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Ehefrau erzählt
Aus dem Leben eines Bademeisters

Schwimmmeister Horst Diehl im Gespräch mit Badegästen.
Schwimmmeister Horst Diehl im Gespräch mit Badegästen. FOTO: Stefan Bohlander
Dudweiler/Sulzbach. Ingeborg Diehl berichtet über ihren verstorbenen Mann Horst und sein Wirken in unserer Region. Von Stefan Bohlander

(bo)  Als man Mitte Juli beim Sulzbacher Erzählcafé über die ehemaligen Schwimmbäder in der Salzstadt plauderte, kamen bei einer Besucherin ganz besondere Erinnerungen hoch. Kein Wunder: Hatte Ingeborg Diehl schließlich zeitweise auf dem Gelände des damaligen Sulzbacher Freibades gewohnt. Zudem war ihr Mann Horst staatlich geprüfter Schwimm- und Saunameister und arbeitete dort viele Jahre lang, wie die fast 88-Jährige erzählt.



„Wer einen Leistungsschein der DLRG hatte und sportlich war, wurde in den Sommermonaten eingestellt“, erinnert sie sich zurück. Das traf auf Horst Diehl zu, und so wurde er 1950 mit 21 Jahren bei der Stadt Sulzbach angestellt. Ab 1945 war er als Bergmann tätig. Das habe Essen, Kohle und eine gute Bezahlung gegeben – doch es war nicht gut für die Gesundheit. Deswegen schaute er sich nach einer anderen Arbeitsstelle um und wurde im Bad fündig. Von diesem Zeitpunkt an sei er auch sehr engagiert bei der örtlichen DLRG-Gruppe gewesen, wo er 1950 eintrat. Den Grundschein machte er 1951, den Leistungsschein ein Jahr später und den Lehrschein schließlich 1954. Sportabzeichen-Prüfer wurde er 1967.

Den ersten von drei Söhnen bekam das junge Paar 1956. Ein Jahr später zog Familie Diehl schließlich in das Haus des Sulzbacher Freibades, dort, wo sich heute das ASV-Gelände befindet. Es handelte sich dabei um eine alte Wehrmachtsbaracke, wie sie sagt. Das Haus mit Steinsockel und Holzfassade habe sich in keinem allzu guten Zustand befunden. „Es war alles am Boden“, denkt sie an die Nachkriegszeit zurück. Die Bauwelle in den Jahren des Wirtschaftswunders sollte erst noch folgen.

Es war die Zeit, in der das Personal die Kleidung aus den etwa zehn Einzelkabinen noch persönlich annahm, um sie während des Bad-Besuches aufzubewahren. Mitte der 60er wurde alles abgerissen. Unter anderem wurde dann ein neues Becken für das Bad eingesetzt, und Familie Diehl bekam für ihr Haus einen neuen Anstrich. Die unverkrampfte Art ihres Mannes sei bei Jung und Alt sehr gut angekommen. „Ich werde heute noch von Männern, die damals Kinder waren, auf ihn angesprochen“, sagt Ingeborg Diehl.

Doch es waren nicht immer nur Spaß und Frohsinn angesagt. Wie sie bereits beim Erzählcafé sagte, fand ihr Mann einst die Leiche eines Mannes, der während eines strengen Winters starb. Kinder hatten von der Straße aus Steine auf das zugefrorene Wasser geworfen, als er selbst gerade Randplatten von Eis befreite. Plötzlich wunderte er sich über einen sehr großen Stein – dieser entpuppte sich jedoch als Kopf des Toten.

Auch Ingeborg Diehl selbst fand eines Tages einen toten Menschen. Sie war gerade dabei, den Kiosk auf dem Gelände sauberzumachen, als sie etwas bemerkte: „Da lag vor mir eine tote Frau“. Die Frau hatte sich mutmaßlich selbst getötet. „Wir haben hautnah miterlebt, wie das Bad gewachsen ist“, sagt sie heute über das ehemalige Sulzbacher Freibad.

Doch die Zeit verstrich, und Horst Diehl wechselte 1973 als Angestellter ins Dudweiler Hallenbad, wo man zahlreiche Veranstaltungen betreute.

Ein Jahr später folgte der komplette Umzug der Familie. Noch später arbeitete er im ehemaligen Stadtbad Saarbrücken. In seiner Freizeit bestieg er gerne Berge, „als Ausgleich zum Schwimmbad“, wie Ingeborg Diehl erzählt. Vor sieben Jahren starb er, seitdem wohnt sie alleine in der einst gemeinsamen Eigentumswohnung in Dudweiler.