Bäckerei Schmitt in Sulzbach: Vorwürfe von NGG wegen Arbeitsrecht

Kostenpflichtiger Inhalt: Schwere Vorwürfe der Gewerkschaft : Sulzbacher Bäckerei Schmitt ist Monate im Lohnverzug

Gewerkschafter Mark Baumeister: Rückstände bei Gehalt, dafür Prämien bei Austritt aus der Gewerkschaft. Arbeitgeber widerspricht: „Wir tun alles, um diese Firma fortführen zu können.“

Die Vorwürfe wiegen schwer: Da ist von ausstehenden Löhnen die Rede, im Gegenzug von Prämien seitens des Arbeitgebers, wenn Mitarbeiter der Gewerkschaft den Rücken kehren. Zudem soll der Belegschaft während einer Versammlung mit Insolvenz gedroht worden sein, sollten sie auf die Nachzahlung ihres ausbleibenden Verdienstes bestehen. Harter Tobak, mit dem Mark Baumeister da auffährt.

Der Saar-Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) schäumt regelrecht vor Wut, wenn es um die aus seiner Sicht arbeitsrechtlich unzumutbaren Bedingungen bei der Bäckerei L. Schmitt in Sulzbach-Altenwald geht. So wirft der Gewerkschafter dem Unternehmer vor: „Lohnforderungen werden über Monate nicht erfüllt.“ Deshalb liefen bereits einige Prozesse vor dem Arbeitsgericht. Und es kämen immer neue hinzu. Das stelle die Mitarbeiter vor „massive Probleme“. So könnten viele „ihre Verpflichtungen wie Miete und Lebensunterhalt kaum noch bestreiten“. Die Bäckerei „ihr Geschäft auf dem Rücken der Beschäftigten. Das ist eine bodenlose Sauerei“, schimpft Baumeister.

NGG-Saar-Geschäftsführer Mark Baumeister. Foto: BeckerBredel/BeckerBredel Fotografen

Irritiert über so viel Argwohn seitens der NGG zeigt sich hingegen der Leiter des Familienunternehmens, Andreas Schmitt. Zwar bestätigt er „eine Vielzahl von Gerichtsverfahren“ die vor dem Arbeitsgericht geführt würden. Allerdings soll es sich hierbei um Fälle handeln, die mit seinem zweiten Betrieb verbunden sind: um Schmitts rollende Snackbetriebe UG & Co. KG. Sie soll unter anderem Lieferdienste der Bäckerei übernommen haben und habe mittlerweile nach Insolvenz auf Antrag einer Krankenkasse ihr Geschäft eingestellt. Entsprechend gesetzlicher Vorschriften sei die Arbeitsagentur dafür zuständig, Insolvenzgeld an die betroffenen Mitarbeiter zu zahlen.

NGG-Geschäftsführer Baumeister widerspricht dieser Darstellung und verweist auf aktuelle Arbeitsprozesse: „Wir haben durchaus den richtigen Arbeitgeber benannt.“ Dabei handle es sich um die in der Kritik stehende Bäckerei L. Schmitt Brot- und Feinbäckerei e.K..

Inhaber Andreas Schmitt sieht sich indes in der Opferrolle. „Wir tun alles, um diese Firma fortführen zu können“, teilt er in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Damit entgegnet er, wie von der NGG behauptet, Schmitt habe Druck auf die Mitarbeiter ausüben wollen. „Ich habe während einer Betriebsversammlung nicht damit gedroht, Insolvenz zu beantragen, wenn es bei den Lohnforderungen der Mitarbeiter bleibt.“ Unterdessen reagiert Baumeister: „Ich rate den Mitarbeitern dringend, ihre Ansprüche geltend zu machen.“

Gleichzeitig biete die NGG, wie alle Gewerkschaften, Rechtsschutz an. Umso übler stößt es Baumeister auf, dass der „Arbeitgeber den Beschäftigten nach NGG-Informationen nun eine Prämie von 100 Euro anbietet, wenn sie aus der Gewerkschaft austreten“. Dies zu tun, darin sieht Schmitt jedoch keine Bewandtnis. Denn nach seiner Erkenntnis „werden die wenigsten Mitarbeiter in Rechtsstreitigkeiten durch die Gewerkschaft vertreten, sondern durch freie Rechtsanwälte“, lässt er wissen. So habe er den „Mitarbeitern kein Geld dafür geboten, dass sie aus der Gewerkschaft austreten“. Er habe dementsprechend „an keiner Stelle einen Betriebsrat ‚nicht zugelassen’“. Gegenteiliges behauptet indes auch ein Angestellter des Unternehmens gegenüber der SZ – unabhängig von der Gewerkschaftsdarstellung.

Nur in einer Sache sind sich NGG und Unternehmer eins: Übereinstimmend geben sie an, dass der Sulzbacher Betrieb nicht der saarländischen Bäckerinnung angehört. Schmitt zu den Gründen: „Entgegen der NGG, welche gute Arbeit leistet, vertritt die Innung meine Interessen nicht so, wie ich es mir wünsche.“

Trotz der Charmeoffensive im Nebensatz des Bäckereichefs in Richtung Gewerkschaft, bleibt Baumeister hart: Seit Monaten ersuche er „erfolglos, in jedem Einzelfall eine gütliche Einigung mit dem Arbeitgeber herzustellen“. Er rät dem Unternehmer, „sich Hilfe zu holen, bevor der Betrieb komplett gegen die Wand fährt“.

Schmitt hat nach eigenen Angaben bis heute an der Insolvenz seiner zweiten Firma zu tragen. Denn über die Eröffnung eines entsprechenden Verfahrens sein bislang nicht entschieden. Zur Schieflage habe ein Raubüberfall beigetragen, der einen Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich anrichtete. Zuvor waren schon vier Verkaufswagen ausgebrannt. Der Schaden hier: sechsstellig. Die Versicherung weigerte sich bislang, in die Bresche zu springen.

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