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Bänke, Eulen und eine Waldfee mit Geweih

Bänke, Eulen und eine Waldfee mit Geweih

Die dritte Auflage der Veranstaltung mit Namen ,,Spänefliegen“ war von Erfolg gekrönt. Diesmal machten sich 15 Kettensägenkünstler ans Werk, sehr zur Freude der vielen Besucher am IPA-Heim in Neuweiler.

Jan Klein liegt in Schutzkleidung am Boden, eine Atemmaske gibt zusätzliche Sicherheit. Er schaut sich sein Werkstück an, nickt konzentriert, zeichnet mit einem Stift einige Konturen an und packt seine Kettensäge. Dann lässt er die Späne fliegen. Der Mann aus Quirnbach ist einer von 15 Kettensägenschnitzern, die am Sonntag und Montag das Waldstück hinter dem Sulzbacher IPA-Heim in Neuweiler mit kreischendem Geräusch und zahlreichen Besuchern füllen. Er selbst zaubert aus einem mannshohen Stück Eiche eine kleine Serpentinen-Landschaft, die mit Bäumen verziert ist.

Auf dem Sockel entsteht ein Gebäude, das einem Hexenhaus ähnelt. Einen Stand weiter überzeugt Sonja Krämer aus Illerich (Landkreis Cochem-Zell) mit Werkstücken, aus denen sie filigran Gesichtszüge von Hunden oder einem Adler mit zwei Jungtieren herausarbeitet. Ein weiteres Kunstwerk zeigt zwei Erdmännchen, die an einem Stamm sitzen, auf dessen Kopfende sich eine Kobra umschaut.

Keine Frage: Die dritte Ausgabe von "Spänefliegen" ist wieder ein Erfolg. Das sieht auch Andreas Müller so. Der Kettensägen-Künstler aus Neuweiler ist einer der Hauptorganisatoren, "zuständig für die Schnitzer", wie er selbst sagt. Das große Besucher-Aufkommen schon am Sonntagmittag freut ihn, Glück mit dem Wetter hatte man. "Für die Schnitzer ist es fast schon zu warm", fügt er schwitzend hinzu. Sein Hauptthema sind die Tiere. Dementsprechend wollte er beim Speed-Carving am gestrigen Montag auch einen Tibet-Terrier schnitzen. Das sei innerhalb von 30 Minuten relativ einfach zu bewerkstelligen. Ein großes Lob spricht er für die rund 20 freiwilligen Helfer aus, die bei der Organisation halfen und auch während der Veranstaltung selbst mit Hand anlegten.

So schleppen sie immer wieder Baumstämme von einer Ebene auf die andere. Andere helfen beim Getränkeausschank am IPA-Heim, wo die Besucher sich gemütlich auf die Bänke setzen und das sonnige Wetter genießen. Nur am Montag schauerte es bis den Mittag hinein. Zwischendurch machen sich die Schnitzer immer wieder mit einem Pressluftgerät sauber, entfernen die Sägespäne von ihrer Kleidung. Wem das Säge-Getöse zu laut war, für den hatten die Helfer Ohrstöpsel parat. Die Werkstücke konnten auch gleich ersteigert werden. Vier große Bänke wurden ebenfalls geschnitzt. Der Erlös eines der massiven Sitzmöbel geht an das Kinderhospiz in Neunkirchen.

Die gute Atmosphäre der gelungenen Veranstaltung am Waldrand der Salzstadt spricht sich überregional herum. Künstler aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind da, stellen ihre Wildschweine, Totenköpfe, Schildkröten oder Eulen aus.

Eine echte Eliteschnitzerin kommt aus Franken, wie man ihrem Dialekt entnehmen kann. Res Hofmann stammt aus der Nähe von Bamberg und kettenschnitzt seit etwas mehr als zwei Jahren. Vorher habe sie mit der Hand geschnitzt, "aber das hat mir zu lange gedauert", erzählte sie.

 Bernhard Neises (rechts) und Balazs Turan schnitzen eine außergewöhnliche Sitzbank, die zugunsten des Kinderhospiz Neunkirchen versteigert werden soll. Fotos: Thomas Seeber
Bernhard Neises (rechts) und Balazs Turan schnitzen eine außergewöhnliche Sitzbank, die zugunsten des Kinderhospiz Neunkirchen versteigert werden soll. Fotos: Thomas Seeber

Bei einem Weihnachtsmarkt sah sie dann zum ersten Mal das Motorsägenschnitzen und war sofort begeistert. Ihr Mann schenkte ihr einen Gutschein für einen Kurs - seitdem ist sie voll in ihrem Element, lebt mittlerweile gar von ihrer Kunst. Die gelernte Krankenschwester schnitzte als großes Stück eine Waldfee, der sie noch ein echtes Geweih an den Kopf anschraubte. Beim Speed-Carving ging ihr ein Rabe mit Hut leicht von der Hand. "Weil er einfach witzig ausschaut", sagte sie und schmunzelte.