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Leser-Reporter
Braucht Dudweiler einen eigenen Notdienst?

Welche saarländische Apotheke unter der Woche und an Sonntagen geöffnet hat, wird nach einem bestimmten Turnus entschieden. So kann es vorkommen, dass Apotheken in Dudweiler keinen Wochenenddienst haben.
Welche saarländische Apotheke unter der Woche und an Sonntagen geöffnet hat, wird nach einem bestimmten Turnus entschieden. So kann es vorkommen, dass Apotheken in Dudweiler keinen Wochenenddienst haben. FOTO: dpa / Uli Deck
Dudweiler. Für Leserreporter Erwin Backes wäre diese Idee nur logisch. Denn selten hat eine der acht Apotheken am Sonntag geöffnet. Von Stephanie Schwarz

Wenn die Erkältung kommt oder die Schmerzen in der Nacht oder an Sonntagen zu groß werden, dann bleibt nur der Gang zum ärztlichen Bereitschaftsdienst. Wenn der Arzt dann die notwendigen Medikamente verschrieben hat, bleibt für viele Patienten noch ein Problem zu klären: Wo ist die nächste Apotheke, die an diesem Tag Notdienst hat? Und warum kann nicht einmal die Apotheke im eigenen Ort offen sein?


SZ-Leserreporter Erwin Backes aus Dudweiler war erst kürzlich in einer solchen Situation. Und musste enttäuscht feststellen, dass die einzige offene Apotheke rund 20 Kilometer entfernt war. „In Dudweiler gibt es acht Apotheken. Sechs davon liegen in einem 100-Meter-Radius um den Marktplatz und keine war an einem Sonntag geöffnet“, sagt Backes verärgert.

Betroffene aus Dudweiler müssten in einem Notfall Apotheken in Saarbrücken oder der Umgebung aufsuchen. Das ist für den SZ-Leser jedoch ein unnötig weiter Weg in Anbetracht der hohen Zahl an Apotheken im Ort. Sein Vorschlag: „Warum schließen sich die Apotheken in Dudweiler nicht zusammen und bauen einen eigenen Notdienst auf?“. Immerhin sei Dudweiler ein Stadtbezirk mit rund 30 000 Einwohnern und habe hier somit einen erhöhten Bedarf.



Für eine solche Idee spreche auch der zusätzliche Umsatz, den die Apotheken an jedem Wochenende mit einem Notdienst generieren könnten, sagt Backes weiter. „Bundesweit wettern Apotheken gegen die Internet-Apotheken und jammern über Umsatzverluste durch diese Geschäftsform. Nur über andere Öffnungszeiten kann man Umsätze generieren“, argumentiert der Mann. Damit ist die Sache für ihn klar: Dudweiler sollte an jedem Wochenende einen eigenen Apotheken-Notdienst stellen.

Ganz so einfach sei dies jedoch nicht, erklärt Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekenkammer des Saarlandes: „Ein Notdienst ist für Apotheken keine zusätzliche Einnahmequelle, sondern eine Belastung und Verpflichtung.“ Die Kollegen müssten den ganzen Tag und die ganze Nacht geöffnet haben und oftmals kämen nur wenige Menschen in diesem Zeitraum. „Mit 20 Leuten am Tag macht eine Apotheke keinen zusätzlichen Umsatz“, sagt Wohlfeil.

Warum nicht an jedem Wochenende in Dudweiler eine der acht Apotheken geöffnet sei und so den Stadtbezirk mit Medikamenten versorgen könne, erklärt Wohlfeil mit dem verpflichtenden Apotheken-Turnus. Konkret heißt das: „Alle Apotheken im Saarland müssen in einem bestimmten Turnus Notfalldienste übernehmen.“ In Saarbrücken sei dies – auf Grund der hohen Anzahl an Apotheken – ein 30-Tage-Turnus. In den restlichen Städten müssten die Apotheken alle 15 Tage ran – da dort die Zahl relativ niedrig ist.

Dieser Turnus bezieht sich jedoch nicht nur auf die Wochenenden, sondern auch auf die Werktage. So könne es zum Beispiel vorkommen, dass in einem Monat der Notdienst der Apotheken in Dudweiler nicht auf ein Wochenende, sondern in die Woche fällt. Und Betroffene an den Wochenenden von Dudweiler nach Saarbrücken oder St. Ingbert fahren müssen. Bis zu 20 Kilometer zur nächsten Apotheke seien in Ordnung, sagt Wohlfeil: „Eine Vorgabe des Bundesgesundheitsministeriums gibt an, dass man Menschen eine Strecke von zehn bis 20 Kilometern zumuten kann.“ Problematisch sei dies für Hartz-IV-Empfänger oder generell Personen ohne Auto, aber im Saarland ginge es nun mal nicht ohne motorisiertes Fortbewegungsmittel, sagt Wohlfeil weiter.

Also warum nicht gleich die benötigten Arzneimittel im Krankenhaus oder vom Bereitschaftsarzt erhalten? Auch hier gibt es Vorschriften, die dies verhindern, erklärt Wohlfeil: „Ärzte dürfen rechtlich keine Arzneimittel ausgeben und damit Geld verdienen.“ Ein weiterer Aspekt: Ärzte würden sich mit Krankheiten auskennen, aber aus gutem Grund die Ausgabe der Arznei den Apothekern überlassen, denn: „Ein Apotheken-Lager hat rund 8000 Medikamente. So viel könnte keine Arztpraxis aufnehmen.“

Am vergangenen Samstag, 23. Juni, hatte die Marien Apotheke ihren turnusmäßigen Notdienst. Am Samstag, 30. Juni, ist die Apotheke Klein am Markt (Saarbrücker Straße) in der Pflicht, den Notdienst zu übernehmen. Auch zukünftig müssen Betroffene in der Nacht und an Wochenenden zur nächst geöffneten Apotheke eine Strecke von bis zu 20 Kilometern in Kauf nehmen. Wohlfeil fügt hinzu: „Nicht nur in Saarbrücken finden sich Notdienst-Apotheken. Auch im Osten, beispielsweise in St. Ingbert, gibt es Notdienste. Und das ist für Menschen in Dudweiler oftmals näher als Saarbrücken-Mitte.“

Weitere Informationen zu den Apotheken-Notdiensten unter
http://www.apothekerkammer-saar.de/Notdienst.html