Hopfenwiese" aus dem Hause Schneider Weiße sind ein Erlebnis. Bei 8,2 Volumenprozent Alkohol allerdings auch ein gehaltvolles.

Gute Nachricht für Bierfreunde: Alle zehn Biere gibt es in den kommenden Wochen im Salzbrunnen Carée zum Probieren. Und im Herbst wird Andreas Blasius wieder nach Sulzbach kommen.