| 21:15 Uhr

Auf die Bretter gebracht
Arbeit mit „ganz besonderen Mädchen und Jungen“

Die Schauspieler auf der Bühne im Salzbrunnenhaus
Die Schauspieler auf der Bühne im Salzbrunnenhaus FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Die Musical-AG der Schule Winterbachsroth zeigte „König Hupf der Erste und der Zweite“ im Salzbrunnenhaus. Von Anja Kernig

So was tut man nicht. Punkt. Aus. Ende. Schon gar nicht als Staatsoberhaupt - mitten in der Nacht ausgelassen auf seiner Matratze herum hüpfen wie ein wildgewordenes Känguru, wo kommen wir da hin! Nein, „das gehört sich nicht“, wiederholt der Polizist streng. Steve verkörpert ihn mit einer Glaubhaftigkeit, die unter die Haut geht. Da ist jemand echt empört und entsprechend unerbittlich. Aber dazu später.


Wenn geistig behinderte Menschen Theater spielen, dann ist das ein bisschen wie die berühmte Pralinenschachtel von Forrest Gump. Man weiß nie so genau, was man kriegt. Textlernen ist schwierig, bestätigt Musikpädagogin Margit Schillo. Da muss halt viel improvisiert werden. Was einerseits den Adrenalinpegel aller Beteiligten nach oben treibt und anderseits jede Aufführung garantiert zu einem Erlebnis werden lässt. So auch im Salzbrunnenhaus, wo die 13 Mitglieder der Theater AG der Schule Winterbachsroth Dudweiler eine ganz besondere Version von „König Hupf“ aufführten. Nämliches Bilderbuch von Helme Heine diente als grobe Marschvorgabe, die Route legten die Schüler selber fest.

Allein die Geschichte ist schnell erzählt: Ein König, der nachts nicht schlafen kann, hüpft sich im Bett müde, und alles ist gut. Wäre da nicht jener Polizist und sein ganzes Volk, die diese Albernheit missbilligen. So muss Hupf, der Arme, selbst ein Hüpfverbot-Gesetz erlassen. Fast stirbt der Monarch des darauf folgenden Schlafmangels wegen, bis seine Untertanen ein Einsehen haben.



Was man in der gedruckten Vorlage vergebens sucht, sind Figuren wie der kickboxende Fitnesstrainer oder der Spinnenbeschwörer aus Südamerika. Tja, in Sulzbach gab es das alles, nur leider war es den Herrschaften auch nicht vergönnt, den König zu heilen. Oder vielmehr: die Könige.

„Auch auf die Idee sind die Schüle selber gekommen“, berichtet Margit Schillo. Weil der eine den anderen bei den Proben vertreten hat, sollte am Schluss niemand leer ausgehen. So durften sowohl Alexander als auch Jannik Hupf spielen, dann aber als Brüder. Und weil es so gut passte, gab es auch gleich noch zwei royale Schwestern, besetzt mit Marie Claire und Aylin, die sich rührend um ihre Theater-Brüder kümmerten.

Involviert in die Erarbeitung und, spontan auch als Mitwirkender auf der Bühne – „das haben wir erst auf den letzten Metern entschieden, dass ich den Butler spiele“- war Walter Schmuck, Schauspieler vom Theaterpädagogischen Zentrum Saar. „Sehr reizvoll“ sei die Arbeit mit diesen ganz besonderen Mädchen und Jungen gewesen. „Man muss wacher sein als sonst“, resümierte der Mime, „und ein Gespür für jeden einzelnen Schüler entwickeln, wie sie in einer Situation reagieren.“ Wenn Ordnungshüter Steve zum Beispiel partout das „schlimme Gesetz“ nicht kippen will, steht die ganze Handlung auf der Kippe. Schmuck selbst agierte mit großer Sensibilität, stahl trotz seiner souveränen schauspielerischen Fähigkeiten niemandem die Show und rettete nebenbei sämtliche kritische Momente während der Vorführung. Ob er sich solch eine Projektarbeit noch mal vorstellen könnte? „Auf jeden Fall“, strahlte der Theaterpädagoge.

Für eine runde Vorstellung sorgte nicht zuletzt die Schulband, die durch Helena Hoffman auf der Geige geadelt wurde. Die Abiturientin arbeitete vier Monate unentgeltlich in der Förderschule geistige Entwicklung, um den Beruf des Lehrers kennenzulernen.

Am Ende sangen alle Mitwirkenden „Wie die Welt leuchtet“ und das tat sie in der Tat. Einmal mehr, weil Steve das letzte Wort oblag. Mit der von ihm herbei gewünschten Wiederaufnahme des Stücks auf der Sommeralm wird es zwar eher nichts. Aber egal. „Ich hab mich so gefreut, dass ihr da ward, ihr lieben Gäste“, strahlte der gestrenge Polizist. „Es war so schön.“ Und wer nach so viel Lob nicht nachhause hüpfte, war selber schuld.