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Sich vertraut machen mit Pflegeberufen

Füttern, wie in dieser Szene, gehört für Altenpfleger zum Berufsalltag.
Füttern, wie in dieser Szene, gehört für Altenpfleger zum Berufsalltag. FOTO: dpa / Holger Hollemann
Sulzbach. In einer Gemeinschaftsveranstaltung wurden vor allem Neubürger über berufliche Chancen informiert. Von Anja Kernig

Es mutete ein wenig wie ein Ufo an, dieses Pflegebett – im historischen Salzbrunnenhaus. Dabei passte es natürlich zum Thema dieser vom Caritasverband initiierten Gemeinschaftsveranstaltung, die geflüchteten Neubürgern Pflegeberufe ans Herz legen wollte. Doch so sinnhaft das Spezialbett für Demonstrationszwecke ist, so zwiespältig dürfte es auf einige der Besucher gewirkt haben. Denn Pflege, körperliche Pflege, spielt sich in ihrer Heimat im Familienkreis ab. Waschen, Essen anreichen, windeln – all das übernehmen gerade in Syrien die Verwandten. Pflegefachkräften ist dort mehr der medizinische Part vorbehalten, wie Infusionen verabreichen, Medikamente ausgeben, Verbände anlegen.


Dazu kommt die Geschlechterdifferenzierung: „Männer fassen keine Frauen an, Frauen keine Männer“, weiß Organisatorin Stefanie Schmidt. Gleichwohl hatte sie mit etwa 80 Teilnehmern gerechnet. Wirklich gekommen waren 30. Ein etwas enttäuschendes Ergebnis. „Vielleicht ist es die Angst vor der Pflege“, spekulierte die Caritasmitarbeiterin. Immerhin konnte sie ein paar völlig neue Gesichter ausmachen, und wie sich zeigte, entschieden sich einige der Anwesenden tatsächlich für eines der vielen beworbenen Angebote.

„Ein Superprojekt“ hatte beispielsweise Eleonore Schmittberger von der Arbeiterwohlfahrt in petto: den Bundesfreiwilligendienst für Geflüchtete. „Bei uns können sie den Arbeitsalltag kennenlernen“, inklusive Pausenregelung, Arbeitszeitmodellen, Krankmeldungssystem und so weiter. Das sei „nicht immer einfach, aber immer lehrreich“. Das Konzept sei sehr erfolgreich, weil es Arbeit und Spracherwerb je halbtägig kombiniert. „Diese Lösung gibt es nur im Saarland“, weiß Eleonore Schmittberger und ist darauf auch ein wenig stolz. 200 Euro netto mehr bringt dieses Orientierungsjahr den Teilnehmern im Monat, dazu können sie in den Awo-Einrichtungen essen. Seit zweieinhalb Jahren läuft das Projekt, die Erfahrungen sind rundum positiv: „Es gibt den geflüchteten Frauen und Männern einen richtigen Schub.“



Wer bereits eine fachliche Ausbildung mitbringt, muss ein Anerkennungsverfahren inklusive Gleichwertigkeitsprüfung durchlaufen. Diese Personen betreut Gudrun Maas, Qualifizierungsagentin der Awo. 40 internationale Pflegekräfte nutzen derzeit die zwei Jahre dauernde „Qualifizierungsbegleitung“, die ebenfalls das Erlernen der deutschen Sprache beinhaltet. „Die ersten zwei Teilnehmer haben jetzt abgeschlossen.“

Gute Anschlussperspektiven bietet auch Greta Beck von der Diakonie Saar mit „ihrem“ Projekt Impuls. Dabei handelt es sich um eine zwölfmonatige Maßnahme in Vorbereitung auf eine Ausbildung, bei der mehrere Praktika im Bereich Alten- und Krankenpflege verpflichtend sind. Dazu kommen etliche flankierende Seminare, etwa Konflikttraining, Gesprächsführung oder Bewerbertraining. Voraussetzungen sind der Abschluss eines B1-Sprachkurses und ein anerkannter Schulabschluss. Wer durchhält, verfügt nach dem Jahr über ein tragfähiges Fundament – „entweder einstöckig für eine Helferausbildung oder dreistöckig für eine Fachausbildung in der Pflege“. 17 Menschen aus Russland, Ungarn, Thailand, dem Irak und Eritrea nehmen aktuell teil. Am 1. Oktober beginnt wieder ein neuer Kurs.

Wer wollte, konnte an diesem Nachmittag auch mal in die Haut eines betagten Menschen schlüpfen, eine Spezialbrille und ein entsprechender Anzug ermöglichten diesen für manche erschreckenden Aha-Effekt. Dazu bestand die Chance, technische Hilfsmittel aus der Pflegepraxis in berufstypischen Szenen zu erproben. „So eine Infoveranstaltung muss sich erst mal etablieren“, waren sich die Beteiligten einig. Der Anfang ist gemacht.